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Fanuc öffnet seine Roboter für Googles Intrinsic und Gemini und baut die Zusammenarbeit mit Nvidia aus

Fanuc hat am 13. Mai angekündigt, alle Roboter vollständig auf der Unternehmensplattform von Googles Robotiksoftware-Tochter Intrinsic zu unterstützen, und ist dem Gemini-Robotics-Testprogramm von Google DeepMind beigetreten. Seit Dezember hat der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 1000 Roboter für Physical-AI-Anwendungen ausgeliefert. Zwei Tage später folgte eine engere Zusammenarbeit mit Nvidia bei Simulation, Roboterlernen und Edge-Computing.

ROBOTNESS-Redaktion4 Min. Lesezeit

Zusammenfassung

Der japanische Roboterhersteller Fanuc hat sich Mitte Mai binnen zwei Tagen an die beiden großen amerikanischen KI-Plattformen für Robotik gebunden. Am 13. Mai kündigte der Konzern eine Zusammenarbeit mit Google an, die Gemini, Google Cloud, die Robotermodelle von Google DeepMind und Intrinsic umfasst, Googles Gesellschaft für KI-Robotik. Am 15. Mai folgte die Mitteilung, die Partnerschaft mit Nvidia in Simulation, Roboterlernen und Edge-Computing zu vertiefen. Beide Technologien sollten auf Fanucs Neuheitenschau im Mai live vorgeführt werden.

Der gewichtigste Satz der Google-Mitteilung betrifft die Steuerungssoftware. Fanuc zufolge werden alle seine Roboter vollständig auf der Unternehmensplattform von Intrinsic unterstützt, mit der sich KI-Roboteranwendungen entwickeln, testen und ausrollen lassen. Zudem will Fanuc eine Robotersteuerung, die mit Intrinsics Entwicklungsumgebung Flowstate kompatibel ist, umfassend unterstützen. Intrinsic spielt nach Fanucs Darstellung eine führende Rolle bei der Entwicklung des offenen Roboterbetriebssystems ROS. Für einen Hersteller, der für sein geschlossenes Steuerungsökosystem bekannt ist, ist das eine bemerkenswerte Öffnung.

Fanuc ist außerdem dem Gemini Robotics Trusted Tester Program von Google DeepMind beigetreten, um an Grundlagenmodellen für Roboter zu forschen. Daneben entwickelt das Unternehmen auf Gemini Enterprise, Googles abgesicherter Plattform für generative KI in Unternehmen, KI-Agenten, die Anweisungen von Beschäftigten verstehen und Objekte erkennen. Diese sollen mit Fanucs Roboterpalette verbunden werden, die Traglasten von 3 Kilogramm bis 2,3 Tonnen abdeckt.

Erstmals nannte Fanuc eine Zahl zur Nachfrage. Seit der Internationalen Roboterausstellung in Tokio im Dezember 2025, auf der das System erstmals gezeigt wurde, habe man bereits mehr als 1000 Fanuc-Roboter für Physical-AI-bezogene Anwendungen ausgeliefert. Kunden und Einsatzfelder nannte das Unternehmen nicht. In der Zusammenfassung der Analystenkonferenz vom April hieß es, Physical-AI-Einheiten würden nicht gesondert gezählt.

Die Nvidia-Mitteilung vom 15. Mai umfasst drei Bereiche. Erstens die Simulation: Fanuc verknüpft seine Offline-Programmiersoftware Roboguide auf zwei Wegen enger mit Nvidia Isaac Sim. Im ersten Modus führt Isaac Sim und Roboguide arbeitet im Hintergrund; Ingenieure können mit einem angeschlossenen Programmierhandgerät Roboter in der virtuellen Zelle bewegen, als hätten sie die reale Maschine vor sich, und Prozessauslegung sowie Sensorsimulation per GPU beschleunigen. Im zweiten Modus führt Roboguide und nutzt Nvidias Physik-Engine PhysX. Damit lasse sich nun auch der Griff in die Kiste simulieren, der bisher im virtuellen Raum schwer abzubilden war.

Zweitens das Roboterlernen: Fanuc zeigte einen zweiarmigen Aufbau aus kollaborativen CRX-Robotern, der mittels Imitationslernen mit Nvidias Grundlagenmodell Isaac GR00T N das Falten von T-Shirts erlernte. Bediener führen die Aufgabe vor, danach faltet das System selbstständig und passt seine Bewegungen anhand von Kamerabildern in Echtzeit an. Fanuc sieht darin einen Weg über die Grenzen klassischer Teach-in-Programmierung bei weichen, verformbaren Objekten hinaus.

Drittens das Edge-Computing: Ein KI-gestütztes Kollisionsvermeidungssystem, das Fanuc im Vorjahr gezeigt hatte, läuft nun statt auf Jetson AGX Orin auf dem Modul Jetson Thor T5000. Die KI-Rechenleistung steige damit um das 7,5-Fache oder mehr, so Fanuc.

Die Ankündigungen folgen auf das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte. Im Jahr bis März 2026 wuchs die Robotersparte um 14,9 Prozent auf 378,6 Milliarden Yen und stellte 44,1 Prozent des Konzernumsatzes. Laut Ergebnispräsentation haben die Anfragen zu Physical AI nach der Messe im Dezember im In- und Ausland zugenommen.

Unter Japans großen Herstellern hat Fanuc das größte und profitabelste Robotergeschäft. Yaskawa setzt mit Motoman Next auf eine eigene autonome KI-Roboterlinie, Kawasaki ist bei Robotern für die Halbleiterfertigung stark.

Gewicht des Robotergeschäfts bei Japans großen Drei
  • Fanuc
    Geschäftsjahresende
    März 2026
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    378,6
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    857,8
    Roboteranteil (%)
    44,1
    Operative Konzernmarge (%)
    21,4
  • Yaskawa Electric
    Geschäftsjahresende
    Februar 2026
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    247
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    542,1
    Roboteranteil (%)
    45,6
    Operative Konzernmarge (%)
    8,7
  • Kawasaki Heavy Industries
    Geschäftsjahresende
    März 2026
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    92,9
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    2311,2
    Roboteranteil (%)
    4
    Operative Konzernmarge (%)
    6,3

Unternehmensangaben. Roboteranteil = Roboterumsatz geteilt durch Konzernumsatz. Kawasaki-Marge auf Basis des Geschäftsergebnisses.

Stand: 1. Okt. 2026

Für Europa ist der Schritt aus zwei Gründen relevant. Kuka und ABB Robotics konkurrieren mit Fanuc um dieselben Kunden in der Autoindustrie, und die Frage, auf welchen Softwareplattformen Roboter künftig programmiert werden, verschiebt den Wettbewerb von der Mechanik zur Software. Für mittelständische Integratoren, die Zellen mit Robotern verschiedener Hersteller bauen, könnte eine herstellerübergreifende Plattform wie Intrinsic Entwicklungskosten senken, aber auch die Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern erhöhen, die die europäische KI-Regulierung im Blick behalten müssen.

Offen sind die kommerziellen Fragen. Fanuc nannte weder Lizenzmodelle noch Preise für Intrinsic- oder Gemini-Software, ließ offen, ob Kunden an Google oder Fanuc zahlen, und sagte nicht, wann das T-Shirt-Falten über eine Demonstration hinauskommt. Die Öffnung der Steuerung birgt zudem das Risiko, dass Wertschöpfung von Fanucs eigener Software wie Roboguide zu den Plattformanbietern wandert.

ROBOTNESS-Analyse

Fanuc will die am breitesten unterstützte Roboterhardware der amerikanischen KI-Plattformen werden, statt einen eigenen KI-Stapel zu bauen. Das sichert Stückzahlen, kostet aber einen Teil der Softwareebene.

Der Beleg steckt im Wortlaut. Innerhalb von zwei Tagen sagte Fanuc die Unterstützung aller Roboter für Intrinsic zu, trat dem DeepMind-Testprogramm bei und übernahm Nvidias Simulator, Grundlagenmodell und Edge-Modul. Ein eigenes KI-Modell stand in keiner Mitteilung im Mittelpunkt.

Das stärkste Gegenargument: Fanuc behält Steuerung, Servomotoren und Roboguide, also die Teile, die über Sicherheit und Präzision entscheiden. In einem der beiden Nvidia-Modi führt Roboguide. Offenheit könnte schlicht die Zahl der Anwendungen erhöhen, die mit einem Fanuc-Verkauf enden, wie die 1000 seit Dezember ausgelieferten Physical-AI-Roboter andeuten.

Positivszenario: Intrinsic und Gemini machen Fanuc-Roboter zur Standardwahl von KI-Entwicklern, die Auslieferungen übersteigen 1000 Einheiten deutlich, Nvidia-Werkzeuge verkürzen Inbetriebnahmen und stärken das Servicegeschäft.

Negativszenario: Die Softwarewertschöpfung fließt zu Google und Nvidia, chinesische Hersteller nutzen dieselben Plattformen und drücken die Hardwarepreise, die Demonstrationen brauchen Jahre bis zum Serieneinsatz.

  • Ende Mai 2026: Fanucs Neuheitenschau als erster öffentlicher Test der Vorführungen.
  • 31. Juli 2026: Zahlen zum ersten Quartal, Roboteraufträge über 100 Milliarden Yen je Quartal?
  • Weitere Angaben zu Physical-AI-Auslieferungen, Basis sind die 1000 Einheiten vom 13. Mai.
Eckdaten
Google-Mitteilung
13. Mai 2026
Nvidia-Mitteilung
15. Mai 2026
Intrinsic
Alle Fanuc-Roboter auf Intrinsic-Plattform und Flowstate unterstützt
DeepMind
Beitritt zum Gemini Robotics Trusted Tester Program
Physical-AI-Auslieferungen
Mehr als 1000 Roboter seit Dezember 2025
Traglastspanne
3 kg bis 2,3 t
Simulation
Roboguide mit Isaac Sim und PhysX verknüpft
Roboterlernen
Zweiarmiger CRX faltet T-Shirts per Isaac GR00T N
Edge-Computing
Jetson Thor T5000 statt AGX Orin, mindestens 7,5-fache KI-Leistung
Quellen
ROBOTNESS Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Industrieroboter wurden jahrzehntelang als geschlossene Systeme verkauft, in denen Steuerung, Programmiersprache und Simulation dem Hersteller gehören. Dass der Marktführer alle Roboter für Intrinsic öffnet, zeigt, dass Fanuc den Platz als bevorzugte Hardware für KI-Entwickler höher bewertet als die Verteidigung des geschlossenen Systems.

    Die 1000 Physical-AI-Roboter seit Dezember sind die erste harte Zahl eines großen Herstellers zur KI-getriebenen Nachfrage und damit ein Referenzwert für den Markt.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Yaskawa geht mit Motoman Next einen integrierten Weg um die eigene Steuerung, Fanuc den offenen Plattformweg. Dieser Gegensatz prägt den Wettbewerb der beiden größten japanischen Hersteller um KI-Anwendungen.

    In Europa sind Kuka und ABB Robotics die direkten Rivalen. Entscheidend wird, welche Plattformen Integratoren und Autobauer als Standard wählen und ob europäische Hersteller eigene Antworten jenseits von Google und Nvidia finden.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Fanucs Robotersparte ist mit 378,6 Milliarden Yen die größte in Japan, die Konzernmarge von 21,4 Prozent liegt weit über Yaskawas 8,7 Prozent. Der Markt bezahlt diese Marge, daher wiegt eine Verlagerung von Softwarewert zu Google oder Nvidia schwerer als kurzfristige Stückzahlen.

    Finanzielle Bedingungen wurden für keine der beiden Kooperationen genannt.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Mit Jetson Thor wird Nvidia Lieferant der Edge-Rechenleistung in Fanuc-Systemen, Gemini Enterprise und Google Cloud schaffen eine Cloud-Abhängigkeit in der Agentenebene.

    Imitationslernen an zweiarmigen Robotern erhöht den Bedarf an Bildverarbeitung und nachgiebigen Greifern, ein Feld, in dem europäische Spezialisten wie Greifer- und Sensorhersteller aus dem Mittelstand stark sind.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Nach der Neuheitenschau zählen namentlich genannte Kunden, die Intrinsic oder Gemini auf Fanuc-Robotern einsetzen, sowie Lizenzbedingungen.

    Zu beobachten ist auch, ob Kuka, ABB oder Yaskawa ähnliche Plattformvereinbarungen schließen.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Fanuc positioniert sich als Standardhardware der US-KI-Plattformen, was Volumen stützt, aber Margen in Richtung Software verschieben kann. Zuversicht: mittel. Die Zusagen sind konkret, Kundennamen und Konditionen fehlen.

    Nennt Fanuc bis Ende 2026 Physical-AI-Umsätze oder Serienkunden, steigt die Zuversicht. Zertifizieren die Plattformen günstigere Hardware von Rivalen gleichrangig, sinkt sie.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wem gehören Kundenbeziehung und Softwareumsatz, wenn eine Fabrik Intrinsic auf Fanuc-Robotern einsetzt? Wie wird die Sicherheitszertifizierung gelöst, wenn Fremd-KI Bewegungsbefehle gibt?

    Welcher Anteil der 1000 Physical-AI-Roboter nutzte Google- oder Nvidia-Technik, und welche Branchen kauften sie?