Universal Robots stellt Cobot-Plattform Gen 7 vor, Teradyne verklagt JAKA vor dem Einheitlichen Patentgericht
Universal Robots hat am 14. September 2026 seine siebte Plattformgeneration vorgestellt, mit drei neuen Armen der g-Serie, der Steuerung CB7 mit 40 Prozent mehr Rechenleistung auf 30 Prozent kleinerer Fläche und ROS-2-Unterstützung. Zwei Wochen zuvor hatte die Muttergesellschaft Teradyne Robotics die deutsche Tochter des chinesischen Herstellers JAKA vor dem Einheitlichen Patentgericht verklagt, die zweite europäische Schutzrechtsklage gegen einen chinesischen Cobot-Anbieter in diesem Jahr.
Universal Robots, das dänische Unternehmen, das kollaborierende Roboterarme populär gemacht hat, hat am 14. September 2026 auf der Messe IMTS in Chicago seine siebte Plattformgeneration vorgestellt. Drei neue Arme kommen mit neuer Steuerung, neuem Handbediengerät und neuem Software-Stack, den das Unternehmen als von Haus aus KI-fähig beschreibt. Parallel verschärft Teradyne Robotics, zu dem Universal Robots gehört, in Europa das juristische Vorgehen gegen chinesische Cobot-Hersteller, denen es das Kopieren seiner Technik vorwirft.
Die Hardware
Die neue g-Serie umfasst UR10g-1750, UR17g-1300 und UR18g-950. Die Bezeichnungen geben laut Hersteller Traglast in Kilogramm und Reichweite in Millimetern an, das Spektrum reicht also von 10 Kilogramm bei 1.750 Millimetern bis 18 Kilogramm bei 950 Millimetern. Preise und Liefertermine nannte das Unternehmen nicht.
Die Steuerung CB7 Core bietet nach Firmenangaben 40 Prozent mehr Rechenleistung als frühere Generationen bei 30 Prozent kleinerer Stellfläche. Sie kommuniziert über mehrere Industrienetzwerke gleichzeitig, ist als Standgerät und als kompakte Version für den Schaltschrankeinbau erhältlich und arbeitet auch mit den bestehenden Armen der e-Serie und der UR-Serie. Diese Abwärtskompatibilität zählt bei einer großen installierten Basis; Universal Robots spricht von mehr als 100.000 industriellen Anwendungen weltweit.
Das Handbediengerät TP7 Core ist mehr als 20 Prozent leichter, hat ein Full-HD-Display, konfigurierbare Tasten und einen virtuellen Joystick. Das neue SP7 Smart Panel sitzt am Werkzeugflansch und erlaubt das Programmieren und Führen des Arms direkt am Werkzeug, mit sicherheitsgerichteter Freedrive-Funktion, Status-LEDs und drei konfigurierbaren Tasten.
Software, Sicherheit, Cybersecurity
Gen 7 läuft mit dem Betriebssystem PolyScope X, bietet offene Programmierschnittstellen und unterstützt die Kommunikation über ROS 2, die in Forschung und KI-Entwicklung verbreitete Open-Source-Middleware. Die Plattform ist nach Unternehmensangaben nach ISO 10218-1 zertifiziert, der internationalen Sicherheitsnorm für Industrieroboter, und erfüllt IEC 62443-4-1 auf Reifegrad 3 für sichere Produktentwicklung. Mehr als 20 Partner, darunter Cognex, Schunk, Robotiq und Inbolt, zeigten Anwendungen über das UR+-Ökosystem.
Das Unternehmen positioniert Gen 7 als Grundlage, um KI-Anwendungen aus dem Labor in die Produktion zu bringen. Im Mittelpunkt stehen weniger Einzelleistungsdaten als Rechenreserven und offene Schnittstellen, damit Bildverarbeitung und KI-Modelle von Partnern nah am Arm laufen können.
Die juristische Offensive
Am 27. August teilte Teradyne Robotics mit, vor der Lokalkammer Kopenhagen des Einheitlichen Patentgerichts (UPC) ein Verletzungsverfahren gegen die deutsche Tochter des chinesischen Cobot-Herstellers JAKA eingeleitet zu haben. Vorgeworfen wird die Verletzung von Software- und Hardwarepatenten durch eine breite Palette von JAKA-Modellen auf dem EU-Markt. Ein Urteil könne in 17 der 18 derzeit am UPC-System teilnehmenden EU-Staaten sowie im Vereinigten Königreich und in Spanien wirken. Jean-Pierre Hathout, Präsident der Teradyne Robotics Group, sagte, das Verfahren zeige, dass man Patente und geistiges Eigentum gegen aus Sicht des Unternehmens illegales und unfaires Kopieren durchsetzen werde.
Es ist die zweite europäische Klage des Jahres. Am 10. März hatte Teradyne Robotics eine Urheberrechtsklage in Deutschland gegen die deutsche Tochter von Elite Robots, eines weiteren chinesischen Cobot-Herstellers, wegen Universal-Robots-Software angekündigt und Sicherheitsbedenken bei europäischen Behörden gemeldet. Am 21. April erließ das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung, die der Elite Robots Deutschland GmbH Angebot und Vertrieb der verletzenden Software und damit ausgestatteter Produkte in Deutschland untersagt und sie zur Auskunft über die Verletzung und ihre Abnehmer verpflichtet. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.
- UR10g-1750
- 10
- 1750
- 5,71
- UR17g-1300
- 17
- 1300
- 13,08
- UR18g-950
- 18
- 950
- 18,95
Traglast und Reichweite laut Erläuterung der Modellnamen durch Universal Robots. Traglast je Meter = Traglast / (Reichweite / 1000), auf zwei Stellen gerundet.
Stand: 1. Okt. 2026
Das Geschäft dahinter
Das Robotiksegment von Teradyne mit Universal Robots und dem Mobilroboterhersteller MiR erzielte im zweiten Quartal 2026 laut den am 28. Juli veröffentlichten Zahlen 100 Millionen Dollar Umsatz bei einem Konzernumsatz von 1.329 Millionen Dollar. Auf Halbleitertest entfielen 1.122 Millionen Dollar. Robotik steht damit für rund 7,5 Prozent des Umsatzes, wenig für ein Geschäft, das der Konzern ins Zentrum seiner Physical-AI-Strategie stellt. Am 15. September berief Teradyne Robotics Jacob Pascual Pape, zuvor Vertriebsmanager bei Universal Robots, zum Chief Commercial Officer.
- Halbleitertest
- 1122
- 84,4
- Produkttest
- 107
- 8,1
- Robotik (Universal Robots, MiR)
- 100
- 7,5
- Konzern gesamt
- 1329
- 100
Aus Teradynes Quartalszahlen vom 28. Juli 2026. Anteil = Segmentumsatz / Konzernumsatz, auf eine Stelle gerundet.
Stand: 1. Okt. 2026
Bedeutung für Anwender und Wettbewerber in Europa
Für deutsche Anwender, vom Automobilzulieferer bis zum mittelständischen Lohnfertiger, ist Universal Robots oft der erste Cobot im Betrieb. Gen 7 setzt mit Abwärtskompatibilität auf diese installierte Basis. Gleichzeitig zeigen die Verfahren, dass der deutsche Markt der Hauptschauplatz im Streit mit chinesischen Herstellern ist. Beide Beklagten sind deutsche Töchter, und das erste Verfahren lief in Hamburg. Händler und Integratoren, die chinesische Cobots vertreiben, müssen Schutzrechtsrisiken in ihre Lieferverträge einpreisen. Für europäische Konkurrenten wie KUKA oder ABB Robotics ist das UPC ein Instrument, das sie ebenfalls nutzen könnten.
Risiken
Liefertermine und Preise der g-Serie sind offen. Patentverfahren vor dem UPC brauchen Zeit, und eine öffentliche Stellungnahme von JAKA lag in den von ROBOTNESS geprüften Unterlagen nicht vor. Klagen ändern zudem wenig an der Entscheidung von Kunden, die vor allem auf den Preis achten.
ROBOTNESS-Analyse
Universal Robots verteidigt seine Stellung in Europa an zwei Fronten, mit einer offeneren, rechenstärkeren Plattform und offensiver Durchsetzung geistigen Eigentums, weil der Preis die selbst geschaffene Kategorie nicht mehr schützt.
Dafür spricht die zeitliche Abfolge. Auf die einstweilige Verfügung gegen Elite Robots im April folgten die Patentklage gegen JAKA am 27. August, der Produktstart am 14. September und der neue Vertriebschef am 15. September. Das Muster deutet auf eine bewusste Strategie, die Kosten der Nachahmung zu erhöhen und den Wert des Originals zu steigern.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass preissensible Kunden nicht folgen. Reichen chinesische Cobots für einfache Aufgaben, bremsen Klagen gegen einzelne Funktionen den Wettbewerb, stoppen ihn aber nicht.
Optimistisches Szenario: Das UPC gewährt Rechtsschutz für den Großteil der EU, Händler beanstandeter Produkte werden vorsichtig, und Gen 7 wird mit Rechenleistung und ROS 2 zum Standardarm für KI-Anwendungen der Partner. Der Robotikumsatz wächst schneller als zuletzt.
Pessimistisches Szenario: Die Verfahren ziehen sich, Wettbewerber umgehen die Patente, und die g-Serie kommt spät. Universal Robots hält Premiumkunden, verliert aber Volumen in der allgemeinen Industrie.
- Viertes Quartal 2026: Preise und Liefertermine für g-Serie und CB7
- Teradyne-Zahlen zum dritten Quartal 2026: Konzernprognose 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar, Entwicklung des Robotikumsatzes
- 2027: erste Verfahrensentscheidungen im UPC-Verfahren gegen JAKA und Hauptsacheverfahren gegen Elite Robots
- Plattform Gen 7, IMTS Chicago, 14. September 2026
- UR10g-1750, UR17g-1300, UR18g-950
- 10 bis 18 kg
- CB7 Core, 40 Prozent mehr Rechenleistung, 30 Prozent kleiner
- PolyScope X, offene APIs, ROS 2
- ISO 10218-1; IEC 62443-4-1 ML3
- über 100.000 Anwendungen (Firmenangabe)
- UPC Lokalkammer Kopenhagen gegen deutsche JAKA-Tochter, 27. August 2026
- Einstweilige Verfügung LG Hamburg gegen Elite Robots Deutschland, 21. April 2026
- 100 Millionen Dollar
Warum das wichtig ist
Universal Robots hat die Kategorie der kollaborierenden Roboter geprägt und ist in Europa weiterhin der Referenzanbieter. Die siebte Generation legt die Basis, auf der Integratoren und KI-Softwarepartner in den kommenden Jahren aufbauen. Mit ROS 2 und offenen Schnittstellen rückt der am weitesten verbreitete Cobot an die Werkzeuge der Roboter-KI-Entwickler heran.
Die juristische Offensive testet, ob europäisches Schutzrecht den Preiswettbewerb bei Industrierobotern bremsen kann. Das UPC erlaubt ein Verfahren für den Großteil der EU; ein Erfolg gegen JAKA würde anderen etablierten Herstellern einen Weg zeigen, den nationale Gerichte so nicht boten.
Wettbewerbsanalyse
Laut Teradyne sind JAKA und Elite Robots über deutsche Töchter in Europa aktiv; Teradyne wirft ihnen das Kopieren patentierter Hardware- und Softwarefunktionen vor. Vergleichbare Klagen anderer etablierter Anbieter wie ABB Robotics, KUKA oder FANUC im Jahr 2026 fanden sich in den von ROBOTNESS geprüften Unterlagen nicht.
Produktseitig zielen der 18-Kilogramm-Arm mit 950 Millimetern und der 10-Kilogramm-Arm mit 1.750 Millimetern auf Palettieren, Maschinenbeschickung und Handhabung mit großer Reichweite, Felder, in denen Wettbewerber über den Preis Anteile gewonnen haben. UR argumentiert mit Gesamtnutzen: Sicherheitszertifizierung, Cybersecurity, Partnerökosystem und Abwärtskompatibilität.
Bewertungskontext
Universal Robots ist nicht eigenständig börsennotiert, der Wert steckt in Teradyne. Im zweiten Quartal 2026 lag der Robotikumsatz bei 100 Millionen Dollar oder rund 7,5 Prozent von 1.329 Millionen Dollar Konzernumsatz; Halbleitertest brachte 1.122 Millionen Dollar. Investoren bewerten Teradyne vor allem über Halbleitertest, Robotik ist eine Option auf Physical AI.
Der Markterfolg von Gen 7 und der Ausgang der Schutzrechtsverfahren entscheiden mit darüber, ob Robotik einen größeren Ergebnisbeitrag leisten kann. Für das dritte Quartal 2026 prognostiziert Teradyne 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar Konzernumsatz.
Folgen für die Lieferkette
Mehr Rechenleistung und Mehrnetzwerk-Kommunikation in der CB7 verlagern Verarbeitung in die Roboterzelle. Davon profitieren Bildverarbeitungs- und KI-Partner wie Cognex und Inbolt sowie Greiferhersteller wie Schunk und Robotiq. Die mehr als 20 UR+-Partner beim Start bilden eine eigene Lieferkette rund um UR-Schnittstellen, mit vielen Zulieferern aus Deutschland.
Die Erfüllung von IEC 62443-4-1 Reifegrad 3 adressiert steigende Cybersecurity-Anforderungen an vernetzte Maschinen in Europa, auch im Hinblick auf die ab Januar 2027 geltende Maschinenverordnung. Zulieferer ohne dokumentierte sichere Entwicklung dürften es schwerer haben, sich an zertifizierte Plattformen anzubinden.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens kommerziell: Preise und Liefertermine für g-Serie und CB7 sowie das Umstiegstempo der Bestandskunden. Zweitens der Robotikumsatz im dritten Quartal 2026 im Vergleich zu 100 Millionen Dollar im zweiten Quartal.
Drittens juristisch: Verfahrensschritte im UPC-Verfahren gegen JAKA und das Hauptsacheverfahren gegen Elite Robots nach der Hamburger Verfügung.
Analystensicht
These: Universal Robots wandelt sich vom Pionier zum sicheren, zertifizierten und offenen Standard und schützt diese Position in Europa mit der Durchsetzung geistigen Eigentums.
Konfidenz: mittel. Produktdetails und Klagen sind vom Unternehmen veröffentlicht, die Hamburger Verfügung ist ein konkretes Ergebnis. Preise, Liefertermine und Urteile fehlen jedoch, und Patentverfahren können Jahre dauern.
Offene Fragen
Wann wird die g-Serie ausgeliefert, und wie liegen die Preise im Vergleich zu e-Serie und UR-Serie?
Welche JAKA-Produkte und Patente betrifft die UPC-Klage, und wird Teradyne einstweilige Maßnahmen beantragen?
Folgen andere europäische Hersteller mit eigenen UPC-Verfahren gegen chinesische Cobot-Anbieter?
