D-Robotics sammelt 400 Millionen Dollar für Roboterchips ein und will Chinas Humanoiden das Gehirn liefern
D-Robotics, das Chipgeschäft für Roboter, das Horizon Robotics seit März nicht mehr konsolidiert, hat am 17. September 2026 eine Serie-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, ohne einen Investor oder eine Bewertung zu nennen. Das Unternehmen meldet mehr als 8 Millionen ausgelieferte Sunrise-Chips und über 20 Kunden für den neuen S600, darunter UBTECH, Fourier und Booster Robotics.

Mehr als 8 Millionen Sunrise-Chips hat D-Robotics nach eigenen Angaben ausgeliefert, doch wer die jüngsten 400 Millionen Dollar bereitgestellt hat, verrät das Unternehmen nicht. In einer am 17. September 2026 in Hongkong verbreiteten Mitteilung meldete der chinesische Anbieter von Roboter-Rechentechnik den Abschluss einer Serie-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar. Beteiligt seien ein führender globaler Internetkonzern als strategischer Investor, erstklassige Finanzinvestoren und bestehende Gesellschafter. Namen, Bewertung und Umsatz nannte D-Robotics nicht.
Es ist die größte Robotikfinanzierung, die in der ROBOTNESS-Datenbank für September 2026 verzeichnet ist, vor General Intuition mit 220 Millionen und SiMa.ai mit 150 Millionen Dollar. Die Investoren wetten darauf, dass Roboterhersteller ihre Rechenplattform künftig zukaufen, statt sie selbst zu entwickeln. Für europäische Hersteller ist das keine Nebensache, denn genau an dieser Stelle entscheidet sich, wer an einem Humanoiden verdient.
Acht Millionen Chips, zwanzig S600-Kunden, kein genannter Geldgeber
Das Kapital soll laut Mitteilung die Sunrise-Chipfamilie über mehrere Leistungsklassen erweitern und eine Softwareplattform finanzieren, die die gesamte Entwicklungskette eines Roboters abdeckt. Hardware und Software sollen als integrierte Infrastruktur verkauft werden. Bis zum ersten Halbjahr 2026 seien kumuliert mehr als 8 Millionen Sunrise-Chips ausgeliefert worden, der Umsatz habe sich im ersten Halbjahr im Jahresvergleich vervielfacht. Absolute Zahlen fehlen.
Der im November 2025 vorgestellte Sunrise S600 sei binnen sechs Monaten von mehr als 20 Kunden übernommen worden. Genannt werden TARS, Spirit AI, X Square Robot, UBTECH, PaXini Tech, Astribot, Fourier und Booster Robotics, also ein großer Teil der chinesischen Humanoidenbranche. Zudem nutzten mehr als 500 Hochschulen und über 100.000 Entwickler in mehr als 20 Ländern die Werkzeuge des Unternehmens, und das D-Robotics Gravity Program unterstütze über 500 Robotikteams in zehn Produktkategorien.
Eine Ausgründung, die Horizon nicht mehr kontrolliert
Warum die Geldgeber anonym bleiben, erschließt sich teilweise aus einer Pflichtmitteilung von Horizon Robotics. Im Jahresabschluss 2025, am 19. März 2026 bei der Hongkonger Börse veröffentlicht, schrieb Horizon, D-Robotics sei im September 2023 als Tochter registriert worden; der eigene Anteil sei von knapp 70 Prozent beim Börsengang auf rund 40 Prozent verwässert worden. Die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft D-GUA Brother LP wolle eine Vereinbarung über gemeinsames Handeln mit Horizon beenden, die Gründer eine Vollmacht zur Besetzung des Boards zurückziehen. Danach werde Horizon D-Robotics als assoziiertes Unternehmen bilanzieren und größter Anteilseigner bleiben. Zwei Begründungen sind aufschlussreich: Die Bruttomarge von D-Robotics liege deutlich unter der des Kerngeschäfts, und das Unternehmen brauche fortlaufend externe Finanzierung. Ein halbes Jahr später ist sie da.
Das zugekaufte Robotergehirn konkurriert mit NVIDIA und mit den eigenen Kunden
Der naheliegende Wettbewerber ist NVIDIA. Nach früherer ROBOTNESS-Berichterstattung steckt Jetson Thor als Rechenmodul im Referenz-Humanoiden, den NVIDIA im Juni mit Unitree und Sharpa vorgestellt hat, und dient als Plattform für das Weltmodell Cosmos 3 Edge. In den USA hat SiMa.ai am 28. September 150 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,45 Milliarden Dollar für Edge-KI-Chips für Humanoide, Autos und Drohnen eingesammelt. D-Robotics setzt auf eine Treppe aus Entwicklungskits: Laut Website reicht sie vom RDK X3 mit 5 TOPS über das RDK X5 mit 10 TOPS bis zum RDK S100 mit mehr als 80 TOPS. Ein Start-up kann auf einer günstigen Platine beginnen und ohne Softwarewechsel aufsteigen.
TOPS steht für Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und ist das gängige Maß für die KI-Rechenleistung eines Chips. Die Mitteilung zum S600 vermerkt in einer Fußnote, es handle sich um effektive TOPS bei halber Sparsity, also unter der Annahme, dass die Hälfte der Modellgewichte null ist und übersprungen werden kann. Zudem liege die Total Processing Performance unter 4.800. Einkäufer sollten die Spitzenwerte als bestmögliches Ergebnis für ausgedünnte Modelle lesen.
Für Europa verschiebt die Runde die Kostenbasis. Chinesische Humanoidenhersteller erhalten einen gut finanzierten heimischen Lieferanten für das Bauteil, das am schwersten zu ersetzen ist. Europäische Humanoidenentwickler wie NEURA Robotics oder Humanoid aus London haben in diesem Jahr große Runden abgeschlossen; die Wahl ihrer Rechenplattform wird damit auch zur Kostenfrage. Für Zulieferer aus Automobil und Mittelstand, die in Humanoiden einen neuen Absatzmarkt sehen, ist die Frage, wessen Plattform sich durchsetzt, entscheidend für Schnittstellen und Zertifizierung.
Offen bleibt vieles. Investoren, Bewertung und Umsatz sind unbekannt. Die 8 Millionen Chips beziehen sich auf alle Sunrise-Generationen, auch auf Bausteine vor dem S600, und sagen wenig über die Nachfrage nach Humanoiden. Und ein Lieferant, dessen Kunden eigene Chips entwickeln, kann seine größten Abnehmer verlieren, sobald diese erfolgreich sind.
ROBOTNESS-Analyse
D-Robotics will die zugekaufte Rechenplattform für Chinas Roboterbranche werden, und die gut 20 S600-Kunden zählen mehr als die anonymen Geldgeber; das Risiko liegt darin, dass große Hersteller ihre Chips selbst entwerfen.
Die Belege sind Kundenliste und Kapital. Eine einzige Runde von 400 Millionen Dollar entspricht 46 Prozent aller Robotikfinanzierungen, die die ROBOTNESS-Datenbank für September 2026 führt. Horizons Mitteilung zeigt, dass das Geld gebraucht wurde. Ein Chiplieferant mit mehr als 20 Kunden für ein einziges neues Produkt kann Software finanzieren, die ein einzelner Roboterhersteller nicht bauen würde.
- D-Robotics
- Roboterchips und Entwicklungskits
- Serie C
- 400
- 2026-09-17
- General Intuition
- Handlungsmodelle aus Spielvideos
- Venture-Runde
- 220
- 2026-09-29
- SiMa.ai
- Edge-KI-Chips
- Serie C
- 150
- 2026-09-28
- Persona AI
- Humanoide für Werften
- Form D, Teilverkauf
- 65,4
- 2026-09-14
- Inbolt
- KI-Vision für Industrieroboter
- ohne Bezeichnung
- 12,5
- 2026-09-30
- Destro AI
- Orchestrierung von Lagerrobotern
- Seed
- 8
- 2026-09-29
- Feather Robotics
- Humanoide für Entwickler
- Startrunde
- 7,6
- 2026-09-30
- Aleph Surgical
- Autonome Chirurgieroboter
- Pre-Seed
- 7,5
- 2026-09-30
- Tangent Robotics
- Taktile Roboterhände
- Pre-Seed
- 4,5
- 2026-09-30
Nur Runden mit offengelegtem Dollarbetrag (Yen-Runde ausgenommen). Persona AI: verkaufter Betrag laut Form D, keine bepreiste Runde. Summe 875,5; Anteil D-Robotics = 400 / 875,5 = 46 %. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Das stärkste Gegenargument ist die Marge. Horizon selbst bezeichnet die Bruttomarge von D-Robotics als deutlich niedriger als im Kerngeschäft. Das spricht dafür, dass Entwicklungsboards und Module zu knappen Preisen verkauft werden, um Designs zu gewinnen. Bleibt es dabei, kauft das Geld Marktanteile, aber kein tragfähiges Geschäft.
Im günstigen Fall wird der S600 zur Standardplattform chinesischer Humanoide, so wie Jetson-Module in westlichen Laboren, und D-Robotics kann zusätzlich Software abrechnen. Im ungünstigen Fall wechseln die größten Kunden bei steigenden Stückzahlen zu eigenen Chips oder zu NVIDIA, und D-Robotics bleiben kleine Hersteller und Lernkits. Im Vergleich mit europäischen Runden zeigt die zweite Tabelle, dass D-Robotics das 2,6-Fache der Londoner Humanoid-Runde eingeworben hat.
- D-Robotics
- CN
- Serie C
- 400
- Keine Daten
- 2026-09-17
- SiMa.ai
- US
- Serie C
- 150
- 1450
- 2026-09-28
- Humanoid
- GB
- Serie A
- 152
- 1350
- 2026-07-21
- NEURA Robotics
- DE
- Serie C
- Keine Daten
- Keine Daten
- 2026-06-10
- Generative Bionics
- IT
- Seed
- 81
- Keine Daten
- 2025-12-09
Letzte Runde je Unternehmen in der ROBOTNESS-Datenbank. NEURA nannte nur eine Obergrenze, daher kein Betrag. D-Robotics zu Humanoid = 400 / 152 = 2,6-fach. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Drei Signale entscheiden über die These. Erstens Horizons Zwischen- und Jahresberichte bis etwa März 2027 mit dem Buchwert der rund 40-prozentigen Beteiligung und einem möglichen Verwässerungsgewinn. Zweitens, ob D-Robotics 2027 den strategischen Investor nennt oder einen Börsengang beantragt. Drittens S600-Designgewinne in Humanoiden, die 2027 in Serie gehen, insbesondere bei den im September genannten Kunden.
- 400 Mio. US-Dollar
- Serie C (abgeschlossen)
- 17. September 2026, Hongkong
- nicht genannt (globaler Internetkonzern als strategischer Investor, Finanzinvestoren, Altgesellschafter)
- nicht genannt
- mehr als 8 Mio. Chips kumuliert bis H1 2026
- seit November 2025, mehr als 20 Kunden binnen sechs Monaten
- rund 40 %, assoziiertes Unternehmen (HKEX-Mitteilung vom 19. März 2026)
Warum das wichtig ist
Roboterhersteller müssen entscheiden, ob sie ihre Rechenplattform selbst entwickeln oder zukaufen, und diese Entscheidung verteilt die Margen in der Branche. Wer Board und Software einkauft, spart Jahre an Chip- und Treiberentwicklung, gibt aber das teuerste Elektronikbauteil und die Softwareschnittstelle aus der Hand, auf die sich die eigenen Ingenieure einstellen. D-Robotics hat nun 400 Millionen Dollar, um diese Kaufoption in China billiger und breiter zu machen.
Zugleich ist eine Governance-Frage geklärt. Horizon hatte im März erklärt, D-Robotics brauche fortlaufend externes Kapital und werde entkonsolidiert. Eine Serie C mit Beteiligung der Altgesellschafter zeigt, dass Investoren D-Robotics eigenständig finanzieren. Horizon behält eine große Minderheitsbeteiligung, ohne Verluste und Margendruck zu tragen.
Wettbewerbsanalyse
NVIDIA ist der Referenzlieferant westlicher Robotiklabore. Jetson Thor ist das Rechenmodul im Referenz-Humanoiden und Zielplattform für Cosmos 3 Edge, so frühere ROBOTNESS-Berichte. Die Stärke liegt in Softwarereife und Modell-Ökosystem, die Schwäche in China in Verfügbarkeit und Preis. D-Robotics positioniert den S600 als heimische Alternative und unterlegt ihn mit Kits von 5 bis über 80 TOPS.
In Europa finanzieren sich die Humanoidenentwickler über große Runden, etwa NEURA Robotics im Juni und Humanoid im Juli. Ein europäischer Anbieter von Robotik-Rechenplattformen mit vergleichbarer Finanzierung findet sich in der ROBOTNESS-Datenbank nicht. Wir sehen darin eine Lücke, die europäische Halbleiter- und Automobilzulieferer adressieren könnten.
Bewertungskontext
Eine Bewertung wurde nicht genannt, ein Bewertungssprung lässt sich nicht berechnen. Einziger verifizierter Vergleichswert in der ROBOTNESS-Datenbank ist SiMa.ai mit 1,45 Milliarden Dollar Post-Money nach einer Serie C über 150 Millionen. Daraus leiten wir keinen Wert für D-Robotics ab.
Horizons Mitteilung liefert einen Hinweis auf die Beteiligungsstruktur, nicht auf den Preis: Vor der Serie C hielt Horizon rund 40 Prozent. Der nächste Periodenbericht dürfte den Buchwert der Beteiligung und einen etwaigen Veräußerungsgewinn aus der Verwässerung zeigen, die erste Primärquelle zum Preis der Runde.
Folgen für die Lieferkette
D-Robotics entwirft Chips und Platinen und nennt weder Foundry noch Packaging-Partner. Die Fußnote zum S600 mit einer Total Processing Performance unter 4.800 lesen wir als Angabe mit Blick auf Exportklassifizierung. Strengere Ausfuhrregeln für Halbleiter oder eingeschränkter Zugang zu fortgeschrittenen Fertigungsknoten würden die S600-Roadmap früher treffen als die Montage der Roboter.
Auf der Nachfrageseite konzentrieren sich die genannten Kunden auf chinesische Humanoide und Serviceroboter. Saug- und Mähroboter sind Massenmärkte, in denen der Preis wichtiger ist als Rechenreserven, was zum von Horizon beschriebenen Margenprofil passt.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens Horizons Berichte für 2026, der Jahresbericht voraussichtlich um März 2027, mit Buchwert der D-Robotics-Beteiligung und etwaigem Verwässerungsgewinn. Zweitens die Offenlegung des strategischen Internetinvestors 2027 per Pflichtmitteilung, Investorenerklärung oder Börsenantrag. Drittens S600-Designgewinne in Humanoiden mit Serienstart 2027, gemessen an den gut 20 im September genannten Kunden.
Aus europäischer Sicht kommt ein viertes Signal hinzu: ob D-Robotics seine Kits aktiv in Europa vertreibt und ob europäische Humanoidenhersteller sie in Prototypen einsetzen.
Analystensicht
These: D-Robotics ist der am besten finanzierte Versuch, Chinas zugekaufte Rechenplattform für Roboter zu werden, und die S600-Kundenbasis ist ein glaubwürdiger Start. Zuversicht: mittel. Dafür sprechen Rundengröße, Breite der Kundenliste und 8 Millionen ausgelieferte Chips. Dagegen sprechen fehlende Angaben zu Investoren, Bewertung und Umsatz sowie Horizons Hinweis auf eine deutlich niedrigere Marge.
Geprüfte Umsatzzahlen oder eine genannte Bewertung würden unsere Zuversicht erhöhen; kündigen zwei oder mehr der genannten Kunden eigene Chips für ihre nächste Robotergeneration an, würden wir sie senken.
Offene Fragen
Welcher globale Internetkonzern ist eingestiegen, und will er die Chips in eigenen Robotern oder Diensten nutzen? Welcher Anteil der 8 Millionen Chips entfällt auf den S600 und auf Roboterhersteller? Wie hoch war der Umsatz im ersten Halbjahr 2026? Wird die Softwareplattform separat abgerechnet? Bei welcher Foundry und in welchem Prozess wird der S600 gefertigt, und was geschieht bei strengeren Exportregeln? Plant D-Robotics einen Vertrieb in Europa?