NVIDIA definiert einen Referenz-Humanoiden für Forschungslabore aus Unitree-Körper, Sharpa-Händen und Jetson-Thor-Rechner
NVIDIA hat am 1. Juni 2026 auf der GTC Taipei einen Isaac-GR00T-Referenzhumanoiden für die akademische Forschung vorgestellt. Er basiert auf Unitrees H2 Plus mit zwei taktilen Sharpa-Wave-Händen mit je 22 Freiheitsgraden und einem Jetson-AGX-Thor-T5000-Rechner. Unitree soll ihn ab Ende 2026 liefern, einen Preis nannte NVIDIA nicht.
NVIDIA möchte, dass Hochschullabore ihre Humanoiden nicht länger selbst zusammenbauen. Auf der GTC Taipei während der Computex stellte der Chipkonzern am 1. Juni 2026 den NVIDIA Isaac GR00T Reference Humanoid Robot vor, eine vollständig spezifizierte Forschungsplattform aus einem Unitree-Körper, Händen von Sharpa, NVIDIAs Jetson-Thor-Rechner und der Isaac-Software. Erhältlich sein soll das System ab Ende 2026 über Unitree. Einen Preis nannte NVIDIA nicht.
Die Basis bildet der Humanoide Unitree H2 Plus, laut NVIDIA knapp sechs Fuß (rund 1,83 Meter) groß und 150 Pfund (rund 68 Kilogramm) schwer, mit 31 Freiheitsgraden im Körper. An jedem Arm sitzt eine taktile Fünffingerhand Sharpa Wave mit 22 Freiheitsgraden, sodass der gesamte Roboter auf 75 Freiheitsgrade kommt. Die Armgelenke liefern bis zu 120 Newtonmeter, die Beingelenke bis zu 360 Newtonmeter. Die Nennlast der Arme liegt bei 7 Kilogramm, die Spitzenlast bei 15 Kilogramm.
- Körper
- Unitree (H2 Plus)
- Freiheitsgrade
- 31
- DOF
- Körper
- Unitree (H2 Plus)
- Gewicht
- 150
- lb
- Hände
- Sharpa (Wave)
- Freiheitsgrade je Hand
- 22
- DOF
- Gesamtroboter
- NVIDIA-Referenzdesign
- Freiheitsgrade gesamt
- 75
- DOF
- Arme
- Unitree (H2 Plus)
- Max. Gelenkmoment
- 120
- Nm
- Beine
- Unitree (H2 Plus)
- Max. Gelenkmoment
- 360
- Nm
- Arme
- Unitree (H2 Plus)
- Nennlast
- 7
- kg
- Arme
- Unitree (H2 Plus)
- Spitzenlast
- 15
- kg
- Rechner
- NVIDIA (Jetson AGX Thor T5000)
- KI-Leistung
- 2070
- FP4-TFLOPS
- Rechner
- NVIDIA (Jetson AGX Thor T5000)
- Gemeinsamer Speicher
- 128
- GB
- Rechner
- NVIDIA (Jetson AGX Thor T5000)
- Max. Leistungsaufnahme
- 130
- W
- Akku
- Unitree (H2 Plus)
- Energie
- 0,97
- kWh
- Akku
- Unitree (H2 Plus)
- Laufzeit
- 3
- Stunden (ca.)
Alle Werte aus NVIDIAs Mitteilung vom 1. Juni 2026. Freiheitsgrade gesamt = 31 Körper + 2 x 22 Hand. Laufzeit ist NVIDIAs Näherungswert. Rechnerleistung zwischen 40 und 130 W einstellbar. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Für die Wahrnehmung sorgen eine Stereokamera im Kopf mit 140 Grad horizontalem und 102 Grad vertikalem Sichtfeld, Kameras an den Handgelenken für die Nahmanipulation und eine inertiale Messeinheit. Gerechnet wird auf dem Modul Jetson AGX Thor T5000 mit einer Blackwell-GPU von 2.070 FP4-Teraflops, einer Arm-CPU mit 14 Kernen und 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher bei einer zwischen 40 und 130 Watt einstellbaren Leistungsaufnahme. Ein Akku mit 15 Amperestunden und 0,972 Kilowattstunden reicht nach NVIDIA-Angaben für rund drei Stunden Betrieb. Hinzu kommen Ethernet, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2, USB, Mikrofon- und Lautsprecherarray sowie ein Not-Halt an der Fernbedienung.
Entscheidend ist die Software rund um die Mechanik. Forscher sollen mit Isaac Teleop Demonstrationsdaten aufzeichnen, mit den offenen Isaac-GR00T-Basismodellen Schlussfolgern und Mehrfachaufgaben umsetzen, in Isaac Sim und Isaac Lab simulieren, trainieren und Strategien bewerten und diese über die Middleware Isaac ROS auf Jetson Thor zur Echtzeitinferenz und Steuerung bringen. Derselbe Ablauf unterstützt den kleineren Unitree G1, ein G1-Referenzworkflow soll laut NVIDIA bald auf GitHub und Hugging Face erscheinen.
Als erste Nutzer nennt NVIDIA das Allen Institute for AI (Ai2), das Robotic Systems Lab der ETH Zürich, das Stanford Robotics Center und das Advanced Robotics and Controls Laboratory der UC San Diego. Vorstandschef Jensen Huang erklärte in der Mitteilung, Humanoide würden physische KI in die größten Industrien tragen, und der Referenzroboter gebe Forschern eine einheitliche offene Plattform. ETH-Professor Marco Hutter wird mit der Aussage zitiert, das Design verschaffe seinen Teams einen Humanoiden auf dem neuesten Stand. Auch Skild-AI-Chef Deepak Pathak kommt zu Wort.
Der Schritt folgt NVIDIAs bisheriger Robotikstrategie. Der Konzern verkauft Trainings-GPUs, Simulationssoftware und Bordrechner und veröffentlicht GR00T-Modelle mit offenen Gewichten, die Roboterkörper überlässt er Partnern. Das Referenzdesign schließt die Lücke dazwischen. Labore, die heute einen Unitree G1 oder H1 kaufen, Hände von Drittanbietern anbauen und die Integration selbst programmieren, können künftig eine auf NVIDIAs Werkzeuge abgestimmte Konfiguration bestellen.
Wettbewerber gehen anders vor. Google DeepMind entwickelt die Gemini-Robotics-Modelle und arbeitet mit Hardwarepartnern wie Boston Dynamics, verkauft aber keinen Standardroboter für Labore. Hugging Face fördert über LeRobot günstige offene Hardware. Chinesische Hersteller wie Unitree, AgiBot und Fourier beliefern Hochschulen ohnehin mit Humanoiden, Unitree erhält nun eine von NVIDIA unterstützte Produktlinie.
Für Europa hat die Beteiligung der ETH Zürich Gewicht. Das Robotic Systems Lab, aus dem ANYbotics hervorging, zählt zu den einflussreichsten Gruppen für Laufroboter. Wenn dort und an anderen Spitzenlaboren derselbe Körper, dieselben Hände und dieselbe Software laufen, entstehen Datensätze und Benchmarks, an denen sich europäische Hersteller wie NEURA Robotics, Humanoid aus London oder die Robotikaktivitäten von Schaeffler und Bosch messen lassen müssen. Für den Mittelstand stellt sich die Frage, ob seine Antriebe, Getriebe und Sensoren in solchen Referenzdesigns überhaupt vorkommen.
Offen bleibt manches. NVIDIA nennt weder Preis noch einen genaueren Liefertermin als Ende 2026 und äußert sich nicht zu Exportfragen beim Verkauf eines in China gefertigten Körpers an Einrichtungen in den USA und Europa. Drei Stunden Akkulaufzeit begrenzen lange Datensammlungen. Und wer sich auf den Stack eines Anbieters festlegt, wechselt später schwerer zu anderen Modellen oder Chips.
ROBOTNESS-Analyse
NVIDIA macht die Humanoidenforschung zu einer Standardstückliste rund um eigene Rechner und Software, so wie es früher mit Entwicklungskits für das autonome Fahren verfuhr.
Dafür spricht, was NVIDIA festgelegt hat. Jede Ebene, die NVIDIA wiederkehrende Erlöse bringt, von der Teleoperation über Simulation und Training bis zur Inferenz an Bord, ist im Design fixiert, während alle Teile, die NVIDIA nicht selbst herstellt, von Partnern ohne Kapitalverflechtung stammen. Die vier Startinstitutionen gehören zu den bekanntesten Robotikgruppen in den USA und Europa.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Labore Flexibilität schätzen. Viele Spitzengruppen bauen eigene Hardware, gerade weil ihre Fragestellungen verschieden sind, und ein 150 Pfund schwerer Humanoide mit drei Stunden Laufzeit passt nicht zu jedem Projekt. Zudem bündelt das Design das Lieferrisiko bei einem chinesischen Körperhersteller in einer Phase schärferer Handelskontrollen.
Positives Szenario. Im Lauf des Jahres 2027 übernehmen Dutzende Labore die Plattform, gemeinsame Datensätze und Benchmarks entstehen auf Hugging Face, und darauf trainierte GR00T-Modelle werden zum Ausgangspunkt akademischer Humanoidenforschung, was die Nachfrage nach Jetson Thor und GPUs erhöht.
Negatives Szenario. Preis- und Exportunsicherheit bremsen die Verbreitung, Labore bleiben bei günstigeren G1 mit eigenen Händen, und konkurrierende Modellanbieter gewinnen Forscher mit besseren Ergebnissen auf gemischter Hardware.
Signale, auf die es ankommt.
- Die Veröffentlichung des G1-Referenzworkflows auf GitHub und Hugging Face, die NVIDIA nach dem 1. Juni 2026 bald erwartete.
- Erste Auslieferungen durch Unitree Ende 2026 und ein offengelegter Preis.
- NVIDIAs GTC im März 2027 mit möglichen neuen GR00T-Modellen und Angaben zur Verbreitung des Referenzroboters.
- Skild AI
- 2023
- Series C
- 1400
- 14
- 2026-01-14
- Figure AI
- Keine Daten
- Series C
- 1000
- 39
- 2025-09-16
- Humanoid
- Keine Daten
- Series A
- 152
- 1,35
- 2026-07-21
- Apptronik
- 2016
- Series-A-Erweiterung
- 520
- Keine Daten
- 2026-02-11
- 1X Technologies
- 2014
- Series B
- 100
- Keine Daten
- 2024-01-13
Angaben der Unternehmen oder Leadinvestoren. null bedeutet nicht offengelegt. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
- 1. Juni 2026, GTC Taipei
- Unitree H2 Plus, 31 Freiheitsgrade, rund 150 Pfund
- Zwei taktile Sharpa-Wave-Hände mit je 22 Freiheitsgraden
- 75
- Jetson AGX Thor T5000, 2.070 FP4-TFLOPS, 128 GB
- 0,972 kWh, rund 3 Stunden
- Über Unitree, Ende 2026
- Nicht genannt
- Ai2, ETH Zürich RSL, Stanford Robotics Center, UC San Diego ARCL
Warum das wichtig ist
Forschungshardware prägt die Gewohnheiten einer ganzen Generation von Robotikingenieuren. Mit einer kompletten Referenzkonfiguration macht NVIDIA seine Simulation, Teleoperation, Modelle und Bordinferenz zum kürzesten Weg für jedes Labor, das einen geschickten Humanoiden will, ohne selbst Roboter zu bauen.
Das Design zeigt auch, wo NVIDIA den Engpass sieht. Zwei taktile Hände mit je 22 Freiheitsgraden bedeuten, dass die Plattform auf Manipulation und kontaktreiche Datenerhebung zielt und nicht nur auf das Gehen.
Wettbewerbsanalyse
Google DeepMinds Gemini-Robotics-Modelle erreichen Hardware über Partner wie Boston Dynamics und werden Entwicklern über die Gemini-API angeboten, einen Standardroboter für Labore legt DeepMind aber nicht fest. Hugging Face setzt mit LeRobot auf günstige Arme und offene Datensätze. NVIDIA besetzt mit einem lebensgroßen Humanoiden das obere Ende.
Auf der Hardwareseite erhält Unitree ein gemeinsames Produkt mit direktem Zugang zu westlichen Spitzenlaboren. Europäische Hersteller wie NEURA Robotics oder Humanoid verfügen über keinen vergleichbaren Referenzstatus in der Forschung, obwohl Humanoid im Juli 2026 eine Bewertung von 1,35 Milliarden Dollar erreichte.
Bewertungskontext
Die Mitteilung enthält keinen Preis, die Umsatzwirkung lässt sich nicht beziffern. NVIDIAs wirtschaftliches Interesse liegt weniger in Hardwaremargen als in der Folgenachfrage nach Jetson-Thor-Modulen, Rechenzentrums-GPUs für Training und Simulation und dem Softwareökosystem.
Für private Physical-AI-Firmen ist die Plattform zweischneidig. Skild-AI-Chef Pathak unterstützt sie, doch eine gemeinsame Forschungsplattform senkt auch die Hürden für akademische Ausgründungen, die mit heutigen Modellentwicklern konkurrieren könnten, deren zuletzt offengelegte Runden von 100 Millionen Dollar bei 1X bis 1,4 Milliarden Dollar bei Skild AI reichen.
Folgen für die Lieferkette
Die Stückliste umfasst einen chinesischen Körperlieferanten (Unitree), einen Handlieferanten (Sharpa) und NVIDIAs Modul Jetson AGX Thor T5000. Laut NVIDIA liefert Unitree den Roboter, Fertigung und Auslieferung liegen damit beim chinesischen Partner.
Das schafft Abhängigkeit von der Handelspolitik zwischen den USA und China und berührt die Beschaffungsregeln europäischer Hochschulen. Aktuatoren mit 360 Newtonmetern im Bein und dichte taktile Hände sind die teuersten und knappsten Komponenten jedes Humanoiden, hier liegen Chancen für europäische Antriebs- und Sensorspezialisten, sofern sie in künftige Referenzdesigns gelangen.
Worauf jetzt zu achten ist
Zu beobachten sind die Veröffentlichung des G1-Referenzworkflows auf GitHub und Hugging Face und die ersten H2-Plus-Auslieferungen durch Unitree Ende 2026.
Weitere Signale sind erste Veröffentlichungen oder offene Datensätze von Ai2, ETH Zürich, Stanford oder UC San Diego mit dem Referenzroboter sowie ein Preis, der über die Erschwinglichkeit für mittelgroße Labore entscheidet.
Analystensicht
These: Der Referenzhumanoide ist ein Vertriebsinstrument für NVIDIAs Robotiksoftware und Rechner, das Fertigungsrisiko tragen die Hardwarepartner. Zuversicht: mittel. Die strategische Logik ist klar, doch ohne Preis, Stückzahlen und Liefertermine lässt sich die Verbreitung nicht beurteilen.
Die Zuversicht stiege, wenn NVIDIA oder Unitree bis Mitte 2027 zweistellige Laborinstallationen melden und gemeinsame Datensätze entstehen. Sie sänke, wenn Exportkontrollen oder Beschaffungsregeln den in China gebauten Körper aus öffentlich finanzierten Laboren fernhalten.
Offene Fragen
Was kostet der Roboter, und subventioniert NVIDIA erste akademische Einheiten? Welche GR00T-Modellversion wird ausgeliefert, und sind Updates an bestimmte Jetson-Softwarestände gebunden?
Wie wirken Exportkontrollen und Beschaffungsregeln auf einen von Unitree gebauten Humanoiden mit NVIDIA-Rechner? Werden Sharpa-Wave-Hände auch einzeln für Labore mit anderen Körpern verkauft?