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Finanzierung4 Min. LesezeitROBOTNESS-RedaktionVereinigtes Königreich

Londoner Robotikfirma Humanoid sammelt 152 Millionen Dollar ein, Schaeffler und Bosch steigen ein

Das 2024 gegründete Londoner Unternehmen Humanoid hat eine Series-A-Runde über 152 Millionen Dollar abgeschlossen, angeführt von Prime Movers Lab, bei einer Post-Money-Bewertung von 1,35 Milliarden Dollar. Schaeffler und Bosch sind zugleich Kunden, Zulieferer und Gesellschafter. Das Geld fließt in die Serienfertigung des rollenden Humanoiden, eine Beta-Flotte ab dem vierten Quartal 2026 und die KI-Software KinetIQ.

Londoner Robotikfirma Humanoid sammelt 152 Millionen Dollar ein, Schaeffler und Bosch steigen ein (Illustration: ROBOTNESS)
Zusammenfassung

Das Londoner Robotikunternehmen Humanoid hat am 21. Juli 2026 den Abschluss einer Series-A-Finanzierung über 152 Millionen Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung nach der Runde liegt bei 1,35 Milliarden Dollar. Nach eigener Darstellung ist Humanoid damit das erste europäische Unternehmen, das sich ausschließlich auf humanoide Roboter konzentriert und die Milliardenschwelle überschreitet. Gegründet wurde die Firma 2024.

Angeführt wurde die Runde vom US-Investor Prime Movers Lab. Beteiligt sind außerdem Schaeffler aus Herzogenaurach, Bosch, Fubon Financial Holding Venture Capital und Aglaé Ventures. Insgesamt hat Humanoid nach eigenen Angaben 270 Millionen Dollar eingesammelt; vor der Series A waren es rechnerisch rund 118 Millionen Dollar.

Wofür das Geld gedacht ist

Humanoid nennt vier Verwendungszwecke: eine Roboterplattform der nächsten Generation, kommerzielle Einsätze in Logistik, Fertigung und Handel, die Serienfertigung der Radversion und die Weiterentwicklung des hauseigenen KI-Systems KinetIQ. Beta-Geräte des rollenden Roboters sollen im vierten Quartal 2026 ausgeliefert werden. Bosch fungiert als Auftragsfertiger. Die Montage liegt damit bei einem der größten deutschen Industriekonzerne und nicht in einer eigenen Start-up-Fabrik.

Das erste Modell HMND 01 Alpha gibt es mit Rädern und auf zwei Beinen. Im Dezember 2025 teilte Humanoid mit, die zweibeinige Version sei 48 Stunden nach der Montage stabil gelaufen und in fünf Monaten entwickelt worden, gegenüber nach Firmenangaben üblichen 18 bis 24 Monaten. Traglast, Geschwindigkeit und Akkulaufzeit nannte das Unternehmen in der Finanzierungsmitteilung nicht.

Der Schaeffler-Vertrag als Fundament

Der belastbarste kommerzielle Beleg ist eine am 13. Mai 2026 vorgestellte Vereinbarung. Schaeffler plant demnach, bis 2032 eine vierstellige Zahl rollender Humanoid-Roboter in seinen Werken weltweit einzusetzen. Die erste Phase läuft von Dezember 2026 bis Juni 2027 und beginnt mit Kistenhandling in der laufenden Produktion in Herzogenaurach. In Schweinfurt folgen eine dreimonatige Fähigkeitsdemonstration und eine dreimonatige Validierung vor Ort. Humanoid liefert im Robot-as-a-Service-Modell inklusive Flottensoftware, Wartung und Support rund um die Uhr.

Der Vertrag wirkt auch in die Gegenrichtung. Schaeffler wird bevorzugter Lieferant für Gelenkaktuatoren und soll bis 2031 mehr als 50 Prozent des Bedarfs decken, nach Angaben der Partner eine siebenstellige Stückzahl. Finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht.

Mit Siemens hat Humanoid einen Machbarkeitsnachweis in der Industrielogistik abgeschlossen, im März 2026 folgte ein Pilot in der Automobillogistik mit SAP und dem Zulieferer Martur Fompak. Am 21. Mai 2026 gab Humanoid nach einem Pilotprojekt eine Partnerschaft mit Bosch bekannt. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 250 Menschen in London, Boston, Vancouver und San Diego und wird von Gründer und Vorstandschef Artem Sokolov geführt.

Wettbewerb

Im Vergleich mit amerikanischen Entwicklern ist die Runde klein. Figure AI sammelte im September 2025 eine Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung ein, Skild AI im Januar 2026 1,4 Milliarden Dollar bei 14 Milliarden. Apptronik schloss im Februar 2026 eine Series-A-Erweiterung über 520 Millionen Dollar ab. In Europa ist NEURA Robotics aus Metzingen der Maßstab: Das Unternehmen kündigte am 10. Juni 2026 eine Series C von bis zu 1,4 Milliarden Dollar an, ohne eine Bewertung zu nennen.

Series A von Humanoid im Vergleich mit Finanzierungsrunden von Humanoid- und Robotik-KI-Firmen
  • Humanoid
    Land
    GB
    Gründung
    2024
    Runde
    Series A
    Betrag (Mio. USD)
    152
    Post-Money (Mrd. USD)
    1,35
    Datum
    2026-07-21
  • NEURA Robotics
    Land
    DE
    Gründung
    2019
    Runde
    Series C (bis zu)
    Betrag (Mio. USD)
    1400
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Datum
    2026-06-10
  • Apptronik
    Land
    US
    Gründung
    2016
    Runde
    Series-A-Erweiterung
    Betrag (Mio. USD)
    520
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Datum
    2026-02-11
  • Skild AI
    Land
    US
    Gründung
    2023
    Runde
    Series C
    Betrag (Mio. USD)
    1400
    Post-Money (Mrd. USD)
    14
    Datum
    2026-01-14
  • Figure AI
    Land
    US
    Gründung
    Keine Daten
    Runde
    Series C
    Betrag (Mio. USD)
    1000
    Post-Money (Mrd. USD)
    39
    Datum
    2025-09-16
  • 1X Technologies
    Land
    US
    Gründung
    2014
    Runde
    Series B
    Betrag (Mio. USD)
    100
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Datum
    2024-01-13

Jeweils letzte veröffentlichte Runde laut Unternehmensmitteilung. Nur veröffentlichte Zahlen, keine Schätzungen; null bedeutet nicht veröffentlicht. NEURA-Betrag ist die angekündigte Obergrenze.

Stand: 1. Okt. 2026

Dass das erste Serienprodukt rollt statt läuft, ist pragmatisch. Auf ebenen Hallenböden entfallen Balance- und Sturzrisiken, der Energiebedarf sinkt und die Sicherheitsbewertung wird einfacher, während Arme und Kamerakopf auf Arbeitshöhe bleiben. Treppen und unebenes Gelände spielen beim Kistenhandling kaum eine Rolle.

Bedeutung für den deutschen Mittelstand und die Zulieferer

Bemerkenswert ist die Rolle der deutschen Zulieferer. Schaeffler und Bosch sind bei Humanoid Kunde, Lieferant und Gesellschafter zugleich und haben auch die Series C von NEURA Robotics mitfinanziert. Die großen Antriebs- und Automatisierungskonzerne verteilen ihre Wetten auf mehrere Humanoid-Hersteller, um sich künftige Aktuator- und Antriebsvolumina zu sichern. Für mittelständische Getriebe-, Sensor- und Motorenhersteller öffnet sich damit ein Markt, in dem der Zugang über die Großkonzerne läuft. Für Anwender in der Automobilindustrie entsteht eine europäische Bezugsquelle mit Service vor Ort.

Risiken

Umsatz, Stückkosten und die Kapazität der Bosch-Linie hat Humanoid nicht veröffentlicht. Die Schaeffler-Zahlen sind Ziele bis 2032, der erste Live-Einsatz beginnt erst im Dezember 2026. Eine Bewertung von 1,35 Milliarden Dollar vor der Auslieferung der Beta-Geräte setzt voraus, dass die Piloten planmäßig in bezahlte Flotten münden.

ROBOTNESS-Analyse

Die Bewertung von Humanoid beruht weniger auf dem Roboter selbst als darauf, dass das Unternehmen Europas Antriebszulieferer zugleich in Lieferkette und Kundenliste eingebunden hat.

Dafür spricht die Vertragsstruktur. Schaeffler kauft Roboter, liefert mehr als die Hälfte der Aktuatoren und hält Anteile; Bosch baut die Maschinen und ist ebenfalls investiert. Damit sind die beiden größten Risiken eines Hardware-Start-ups, Bauteilkosten und Fertigungsskalierung, weitgehend adressiert.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass Kreisgeschäfte die Nachfrage überzeichnen. Ein Zulieferer, der dem Start-up Aktuatoren verkauft, hat ein Interesse an Bestellungen, und eine vierstellige Stückzahl über sechs Jahre verteilt auf ein globales Werksnetz ist je Standort überschaubar.

Optimistisches Szenario: Die Phase in Herzogenaurach erreicht im ersten Halbjahr 2027 ihre Ziele, Schaeffler geht in Volumenbestellungen, und der Aktuatorvertrag ermöglicht Robot-as-a-Service-Preise unter den Kosten eines Schichtarbeiters in Deutschland. Eine Folgerunde zu einem Vielfachen der heutigen Bewertung wäre die Konsequenz.

Pessimistisches Szenario: Der rollende Roboter erweist sich im Serienbetrieb als zu langsam oder zu störanfällig, der Pilot zieht sich, und US-Konkurrenten mit zehnmal so viel Kapital liefern zuerst. Humanoid wäre dann auf seine strategischen Gesellschafter angewiesen.

  • Viertes Quartal 2026: Auslieferung der Beta-Geräte
  • Dezember 2026: erste Systeme laufen in Herzogenaurach
  • Juni 2027: Ende der ersten Schaeffler-Phase und Entscheidung über den Ausbau
Eckdaten
Runde
Series A, bekanntgegeben am 21. Juli 2026
Volumen
152 Millionen Dollar
Post-Money-Bewertung
1,35 Milliarden Dollar
Gesamtfinanzierung
270 Millionen Dollar
Lead-Investor
Prime Movers Lab
Weitere Investoren
Schaeffler, Bosch, Fubon Financial Holding VC, Aglaé Ventures
Gründung
2024 in London
Beschäftigte
mehr als 250
Beta-Auslieferung
viertes Quartal 2026
Ankerkunde
Schaeffler, vierstellige Flotte bis 2032
Quellen
ROBOTNESS Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Humanoid ist das erste europäische Unternehmen mit reinem Humanoid-Fokus und veröffentlichter Bewertung über einer Milliarde Dollar, und es hat Industriekonzerne statt nur Finanzinvestoren im Gesellschafterkreis. Schaeffler und Bosch decken Nachfrage, Aktuatorversorgung und Auftragsfertigung ab, also genau die drei Punkte, an denen Hardware-Start-ups zwischen Pilot und Serie meist scheitern.

    Für europäische Anwender entsteht eine heimische Alternative zu US- und chinesischen Anbietern. Einkaufsabteilungen bei Autoherstellern und Tier-1-Zulieferern, die auf Datenhoheit, Service und Exportkontrollen achten, haben nun zwei finanzstarke europäische Optionen: Humanoid und NEURA Robotics.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Figure AI und Apptronik verfügen über ein Vielfaches an Kapital und setzen auf zweibeinige Designs für US-Kunden aus Auto und Logistik. Humanoid adressiert dieselben Kistenaufgaben mit einer einfacheren Radplattform und könnte früher in bezahlte Einsätze kommen, verzichtet aber auf Treppen- und Geländetauglichkeit.

    In Europa ist NEURA Robotics der direkte Wettbewerber um dieselben deutschen Industriekunden und teilt mit Humanoid die Investoren Bosch und Schaeffler. NEURA bietet ein breites Portfolio von Cobots bis zum Humanoiden 4NE1, Humanoid setzt auf eine Kategorie. Die beiden Zulieferer sehen die Leistungsdaten beider Firmen und gewinnen damit Verhandlungsmacht.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Bei 1,35 Milliarden Dollar Post-Money und 152 Millionen Dollar frischem Kapital ergibt sich eine Pre-Money-Bewertung von rund 1,2 Milliarden Dollar. Abgegeben wurden rechnerisch etwa 11,3 Prozent (152 Millionen geteilt durch 1,35 Milliarden). Vor der Series A hatte Humanoid rund 118 Millionen Dollar eingesammelt (270 Millionen minus 152 Millionen).

    Im Vergleich zu Figure AI mit 39 Milliarden und Skild AI mit 14 Milliarden Dollar ist Humanoid ein Bruchteil wert. Darin spiegeln sich die Tiefe des US-Kapitalmarkts und die noch ausstehende Beta-Auslieferung. Umsatzzahlen für einen Multiplikatorvergleich fehlen.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Schaeffler liefert bis 2031 mehr als 50 Prozent der Gelenkaktuatoren, eine siebenstellige Stückzahl. Bosch montiert, und seit Januar 2026 setzt Humanoid nach eigenen Angaben NVIDIA-Technik ein. Humanoid konzentriert sich auf Design und Software, die Schwerindustrie ist ausgelagert.

    Das senkt den Kapitalbedarf, schwächt aber die Preissetzungsmacht und schafft Klumpenrisiken. Offen ist, wer die übrigen Aktuatoren liefert. Für mittelständische Antriebsspezialisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das eine konkrete Chance.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Erster Test ist die Beta-Auslieferung im vierten Quartal 2026, die das Fertigungsmodell mit Bosch belegt. Zweiter Test ist der Start in Herzogenaurach im Dezember 2026 sowie die Ergebnisse aus Schweinfurt.

    Entscheidend wird das Ende der ersten Schaeffler-Phase im Juni 2027. Ein Handelskunde außerhalb des Gesellschafterkreises würde die Geschichte deutlich verbreitern.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Humanoid hat sich früher als die meisten Humanoid-Start-ups eine industrielle Lieferkette gesichert und ist damit ein glaubwürdiger europäischer Serienkandidat für rollende Logistikroboter, die Bewertung eilt den belegten Feldergebnissen aber voraus.

    Konfidenz: mittel. Investoren, Lieferstruktur und Zeitplan sind konkret veröffentlicht. Es fehlen jedoch Umsatz-, Kosten- und Zuverlässigkeitsdaten, und der Ankerkunde ist zugleich Investor und Lieferant.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie viele Beta-Geräte werden im vierten Quartal 2026 ausgeliefert, und welche Monatskapazität hat die Bosch-Linie?

    Welcher Teil des Schaeffler-Ziels ist vertraglich fest, und wie sind die Robot-as-a-Service-Konditionen gestaltet?

    Wer liefert die Aktuatoren außerhalb des Schaeffler-Anteils, und hängt KinetIQ von einem einzigen Rechenplattform-Anbieter ab?