IFR: Absatz professioneller Serviceroboter steigt um 24 Prozent, Logistik liefert fast die Hälfte, Humanoide kommen auf rund 7.000 Stück
Die weltweiten Auslieferungen professioneller Serviceroboter sind 2025 um 24 Prozent auf knapp 250.000 Einheiten gestiegen, getragen von 117.500 Transport- und Logistikrobotern, teilte die International Federation of Robotics am 30. September 2026 in Frankfurt mit. Verkauft wurden rund 7.000 Humanoide in voller Größe; von 174 identifizierten Herstellern sitzt mehr als die Hälfte in China.

Rund 7.000 Humanoide in voller Größe hat die Welt im vergangenen Jahr gekauft, aber rund 117.500 Roboter, die Waren bewegen. Dieses Verhältnis stammt aus dem Bericht World Robotics 2026 Service Robots, den die International Federation of Robotics (IFR) am 30. September 2026 in Frankfurt vorgestellt hat. Es ist die belastbarste branchenweite Zahl dazu, wo die Serviceautomatisierung tatsächlich steht.
Die Auslieferungen professioneller Serviceroboter stiegen 2025 um 24 Prozent auf knapp 250.000 Einheiten, teilte der Verband mit. Medizinroboter legten um 19 Prozent zu, Serviceroboter für Verbraucher um 37 Prozent. Für Investoren, die in diesem Jahr Milliarden in Humanoide gesteckt haben, zeigen die Daten, wie weit der Absatz der Aufmerksamkeit hinterherläuft und wie stark die Antwort davon abhängt, wer zählt.
Die Logistik stellt fast die Hälfte der Stückzahlen
Transport und Logistik blieben mit 117.500 verkauften Einheiten das größte Einsatzfeld, ein Plus von 21 Prozent und ein Marktanteil von 47 Prozent, so die IFR. Diese Roboter bewegen Material und automatisieren Lieferwege in Werken und Lagern. Der klassische Verkauf bleibt der wichtigste Vertriebsweg, doch Robot-as-a-Service-Modelle gewinnen weiter an Boden, in den USA ist RaaS bereits das vorherrschende Geschäftsmodell.
Auf Rang zwei folgen Roboter für das Gastgewerbe, überwiegend Geräte für Führung, Informationspunkte und Telepräsenz, auf Rang drei professionelle Reinigungsroboter, vor allem für Böden. Am schnellsten wuchsen andere Felder. Laut der Präsentation zur Pressekonferenz legten Inspektions- und Wartungsroboter um 83 Prozent zu, die professionelle Reinigung um 40 Prozent, Logistik um 21 Prozent sowie Landwirtschaft und Gastgewerbe um je 19 Prozent.
Chirurgie treibt die Medizin, der Haushalt die Verbrauchergeräte
Der Absatz von Medizinrobotern stieg um 19 Prozent auf 15.300 Einheiten. Chirurgieroboter waren mit 8.400 Stück und einem Plus von 57 Prozent der wichtigste Treiber, was die IFR mit besseren klinischen Ergebnissen und wachsender Akzeptanz beim Fachpersonal begründet. Verbraucherserviceroboter, überwiegend Haushaltsgeräte für den Massenmarkt, legten um 37 Prozent auf knapp 34,2 Millionen Einheiten zu.
Humanoide: rund 7.000 Stück, verteilt auf 174 Hersteller
Die IFR zählte für 2025 rund 7.000 Humanoide in voller Größe, also über 140 Zentimeter, die weltweit für gewerbliche und professionelle Zwecke jenseits von Forschung und Unterhaltung verkauft wurden. Die meisten Anwendungen seien spezialisiert und benötigten oft einen menschlichen Teleoperator. Als Bremsen nennt der Verband Sicherheitsnormen, hohe Trainings- und Wartungskosten und das Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells, gerade in der Industrie. Weltweit hat die IFR 174 Humanoid-Hersteller identifiziert, mehr als die Hälfte in China, viele erst in den vergangenen Jahren gegründet. Werner Kraus, Vorsitzender des IFR-Serviceroboter-Komitees und Leiter des Bereichs Automatisierung und Robotik am Fraunhofer IPA, kündigte ein eigenes Humanoid-Kapitel im Bericht an.
Die Zahlen haben einen Vorbehalt. Sie beruhen auf einer Stichprobe von 238 der 1.001 Hersteller und sind nicht auf die gesamte Branche hochgerechnet; Vergleiche zwischen Erhebungsjahren rät die IFR ausdrücklich ab, weil sich die Stichprobe jährlich ändert. Das Marktforschungshaus IDC kam mit anderer Methode allein für das erste Halbjahr 2026 auf knapp 25.000 ausgelieferte Humanoide, ein Plus von 432,1 Prozent, wobei chinesische Anbieter mehr als 95 Prozent stellten.
Was das für Deutschland bedeutet
Für die deutsche Industrie liest sich der Bericht zweigeteilt. Bei Industrierobotern bleibt Deutschland laut IFR der größte Markt Europas, steckt aber nach Darstellung des Verbands weiter in der Rezession. Bei Servicerobotern dagegen liegen die Wachstumsfelder dort, wo der Mittelstand stark ist, in Intralogistik, Inspektion und Reinigung. Die IFR illustrierte ihre Mitteilung mit dem mobilen Roboter Induros von Innok Robotics. Neura Robotics aus Metzingen hat mit Bosch Rexroths ACTIVE Shuttle und dem Reinigungsroboterhersteller ADLATUS genau in diesen Feldern zugekauft.
ROBOTNESS-Analyse
Der Servicerobotermarkt wächst auf Rädern, nicht auf Beinen: Logistik-, Reinigungs- und Inspektionsroboter tragen Volumen und Wachstum, während Humanoide ein Pilotmarkt bleiben, dessen Größe von der Definition abhängt.
Die Rechnung ist eindeutig. Allein Logistikroboter wurden 2025 etwa 16,8-mal so oft verkauft wie Humanoide in voller Größe, und die Humanoid-Zahl entspricht 2,8 Prozent des professionellen Gesamtmarkts. Verteilt auf 174 Hersteller ergeben 7.000 Einheiten im Schnitt rund 40 Roboter je Firma, zu wenig für echte Lerneffekte aus der Serienfertigung. Mit 83 Prozent Wachstum zeigt die Inspektion, dass Autonomie dort am schnellsten Geld verdient, wo Roboter für eine Aufgabe gebaut sind.
- Professionelle Serviceroboter (inkl. AMR)
- 250.000
- 24
- davon Transport und Logistik
- 117.500
- 21
- Medizinroboter
- 15.300
- 19
- davon Chirurgieroboter
- 8.400
- 57
- Verbraucherserviceroboter
- 34.200.000
- 37
- Humanoide in voller Größe (über 140 cm)
- 7.000
- Keine Daten
IFR nennt knapp 250.000 professionelle, knapp 34,2 Mio. Verbrauchergeräte und rund 7.000 Humanoide. Stichprobe 238 von 1.001 Herstellern, nicht hochgerechnet. Logistikanteil = 117.500 / 250.000 = 47 %. Humanoide relativ zum Profimarkt = 7.000 / 250.000 = 2,8 %. Logistik zu Humanoiden = 117.500 / 7.000 = 16,8. Humanoide je Hersteller = 7.000 / 174 = 40. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Das stärkste Gegenargument ist der Zeitpunkt. Die IFR-Daten beschreiben 2025, und IDC zählte im ersten Halbjahr 2026 mehr als das Dreifache der IFR-Jahreszahl für Humanoide, wenn auch mit anderer Definition. Eine Stichprobe von 238 aus 1.001 Herstellern könnte zudem junge Humanoid-Firmen übersehen, die gerade erst ausliefern.
- Inspektion und Wartung
- 83
- Keine Daten
- Professionelle Reinigung
- 40
- 3
- Transport und Logistik
- 21
- 1
- Landwirtschaft
- 19
- Keine Daten
- Gastgewerbe
- 19
- 2
Wachstumsraten aus der IFR-Präsentation zur Pressekonferenz, Ränge 1 bis 3 laut IFR-Mitteilung, übrige Ränge nicht veröffentlicht. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Im günstigen Fall bestätigen die Daten für 2026 den Schritt der Humanoide von Vorführungen in bezahlte Arbeit, RaaS senkt die Einstiegshürde wie bei US-Logistikrobotern, und die 174 Hersteller konsolidieren sich zu wenigen Serienanbietern. Im ungünstigen Fall gehen die meisten Einheiten 2026 erneut an Forschung, Bildung und Schauräume, wie der von IDC gemessene Anteil von 69 Prozent für Forschung, Bildung, Vorführung und Behörden im ersten Halbjahr 2026 nahelegt, während weiter Kapital in eine Kategorie fließt, deren gewerblicher Absatz neben Logistik und Reinigung kaum ins Gewicht fällt.
- IFR
- Gesamtjahr 2025
- Humanoide über 140 cm für gewerbliche und professionelle Nutzung
- 7.000
- Keine Daten
- IDC
- 1. Halbjahr 2026
- Humanoid-Auslieferungen nach IDC-Definition
- 25.000
- 432,1
IFR: rund 7.000. IDC: knapp 25.000, veröffentlicht am 29. September 2026. Definitionen und Methoden unterscheiden sich, die Zeilen sind nicht direkt vergleichbar. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Drei datierte Signale werden die These prüfen.
- Bis 31. März 2027 die Geschäftsberichte 2026 börsennotierter Humanoid-Hersteller wie UBTech und Unitree mit testierten Jahresstückzahlen.
- Im Lauf des Jahres 2027, ob RaaS-Verträge für Humanoide in einer Größenordnung wie bei US-Logistikrobotern entstehen.
- Um September 2027 der nächste IFR-Bericht und die Frage, ob der Humanoid-Absatz 25.000 Einheiten übersteigt.
- knapp 250.000 Einheiten, +24 %
- 117.500 Einheiten, +21 %, Anteil 47 %
- 15.300 Einheiten, +19 %
- 8.400 Einheiten, +57 %
- knapp 34,2 Mio. Einheiten, +37 %
- rund 7.000 (über 140 cm)
- 174, mehr als die Hälfte in China
- Inspektion und Wartung, +83 %
- 238 von 1.001 Herstellern, nicht hochgerechnet
- 30. September 2026, Frankfurt
Warum das wichtig ist
Die IFR ist die einzige Organisation, die Serviceroboter weltweit auf Basis von Herstellermeldungen zählt, und ihr Bericht 2026 versieht erstmals den gewerblichen Humanoid-Absatz mit einer offiziellen Zahl. Rund 7.000 Einheiten für 2025 sind ein Anker, an dem sich Firmenangaben und Marktprognosen künftig messen lassen.
Der Bericht zeigt zudem, wofür Kunden zahlen. Logistik-, Reinigungs- und Inspektionsroboter wachsen mit 21 bis 83 Prozent auf Geschäftsmodellen, die Abnehmer verstehen, RaaS eingeschlossen. Aus diesem Umsatz müssen die meisten Anbieter ihre nächsten Produkte finanzieren, Humanoide inklusive.
Wettbewerbsanalyse
In der Logistik sitzen etablierte Anbieter wie AutoStore, Symbotic und Agility Robotics mit Digit, im Segment mit 47 Prozent der professionellen Stückzahlen. In der Inspektion profitiert die Schweizer ANYbotics vom am schnellsten wachsenden Einsatzfeld.
Bei Humanoiden dominiert China nach Herstellerzahl und Auslieferungen. Europas Antwort sind kapitalstarke Einzelfälle wie Neura Robotics und Humanoid aus London, die Schaeffler und Bosch als Investoren gewonnen hat. Für deutsche Zulieferer liegt die greifbarere Chance in den Komponenten und in der Intralogistik, wo Stückzahlen und Zahlungsbereitschaft bereits vorhanden sind. Das ist unsere Einschätzung.
Bewertungskontext
Private Humanoid-Bewertungen in der ROBOTNESS-Datenbank reichen von 1,35 Milliarden Dollar für Humanoid bis 39 Milliarden Dollar für Figure AI. Gemessen an rund 7.000 weltweit verkauften Humanoiden 2025 sind das Wetten auf Stückzahlen, die binnen weniger Jahre um ein bis zwei Größenordnungen höher liegen.
Da die IFR in dieser Mitteilung keine Umsätze nennt, rechnen wir Stückzahlen nicht in Marktwerte um; jeder Durchschnittspreis wäre eine Schätzung.
Folgen für die Lieferkette
Logistik- und Reinigungsroboter nutzen ausgereifte Komponenten wie Radantriebe, Lidar, Tiefenkameras und Akkupacks, was RaaS-taugliche Preise ermöglicht. Humanoide brauchen je Einheit deutlich mehr Aktoren, Getriebe und Hände, was die Kosten treibt und den Hochlauf an Komponentenhersteller bindet, von denen viele in China sitzen.
Die IFR erwartet, dass Handelsregeln und Cybersicherheitsvorgaben mittelfristig lokal gefertigte Roboter begünstigen, kurzfristig aber Absatz kosten könnten. Für europäische Hersteller ist das ein Argument für regionale Lieferketten.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens die Geschäftsberichte 2026 börsennotierter Humanoid-Hersteller bis Ende März 2027. Zweitens Humanoid-RaaS-Verträge in nennenswerter Größe. Drittens der nächste IFR-Serviceroboterbericht um September 2027 und die Frage, ob der Humanoid-Absatz 25.000 Einheiten übersteigt. Für Deutschland zusätzlich die Industrieroboter-Installationen 2026 als Gradmesser, ob die Rezession der Branche endet.
Analystensicht
These: Das Wachstum bei Servicerobotern kommt von spezialisierten Radrobotern, Humanoide sind noch ein Pilotmarkt. Zuversicht: mittel. Die IFR-Daten sind herstellergemeldet und über die Segmente konsistent, decken aber nur 2025 und eine Stichprobe von 238 Herstellern ab, während IDC für 2026 schnelleres Humanoid-Wachstum nahelegt.
Wir würden unsere Sicht ändern, wenn testierte Berichte für 2026 Humanoid-Absätze im Bereich von Zehntausenden Einheiten zeigen, überwiegend an gewerbliche Kunden.
Offene Fragen
Wie viele der 174 Humanoid-Hersteller haben an der IFR-Erhebung teilgenommen? Welcher Anteil der 7.000 Humanoide ging an Industriekunden? Wie werden per RaaS vermietete Roboter gezählt? Plant die IFR, Umsatz- oder Preisdaten für Humanoide zu veröffentlichen? Wie groß ist die Lücke zwischen IFR- und IDC-Definition in Stückzahlen? Wie viele der Inspektionsroboter stammen von europäischen Anbietern?