Skild AI meldet 100 Millionen Dollar wiederkehrenden Jahresumsatz und ein Modell, das aus einem Video lernt
Skild AI hat nach eigenen Angaben zehn Monate nach dem ersten kommerziellen Einsatz die Marke von 100 Millionen Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz überschritten und zählt mehr als 60 zahlende Kunden. Das am 18. August vorgestellte Modell S1 soll neue Aufgaben ohne erneutes Training aus einer einzigen Videovorführung übernehmen.
Skild AI hat als Entwickler eines Robotik-Basismodells einen neunstelligen Umsatz-Run-Rate öffentlich gemacht und verschiebt damit den Wettlauf um das Robotergehirn auf die Umsatzebene. Das Unternehmen teilte am 10. September 2026 mit, es habe zehn Monate nach seinem ersten kommerziellen Einsatz 100 Millionen Dollar wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) überschritten. In diesem Zeitraum seien bereits 50 Millionen Dollar als Umsatz verbucht worden.
Nach Angaben von Skild arbeiten seine Roboter inzwischen für mehr als 60 zahlende Kunden. Sie transportieren Waren, liefern aus, inspizieren Anlagen, übernehmen Sicherheitsaufgaben, bereiten Speisen zu und arbeiten in Lagern, Fabriken und Rechenzentren. Auf mobile Robotik entfallen 10 Prozent des Umsatzes, davon 4 Prozent auf fahrerlose Transportsysteme (AMR). Die übrigen rund 90 Prozent stammen überwiegend aus Handhabungsaufgaben. Zahl der eingesetzten Roboter, Bruttomarge und Profitabilität nannte Skild nicht.
- Wiederkehrender Jahresumsatz (Mio. USD)
- 100
- Verbuchter Umsatz seit erstem Einsatz (Mio. USD)
- 50
- Monate seit erstem kommerziellen Einsatz
- 10
- Zahlende Kunden (mindestens)
- 60
- Anteil Mobilität am Umsatz (%)
- 10
- davon AMR-Lösungen (%)
- 4
- Anteil Handhabung, rund (%)
- 90
Angaben von Skild AI; hochgerechnet, nicht testiert. Keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Drei Kundenprojekte nennt das Unternehmen namentlich. Gemeinsam mit NVIDIA und Foxconn setzt Skild seine Software Skild Brain auf zweiarmigen Manipulatoren in der Präzisionsmontage von NVIDIA-Blackwell-Systemen ein. Bei Sumitomo Wiring Systems arbeitet es auf den Einsatz von S1 in der Kabelbaumfertigung hin. Mit Mitsui & Co., deren Lieferketten laut Skild täglich 1,4 Millionen Mahlzeiten in Japan bedienen, testet es Universalroboter in Großküchen.
Die Umsatzmeldung folgte auf die Vorstellung von S1 am 18. August. Skild bezeichnet S1 als Modell für In-Context-Lernen: Statt für jede Aufgabe neu trainiert zu werden, sieht es ein Video der Aufgabe und führt sie dann aus. Nach Unternehmensangaben bewältigte S1 bisher unbekannte Aufgaben von bis zu zehn Minuten Dauer, darunter Pfannkuchen wenden, Filterkaffee aufbrühen, Pflanzen umtopfen und Bausätze montieren. In einem Beispiel vergingen elf Minuten zwischen der Aufnahme einer Vorführung zum Eintopfen einer Pflanze und der selbstständigen Ausführung durch den Roboter.
In einem eigenen Vergleich stellt Skild S1 einem herkömmlichen, per Sprache angesteuerten Vision-Language-Action-Modell (VLA) gegenüber, das mit denselben Daten trainiert wurde, bei Datenmengen von 1.000 bis 100.000 Stunden. Bei unbekannten Aufgaben erreichte S1 eine durchschnittliche kumulierte Erfolgsquote je Arbeitsschritt von 66 Prozent, das sprachgesteuerte Modell 9 Prozent. Eine Vorführung im Kontext sei etwa 380 Beispielen im Nachtraining gleichwertig, und bei Aufgaben von mehr als vier Minuten koste das Sammeln von 380 Vorführungen 50 bis 100 Stunden Teleoperation. Ein mit 2.000 Vorführungen nachtrainiertes Modell überholt S1 allerdings mit 86 Prozent. Bei bereits im Training gesehenen Aufgaben stieg die Genauigkeit von S1 mit wachsendem Vortraining auf 96 Prozent.
Die Trainingsdaten kombinieren Teleoperation, Aufzeichnungen mit handgeführten UMI-Greifern, Videos aus der Ich-Perspektive und Simulation. Skild gibt nach eigenen Worten für jeden Dollar Datenerhebung drei Dollar für Qualitätskontrolle aus. NVIDIA schrieb am 10. September, S1 nutze die Weltmodelle Cosmos und das Datenwerkzeug Cosmos Curator, Isaac Sim und Isaac Lab mit der Physik-Engine Newton sowie TensorRT für die Inferenz.
Skild wurde 2023 gegründet und ist gut finanziert. Die Series A über 300 Millionen Dollar im Juli 2024 bewertete das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Dollar. Im Januar 2026 folgte eine von SoftBank angeführte Series C über 1,4 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von mehr als 14 Milliarden Dollar, an der sich unter anderem NVentures, Macquarie Capital, Bezos Expeditions, LG, Schneider Electric und Salesforce Ventures beteiligten. Damals bezifferte Skild seine Einnahmen in einigen Monaten des Jahres 2025 auf rund 30 Millionen Dollar. Im April 2026 übernahm Skild das Robotikgeschäft von Zebra Technologies, das frühere Fetch Robotics, samt der Orchestrierungsplattform Symmetry Fulfillment.
Für Europas Industrie ist das Modell besonders relevant. Im März 2026 kündigte Skild Partnerschaften mit ABB Robotics, Universal Robots und NVIDIA an, Schneider Electric ist Investor. Das Geschäftsmodell zielt damit auf die installierte Basis europäischer Industrie- und Cobot-Arme: Skild verkauft das Gehirn, die etablierten Hersteller liefern die Mechanik. Für Mittelständler mit hoher Variantenvielfalt und kleinen Losgrößen wäre ein Roboter, der eine neue Aufgabe aus einem Video lernt, ein Weg, Automatisierung ohne teure Programmierstunden zu rechnen.
Im Vergleich mit Wettbewerbern sticht die Umsatzangabe heraus. Figure AI sammelte im September 2025 eine Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung ein, Apptronik im Februar 2026 eine Series-A-Erweiterung über 520 Millionen Dollar; beide haben keinen wiederkehrenden Umsatz veröffentlicht. Physical Intelligence, das im November 2025 eine Series B abschloss, veröffentlicht Forschung statt Umsätze. Bei Google DeepMinds Gemini Robotics 2 vom 30. Juli bleiben die Aktionsmodelle Partnern vorbehalten.
- Skild AI
- 2023
- Series C
- 1400
- 14
- 2026-01-14
- Figure AI
- Keine Daten
- Series C
- 1000
- 39
- 2025-09-16
- Apptronik
- 2016
- Series-A-Erweiterung
- 520
- Keine Daten
- 2026-02-11
- Agility Robotics
- 2015
- Series B
- 150
- Keine Daten
- 2022-04-22
- 1X Technologies
- 2014
- Series B
- 100
- Keine Daten
- 2024-01-13
- Physical Intelligence
- Keine Daten
- Series B
- Keine Daten
- Keine Daten
- 2025-11-20
Laut Unternehmensmitteilungen; null, wenn nicht veröffentlicht. Bewertungssprung Skild AI = Post-Money Series C (14,0 Mrd. USD) / Post-Money Series A (1,5 Mrd. USD, Juli 2024) = 9,3-fach.
Stand: 1. Okt. 2026
Der Reiz des In-Context-Lernens ist wirtschaftlicher Natur. Jedes Feintuning für eine neue Aufgabe kostet Datenerhebung, Rechenzeit und Ingenieursstunden. Kann ein Kunde ein Video aufnehmen und in Minuten eine funktionierende Steuerung erhalten, sinken die Kosten einer neuen Aufgabe auf die Kosten des Filmens. Skilds eigene Zahlen zeigen aber auch die Grenze: Nachtraining mit 2.000 Vorführungen bleibt bei der Erfolgsquote überlegen, bei Großserienaufgaben kann sich klassisches Feintuning also weiter lohnen.
Offene Fragen bleiben. ARR ist eine hochgerechnete Kennzahl, kein testierter Umsatz, und Skild trennt nicht zwischen Softwarelizenzen, Hardware, Dienstleistungen und dem im April zugekauften Zebra-Geschäft. Die 66 Prozent sind ein Durchschnitt je Arbeitsschritt aus einer internen Auswertung, kein unabhängiger Benchmark. Welche Roboterhardware für die S1-Tests verwendet wurde, nannte Skild nicht.
ROBOTNESS-Analyse
Skild macht aus dem Wettlauf der Robotik-Basismodelle einen Umsatzwettlauf, und das In-Context-Lernen soll jeden neuen Kunden billiger anbinden als den vorherigen.
Dafür sprechen die Kennzahlen, die Skild gewählt hat: ARR, verbuchter Umsatz, Kundenzahl und Umsatzanteile nach Aufgabentyp, dazu ein S1-Benchmark, der eingesparte Vorführungen in den Vordergrund stellt. Namentlich genannte Industriekunden in Japan und an der Foxconn-Linie zeigen, dass das Modell in Fabriken verkauft wird und nicht nur in Labore.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass ein spürbarer Teil des Umsatzes aus zugekauften und konventionellen Geschäften stammen könnte. Skild übernahm im April Zebras Robotiksparte, allein AMR-Lösungen machen 4 Prozent aus. Solange Lizenz- und Integrationsumsatz nicht getrennt sind, sagt die Zahl mehr über Vertriebsstärke als über das Modell.
Bull Case: S1 macht neue Aufgaben nahezu kostenlos, die Kundenzahl wächst überproportional, und Skild wird über Partner wie ABB Robotics und Universal Robots zur Standardsoftware auf fremden Armen und Humanoiden. Die Bewertung von mehr als 14 Milliarden Dollar wäre dann durch Umsatzmultiplikatoren gedeckt.
Bear Case: Mit jedem Kunden wächst auch der Integrations- und Serviceaufwand, die Margen bleiben dünn, und offene Modelle von NVIDIA und anderen drücken den Aufpreis für ein proprietäres Gehirn. Bei Großserienaufgaben behalten nachtrainierte Wettbewerber mit 86 gegenüber 66 Prozent die Oberhand.
Signale, die wir beobachten:
- Ob Skild beim nächsten Update den Lizenzanteil am Umsatz oder die Bruttomarge offenlegt.
- Ob die Kabelbaumfertigung bei Sumitomo Wiring Systems und das Küchenprojekt mit Mitsui & Co. bis Anfang 2027 in den Regelbetrieb gehen.
- Ob ABB Robotics oder Universal Robots Kundenprojekte mit Skild Brain in Europa melden.
- 10. September 2026 (ARR); 18. August 2026 (S1)
- 100 Millionen Dollar
- 50 Millionen Dollar in 10 Monaten
- mehr als 60
- Mobilität 10 % (AMR 4 %), Handhabung rund 90 %
- 66 % gegenüber 9 % beim sprachgesteuerten VLA (je Arbeitsschritt)
- Ein Video entspricht rund 380 Beispielen im Nachtraining
- NVIDIA und Foxconn, Sumitomo Wiring Systems, Mitsui & Co.
- mehr als 14 Milliarden Dollar (Series C, Januar 2026)
Warum das wichtig ist
Entwickler von Robotik-Basismodellen haben Milliarden mit dem Versprechen eingesammelt, ein allgemeines Modell könne viele Roboter steuern. Skilds Meldung vom 10. September misst dieses Versprechen an Umsätzen: 100 Millionen Dollar ARR, 50 Millionen Dollar verbucht und mehr als 60 zahlende Kunden in zehn Monaten.
S1 soll die Kurve halten. Wenn eine neue Aufgabe ein Video statt Hunderter teleoperierter Vorführungen erfordert, sinken die Grenzkosten je Neukunde deutlich. Das ist die Voraussetzung für softwareähnliches Wachstum in einer hardwarelastigen Branche.
Wettbewerbsanalyse
Figure AI und Apptronik bauen eigene Humanoide und haben keine wiederkehrenden Umsätze veröffentlicht. Skild verkauft ein Gehirn für fremde Hardware, von zweiarmigen Systemen an der Foxconn-Linie bis zur übernommenen AMR-Flotte von Fetch Robotics.
In Europa trifft das auf eine große installierte Basis. Die im März angekündigten Partnerschaften mit ABB Robotics und Universal Robots geben Skild Zugang zu etablierten Armen, während Neura Robotics, das im Juni 2026 seine Series C meldete, in Skilds Partnerliste nicht auftaucht. Für europäische Hersteller stellt sich die Frage, ob sie fremde Gehirne integrieren oder eigene Modelle entwickeln.
Bewertungskontext
Die Bewertung von Skild stieg von 1,5 Milliarden Dollar in der Series A im Juli 2024 auf mehr als 14 Milliarden Dollar in der Series C im Januar 2026, etwa das 9,3-Fache. Gemessen an 100 Millionen Dollar ARR entspricht die Januar-Bewertung rund dem 140-Fachen des hochgerechneten Umsatzes (14.000 / 100), ein Multiplikator, der weiter hohes Wachstum unterstellt.
Bei der Series C nannte Skild rund 30 Millionen Dollar Einnahmen aus einigen Monaten 2025. Die 100 Millionen Dollar ARR im September 2026 passen zum Wachstumspfad, den die Januar-Investoren finanziert haben, belegen aber noch keine Margen. Eine neue Runde über 14 Milliarden Dollar würde zeigen, dass Investoren den ARR als zentrale Bewertungsgröße akzeptieren.
Folgen für die Lieferkette
Die genannten Einsätze führen in konkrete Lieferketten: Montage von NVIDIA-Blackwell-Servern bei Foxconn, Kabelbäume für die Autoindustrie bei Sumitomo Wiring Systems und Großküchen im Netz von Mitsui & Co. Alle drei sind arbeitsintensiv und variantenreich, klassische Automatisierung ist dort teuer umzurüsten.
Technisch nutzt S1 laut NVIDIA Cosmos, Isaac Sim, Isaac Lab und TensorRT. Kabelbaumfertigung ist auch für europäische Autozulieferer ein arbeitsintensiver Engpass; gelingt der Einsatz bei Sumitomo, wäre das ein Referenzfall für die deutsche Zulieferindustrie.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens eine Aufschlüsselung des Umsatzes nach Lizenzen, Hardware und Dienstleistungen. Zweitens der Produktionsstart bei Sumitomo Wiring Systems.
Drittens Ergebnisse aus dem Küchenpilot mit Mitsui & Co., der S1 an verformbaren Lebensmitteln und wechselnden Menüs prüft. Viertens Skilds Arbeit zum physischen Self-Play vom 23. September, bei der S1 nach Unternehmensangaben nach 140 Jahren simuliertem Spiel Fußball lernte; das deutet auf eine nächste Modellgeneration mit mehr Simulation und weniger Teleoperation.
Analystensicht
These: Skild hat unter den Entwicklern von Robotik-Basismodellen die glaubwürdigste kommerzielle Zugkraft, und S1 soll die Anbindungskosten mit wachsender Größe senken. Zuversicht: mittel. Umsatz-, Kunden- und Partnerangaben stehen auf Skilds eigenen Seiten, der Foxconn-Einsatz wird durch NVIDIA bestätigt.
Höher ist die Zuversicht nicht, weil der ARR nicht testiert ist und zugekauftes AMR-Geschäft mit modellgetriebener Handhabung vermischt, und weil der S1-Benchmark intern ist und je Arbeitsschritt misst. Eine veröffentlichte Bruttomarge oder eine unabhängige Reproduktion würde die Zuversicht erhöhen.
Offene Fragen
Welcher Anteil der 100 Millionen Dollar ARR stammt aus dem früheren Zebra-Geschäft, welcher aus Lizenzen für Skild Brain? Wie hoch ist die Bruttomarge bei Handhabungsprojekten?
Auf welchen Armen und Händen wurden die 66 und 96 Prozent gemessen, und halten sie auf Kundenlinien? Wird S1 über die Early-Access-Anmeldung hinaus für externe Entwickler geöffnet, und zu welchem Preis? Gibt es bereits Kundenprojekte mit ABB Robotics oder Universal Robots in Europa?