ROBOTNESS
Wirtschaft4 Min. LesezeitROBOTNESS-RedaktionVereinigte Staaten

Figure schickt seinen Humanoiden F.03 in BMWs Werk Spartanburg, nach 24-facher Produktionssteigerung und erstem Handelskunden

Figure AI hat am 30. Juni 2026 mitgeteilt, dass sein Humanoide Figure 03 in Halle 52 des BMW-Werks Spartanburg Teile sequenziert und dabei das Modell Helix 02 nutzt. Zuvor hatte Figure am 29. April erklärt, die eigene Fabrik BotQ habe die Fertigung binnen weniger als 120 Tagen von einem Roboter pro Tag auf einen pro Stunde gesteigert und mehr als 350 Einheiten ausgeliefert. Am 26. Mai folgte ein Vertrag mit Catalyst Brands, der Muttergesellschaft von JCPenney.

Zusammenfassung

Figure AI hat das zweite Quartal 2026 mit seinem neuesten Humanoiden in einem Autowerk abgeschlossen. Das US-Unternehmen teilte am 30. Juni mit, Figure 03 sei im BMW-Werk Spartanburg im Bundesstaat South Carolina angekommen und arbeite dort in Halle 52 in der Sequenzierung. Dabei werden Bauteile, die in unterschiedlicher Lage angeliefert werden, gegriffen und in der Reihenfolge bereitgestellt, die das Montageband braucht. Gesteuert wird der Roboter laut Figure vom eigenen Vision-Language-Action-Modell Helix 02, das Hände, Arme, Rumpf und Füße gemeinsam koordiniert.

Der Einsatz knüpft an einen früheren Versuch an. Figure zufolge trug das Vorgängermodell Figure 02 im vergangenen Jahr bei BMW zur Montage von 30.000 Fahrzeugen bei. Wie viele Figure 03 in Spartanburg arbeiten, welche Taktzeiten sie erreichen und welche Konditionen mit BMW gelten, gab Figure nicht bekannt.

Die Roboter stammen aus BotQ, Figures eigener Großserienfabrik. In einer Mitteilung vom 29. April erklärte Figure, die Produktion von Figure 03 sei von einem Roboter pro Tag auf einen pro Stunde gestiegen, eine 24-fache Steigerung in weniger als 120 Tagen. Ausgeliefert seien mehr als 350 Figure 03. BotQ verfüge über eigene Linien für alle kritischen Module und mehr als 150 vernetzte Arbeitsstationen, gesteuert von selbst entwickelter Fertigungssteuerungssoftware.

Figure BotQ: offengelegte Fertigungskennzahlen vom 29. April 2026
  • Takt vor dem Hochlauf
    Wert
    1
    Einheit
    Roboter pro Tag
  • Takt nach dem Hochlauf
    Wert
    24
    Einheit
    Roboter pro Tag (1 pro Stunde)
  • Steigerung des Durchsatzes
    Wert
    24
    Einheit
    fach
  • Dauer des Hochlaufs
    Wert
    120
    Einheit
    Tage (weniger als)
  • Ausgelieferte Figure 03
    Wert
    350
    Einheit
    Einheiten (mehr als)
  • Erstdurchlaufquote Bandende
    Wert
    80
    Einheit
    % (über)
  • Erstdurchlaufquote Batterielinie
    Wert
    99,3
    Einheit
    %
  • Ausgelieferte Batteriepacks
    Wert
    500
    Einheit
    Packs (mehr als)
  • Gefertigte Aktuatoren
    Wert
    9000
    Einheit
    Stück (mehr als)
  • Vernetzte Arbeitsstationen
    Wert
    150
    Einheit
    Stationen (mehr als)
  • Prüfpunkte im Prozess
    Wert
    50
    Einheit
    Punkte (mehr als)
  • Funktionstests je Roboter
    Wert
    80
    Einheit
    Tests (mehr als)

Alle Werte aus Figures Beitrag 'Ramping Figure 03 Production' vom 29. April 2026. Tagesleistung nach Hochlauf = 1 Roboter pro Stunde x 24 Stunden, wie von Figure angegeben. Untergrenzen markiert, wo Figure 'over' schrieb. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.

Stand: 1. Okt. 2026

Figure legte auch Qualitätsdaten offen. Die Erstdurchlaufquote am Bandende liege über 80 Prozent und steige wöchentlich. Die Batterielinie erreiche 99,3 Prozent bei mehr als 500 ausgelieferten Batteriepacks. Gefertigt worden seien mehr als 9.000 Aktuatoren in mehr als zehn Varianten. Es gebe mehr als 50 Prüfpunkte im Prozess, jeder Roboter durchlaufe vor der Auslieferung mehr als 80 Funktionstests. Hunderte Lieferanten seien nach Kriterien der Eingangsprüfung qualifiziert worden.

Die April-Mitteilung beschreibt auch, wohin die Roboter gehen. Sie werden auf interne Entwicklung, Datenerhebung, Haushaltsanwendungen und kommerzielle Kunden verteilt und an der Zentrale, bei Kunden und in Privathaushalten eingesetzt. Ein eigenes Flottenmanagement verfolgt Zustand, Standort und Betriebsstatus in Echtzeit, Software wird per Funk an die gesamte Flotte verteilt. Zudem stellte Figure System 0 vor, ein Ganzkörper-Steuerungsmodell mit Wahrnehmungsbezug, das nach reinem Simulationstraining ohne Nachjustierung reale Treppen bewältigt habe.

Am 26. Mai kam ein zweiter kommerzieller Kanal hinzu. Figure vereinbarte mit Catalyst Brands, der Holding hinter JCPenney, Aéropostale und Brooks Brothers, körperlich belastende Aufgaben im Logistikzentrum in Reno, Nevada, zu automatisieren. Figure bezeichnete die Vereinbarung als erste kommerzielle Brücke zu einem Portfoliounternehmen von Brookfield, das in beide Firmen investiert ist. Stückzahlen, Laufzeit und Preis wurden nicht genannt.

Figure wurde nach einer im September 2025 angekündigten Series C über 1 Milliarde Dollar mit 39 Milliarden Dollar bewertet, der höchsten offengelegten Bewertung unter Humanoid-Entwicklern. Wettbewerber verfolgen ähnliche Pfade. Apptronik arbeitet mit Mercedes-Benz und sammelte im Februar 2026 in einer Series-A-Erweiterung 520 Millionen Dollar ein. Agility Robotics setzt Digit bei Logistikkonzernen ein. Boston Dynamics bereitet den elektrischen Atlas für Werke von Hyundai vor, Tesla entwickelt Optimus für die eigenen Fabriken.

Für die deutsche Autoindustrie hat der Schritt besonderes Gewicht. Mit BMW und Mercedes-Benz testen zwei der drei großen deutschen Premiumhersteller Humanoide amerikanischer Start-ups in ihren Werken. Für Zulieferer und Mittelständler im Maschinenbau stellt sich die Frage, wer die Komponenten solcher Roboter liefert, denn Figure fertigt Aktuatoren und Batterien selbst. Europäische Humanoid-Projekte wie NEURA Robotics oder das Londoner Start-up Humanoid, an dem Schaeffler beteiligt ist, müssen sich nun an veröffentlichten Produktions- und Qualitätskennzahlen messen lassen.

Offen bleiben kommerzielle Tiefe und Stückkosten. Figure hat Kapazität, Ausbeute und mehr als 350 Auslieferungen genannt, nicht aber Umsatz, Preise oder die Zahl der Roboter, die bezahlte Kundenarbeit verrichten statt Daten zu sammeln. Eine Erstdurchlaufquote von 80 Prozent heißt zudem, dass jeder fünfte Roboter am Bandende nachgearbeitet werden muss, für die Autozulieferindustrie ein Wert aus der frühen Anlaufphase.

ROBOTNESS-Analyse

Figure legt als Humanoid-Hersteller Durchsatz, Ausbeute und Auslieferungen gemeinsam offen, und der BMW-Einsatz zeigt, dass diese Kapazität in bezahlte Industriearbeit statt in Vorführungen fließen soll.

Dafür sprechen ungewöhnlich konkrete Zahlen. Ein Takt von einem Roboter pro Stunde, mehr als 350 Auslieferungen, 99,3 Prozent Batterieausbeute und 9.000 Aktuatoren sind Fertigungsangaben, die Wettbewerber öffentlich kaum machen. Bei BMW folgt auf den Figure-02-Versuch eine schwierigere Aufgabe mit dem neueren Roboter, Catalyst bringt die Logistik dazu. Zur Jahresmitte hat Figure damit zwei Industriebranchen erschlossen.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass Kapazität keine Nachfrage ist. Figure nennt nicht, wie viele Roboter Umsatz bringen. Eine Holding-Vereinbarung ohne Stückzahl und eine BMW-Aufgabe ohne Taktzeit können jeweils nur eine Handvoll Einheiten bedeuten. Mit 80 Prozent Endausbeute werden beim Hochlauf auf Tausende Roboter Kosten- und Zuverlässigkeitsprobleme sichtbar, die kleine Flotten verdecken.

Positives Szenario. BMW weitet Figure 03 auf weitere Hallen und Werke aus, Catalyst bringt die Roboter zu anderen Brookfield-Beteiligungen, und der Datenkreislauf der Flotte verbessert Helix schnell genug, um die Bewertung von 39 Milliarden Dollar zu rechtfertigen.

Negatives Szenario. Die Einsätze bleiben pro Standort einstellig, Nacharbeit und Service zehren die Margen auf, und Konkurrenten mit Autokonzernen im Rücken wie Boston Dynamics und Tesla sichern sich zuerst die großen Werksaufträge.

Signale, auf die es ankommt.

  • Angaben von Figure oder BMW zu Stückzahlen oder Taktzeiten in Spartanburg in der zweiten Jahreshälfte 2026.
  • Eine Aktualisierung der BotQ-Erstdurchlaufquote, die Figure am 29. April 2026 mit über 80 Prozent und wöchentlich steigend angab.
  • Eine Ausweitung des Catalyst-Einsatzes über Reno hinaus oder ein zweiter Brookfield-Portfoliokunde.
Humanoid-Entwickler: zuletzt offengelegte Finanzierungsrunden
  • Figure AI
    Gründung
    Keine Daten
    Letzte offengelegte Runde
    Series C
    Betrag (Mio. US$)
    1000
    Post-Money (Mrd. US$)
    39
    Datum
    2025-09-16
  • Apptronik
    Gründung
    2016
    Letzte offengelegte Runde
    Series-A-Erweiterung
    Betrag (Mio. US$)
    520
    Post-Money (Mrd. US$)
    Keine Daten
    Datum
    2026-02-11
  • Agility Robotics
    Gründung
    2015
    Letzte offengelegte Runde
    Series B
    Betrag (Mio. US$)
    150
    Post-Money (Mrd. US$)
    Keine Daten
    Datum
    2022-04-22
  • Humanoid
    Gründung
    Keine Daten
    Letzte offengelegte Runde
    Series A
    Betrag (Mio. US$)
    152
    Post-Money (Mrd. US$)
    1,35
    Datum
    2026-07-21
  • 1X Technologies
    Gründung
    2014
    Letzte offengelegte Runde
    Series B
    Betrag (Mio. US$)
    100
    Post-Money (Mrd. US$)
    Keine Daten
    Datum
    2024-01-13

Angaben der Unternehmen oder Leadinvestoren. Figures Bewertung entspricht dem 28,9fachen von Humanoid (39 / 1,35). null bedeutet nicht offengelegt. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.

Stand: 1. Okt. 2026

Eckdaten
BMW-Einsatz
Figure 03 in Halle 52 des BMW-Werks Spartanburg (bekanntgegeben am 30. Juni 2026)
Aufgabe
Teilesequenzierung mit Helix 02
Früherer BMW-Versuch
Figure 02 trug zur Montage von 30.000 Fahrzeugen bei
Produktionstakt
1 Roboter pro Stunde, zuvor 1 pro Tag, in weniger als 120 Tagen
Ausgelieferte Figure 03
Mehr als 350 (Stand 29. April 2026)
Erstdurchlaufquote Bandende
Über 80 %
Erstdurchlaufquote Batterielinie
99,3 %, mehr als 500 Packs
Gefertigte Aktuatoren
Mehr als 9.000 in mehr als 10 Varianten
Catalyst-Brands-Vertrag
Logistikzentrum Reno, Nevada (26. Mai 2026)
Letzte offengelegte Bewertung
39 Mrd. Dollar Post-Money (Series C, September 2025)
Quellen
ROBOTNESS Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Humanoid-Firmen reden seit Jahren über Fabriken, Figure veröffentlicht nun Fabrikzahlen. Die April-Mitteilung liefert den ersten öffentlichen Maßstab für Humanoidenfertigung in Serie mit Durchsatz, Ausbeute und Komponentenvolumen, der BMW-Einsatz im Juni verbindet diese Produktion mit einem namentlich genannten Autohersteller.

    Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage, ob Humanoide in Stückzahlen gebaut werden können, zur Frage, ob Kunden diese Stückzahlen abnehmen. Figures nächste Angaben zu bezahlten Einsätzen setzen den Maßstab für alle Wettbewerber, die mit einer Produktionsgeschichte Kapital einwerben.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Apptronik, gestützt auf eine Series-A-Erweiterung von 520 Millionen Dollar im Februar 2026, arbeitet mit Mercedes-Benz an Anwendungen in der Autoproduktion. Agility Robotics konzentriert sich mit Digit auf Logistik. Boston Dynamics und Tesla haben Mutterkonzerne mit eigenen Werken, Hyundai für Atlas und die Tesla-Fabriken für Optimus.

    Figure fehlt ein solches Konzernwerk, deshalb sind externe Ankerkunden wie BMW und Catalyst entscheidend. Sein Vorteil ist Kapital. Mit 39 Milliarden Dollar hat Figure die höchste offengelegte Bewertung der Gruppe, die zugleich BotQ und die Rechenleistung für Helix finanziert. In Europa hat NEURA Robotics mit Übernahmen eine eigene Fertigungsbasis aufgebaut, Zahlen zu Takt und Ausbeute hat dort bisher niemand veröffentlicht.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Figures Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden Dollar aus dem September 2025 entspricht dem 28,9fachen der 1,35 Milliarden Dollar, mit denen Humanoid aus London im Juli 2026 bewertet wurde. Die Prämie beruht darauf, dass Figure als erster industrielle Fertigung und ein eigenes Modell gezeigt hat.

    Mehr als 350 ausgelieferte Roboter heißen, dass Investoren künftiges Volumen bezahlen und nicht die heutige Produktion. Ob BotQs Kapazität von einem Roboter pro Stunde in den nächsten 12 bis 18 Monaten auf bezahlte Aufträge trifft, wird die Bewertung testen.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Figure hat bis April mehr als 9.000 Aktuatoren in über zehn Varianten selbst gebaut und betreibt eine eigene Batterielinie mit 99,3 Prozent Erstdurchlauf. Diese vertikale Integration verringert die Abhängigkeit von externen Aktuatorlieferanten, einem Engpass vieler Humanoid-Hersteller.

    Figure nennt die Hunderte qualifizierten Lieferanten nicht und sagt nicht, welche Motoren, Lager, Getriebe, Sensoren und Rechenmodule zugekauft werden. Für deutsche Präzisionszulieferer, etwa bei Lagern und Getrieben, entscheidet sich an dieser Frage, ob amerikanische Humanoide ein Absatzmarkt oder ein geschlossenes System werden.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Zu beobachten sind Stückzahlen in Spartanburg und eine mögliche Ausweitung auf weitere BMW-Werke, auch in Deutschland, aktualisierte BotQ-Ausbeuten und eine kumulierte Auslieferungszahl jenseits von 350.

    Ebenso wichtig sind eine Ausweitung des Catalyst-Einsatzes über Reno hinaus und die Frage, ob Figure bei der nächsten Finanzierungsrunde Umsatz oder Preise offenlegt.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Figure hat den Humanoidenwettbewerb vom Prototyp zur Fertigungstransparenz verschoben, BMW und Catalyst sind die ersten Tests, ob die Nachfrage mithält. Zuversicht: mittel. Die Fertigungszahlen sind konkret, stammen aber vom Unternehmen selbst, und Umsatz, Preise und bezahlte Flottengröße fehlen weiterhin.

    Die Zuversicht stiege, wenn Figure oder BMW zweistellige Stückzahlen pro Standort oder Umsätze nennen. Sie sänke, wenn die Auslieferungen stagnieren oder BMW mit einem anderen Anbieter ausweitet.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie viele der mehr als 350 ausgelieferten Roboter verrichten bezahlte Kundenarbeit? Wie hoch sind die Stückkosten bei einem Takt von einem Roboter pro Stunde, und wie wirkt sich die Nacharbeit bei 80 Prozent Erstdurchlauf aus?

    Welche Taktzeit und Verfügbarkeit erreicht Figure 03 in BMWs Halle 52 im Vergleich zu Werkern? Enthält der Catalyst-Vertrag Mengenzusagen oder weitere Brookfield-Beteiligungen?