Yaskawa baut Gemini Robotics ER 1.6 von Google DeepMind in den MOTOMAN NEXT ein und entwickelt einen agentischen Industrieroboter
Yaskawa Electric hat am 15. Juli mit Google DeepMind ein agentisches Robotersystem vorgestellt. Gemini Robotics ER 1.6 übernimmt die Entscheidungsebene des MOTOMAN NEXT, plant Aufgaben aus allgemeinen Anweisungen ohne detailliertes Teach-in und behebt Fehler selbst. Anwendungen und Liefertermin sollen später folgen.

Der japanische Roboterhersteller Yaskawa Electric hat gemeinsam mit Google DeepMind ein agentisches Robotersystem entwickelt. Wie Yaskawa am 15. Juli 2026 mitteilte, wird der KI-Roboter MOTOMAN NEXT mit Gemini Robotics ER 1.6 kombiniert, dem generativen KI-Modell von Google DeepMind für robotisches Schlussfolgern. Das Google-Modell bewertet die Lage und legt die Arbeitsschritte fest, der MOTOMAN NEXT führt sie aus.
Finanzielle Details, Kunden oder Preise nannte Yaskawa nicht. Konkrete Anwendungen und Liefertermine würden bekanntgegeben, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen seien. Die Mitteilung kam zwei Tage nach einer Physical-AI-Demonstration mit SoftBank und einen Tag bevor Yaskawa gemeinsam mit FANUC und Kawasaki Heavy Industries der Physical-AI-Initiative von Fujitsu beitrat.
Was das System kann
Nach Yaskawa-Angaben nimmt das System eine Anweisung wie das Sortieren von Bauteilen entgegen, bestimmt die Reihenfolge der Aufgaben selbst und führt sie ohne detaillierte Programmierung oder Teach-in aus. Fällt ein Objekt beim Transport herunter, korrigiert der Roboter den Fehler automatisch. Eine Anbindung an Produktionsleitsysteme ist möglich, Aufträge kommen dann aus der Fabriksoftware statt vom Programmierhandgerät.
Die Ausführung stützt sich auf drei Funktionen, die beim MOTOMAN NEXT serienmäßig sind: Bildverarbeitung, die Umgebung und Objektpositionen präzise erkennt, Bahnplanung, die sichere Wege um Hindernisse berechnet, und Kraftsensorik, die Griffzustand und Kontakt bewertet. Gemini Robotics ER 1.6 liefert das übergeordnete Schlussfolgern, das über den Einsatz dieser Funktionen entscheidet.
Der SoftBank-Strang
Am 13. Juli meldeten Yaskawa und SoftBank eine erfolgreiche Demonstration zur Handhabung von Kabelbäumen, biegeschlaffen Teilen, deren Form und Lage für konventionelle Roboter schwer vorhersehbar sind. Eingesetzt wurde ein Vision-Language-Action-Modell, das Bewegungen aus Kamerabildern und Aufgabenanweisungen erzeugt und in SoftBanks GPU-Cloud trainiert wurde. Die Physical AI läuft laut Yaskawa als Modul in der bestehenden Robotersteuerung, Datensammlung, Training, Simulationsbewertung und Übertragung auf reale Roboter sind automatisiert. Grundlage ist eine frühere Partnerschaftsvereinbarung beider Unternehmen.
Yaskawas Zahlen
Der KI-Vorstoß fällt in eine schwache Phase der Robotiksparte. Im Quartal März bis Mai 2026 stieg der Konzernumsatz um 10,6 Prozent auf 138.982 Millionen Yen, das Betriebsergebnis sank um 19,2 Prozent auf 8.486 Millionen Yen, wie der Bericht vom 10. Juli zeigt. Der Robotikumsatz wuchs nur um 2,0 Prozent auf 56.728 Millionen Yen, das Spartenergebnis brach um 82,3 Prozent auf 888 Millionen Yen ein. Yaskawa nennt Produktionseffekte einer Kernsystemumstellung und Restrukturierungskosten in Europa. Die Jahresprognose von 580.000 Millionen Yen Umsatz, plus 7,0 Prozent, und 60.000 Millionen Yen Betriebsergebnis, plus 26,8 Prozent, bleibt bestehen. Am 31. August brachte Yaskawa den Cobot MOTOMAN-HC12 mit 12 Kilogramm Traglast, 1.410 Millimeter Reichweite und neuem Drehmomentsensor heraus.
Wettbewerb und Googles zwei Partner
Google arbeitet damit über verschiedene Einheiten mit beiden großen japanischen Roboterherstellern zusammen. FANUC kündigte im Mai eine Kooperation zu Gemini Enterprise und Intrinsic an, nimmt am Trusted Tester Program für Gemini Robotics teil und stellte am 11. September einen Gemini-basierten KI-Schweißagenten vor. Yaskawa setzt direkt ein Gemini-Robotics-Modell für die Aufgabenplanung ein. Kawasaki Heavy Industries, dessen Robotiksparte zuletzt am schnellsten wuchs, konzentriert sich auf sein Physical-AI-Zentrum in San Jose und auf das Gesundheitswesen mit Fujitsu.
- Yaskawa Electric
- Mär. bis Mai 2026
- 56.728
- 2
- 580.000
- 60.000
- Gemini Robotics ER 1.6 im MOTOMAN NEXT (15. Juli)
- FANUC
- Apr. bis Jun. 2026
- 96.103
- 18,7
- 948.100
- 218.000
- Gemini Enterprise, Intrinsic (13. Mai); KI-Schweißagent (11. September)
- Kawasaki Heavy Industries
- Apr. bis Jun. 2026
- 69.594
- 22,2
- 2.560.000
- 180.000
- Keine Daten
Angaben laut Quartalsberichten und Unternehmensmitteilungen. Ergebnisprognose: Betriebsergebnis bei Yaskawa und FANUC, Geschäftsergebnis bei Kawasaki. Kawasaki-Robotikumsatz = Außenumsatz der Sparte Präzisionsmaschinen und Roboter, Veränderung berechnet als 69.594 / 56.930 minus 1. Yaskawas Geschäftsjahr endet im Februar.
Stand: 1. Okt. 2026
Die Architektur folgt einer Arbeitsteilung, die sich in der Robotik durchsetzt. Ein großes multimodales Modell übernimmt das sogenannte verkörperte Schlussfolgern, also Szenenverständnis und Schrittplanung, die eigene Robotersteuerung die präzisen und sicherheitskritischen Bewegungen. So behält Yaskawa seine Stärken in Bewegungssteuerung und Sicherheit, leiht sich aber Fähigkeiten, die es selbst kaum entwickeln könnte, und kann denselben Roboter mit jedem neuen Google-Modell aufwerten.
Für Europa ist die Entwicklung zweischneidig. KUKA, ABB, Stäubli und Neura Robotics konkurrieren in denselben Handhabungs- und Kommissionieraufgaben, und mit Yaskawa und FANUC sind nun beide großen Japaner an Google angedockt. Deutsche Autozulieferer und Maschinenbauer, die Yaskawa-Roboter einsetzen, könnten Sortier- und Kommissionieraufgaben künftig per Anweisung statt per Programmierung einrichten. Zugleich stellt sich für europäische Kunden die Frage, ob Produktionsdaten bei einem US-Modellanbieter landen und wie das mit der EU-Maschinenverordnung und dem KI-Gesetz vereinbar ist.
Die Risiken sind konkret. Erfolgsquoten, Taktzeiten und Starttermin fehlen. Die Abhängigkeit von einem Google-Modell wirft Fragen zu Latenz, Offline-Betrieb und Datenverarbeitung auf. Zudem verfolgt Yaskawa mit Google DeepMind, SoftBank und Fujitsu mehrere KI-Stränge zugleich, während das Ergebnis der Robotiksparte nahezu verschwunden ist.
Zu beobachten sind Yaskawas Zahlen für das Quartal Juni bis August, Angaben zu Anwendungen und Starttermin des Google-DeepMind-Systems sowie weitere VLA-Arbeiten mit SoftBank.
ROBOTNESS-Analyse
Yaskawas Allianz mit Google DeepMind ist der Versuch, bei schwachen Robotikmargen per KI aufzuholen, und ihr Wert hängt davon ab, ob ein Produkt entsteht, bevor FANUCs Gemini-Angebote die Kunden erreichen.
Dafür spricht die Abfolge. Binnen drei Tagen im Juli meldete Yaskawa die SoftBank-Demonstration, das Google-DeepMind-System und den Beitritt zur NVIDIA-basierten Fujitsu-Initiative. Der MOTOMAN NEXT bringt Bildverarbeitung, Bahnplanung und Kraftsensorik serienmäßig mit, es fehlte das übergeordnete Schlussfolgern, das Gemini Robotics ER 1.6 liefert.
Das stärkste Gegenargument: Die Mitteilung enthält weder Produkt noch Termin noch Leistungsdaten, während FANUC für ein Gemini-basiertes Produkt bereits den Lieferstart im Dezember festgelegt hat. Mit 888 Millionen Yen Spartenergebnis bleibt wenig Luft für lange Entwicklungszyklen.
Bull Case: Yaskawa bringt im laufenden Geschäftsjahr eine Gemini-Robotics-Anwendung für Kommissionierung oder Sortierung heraus, die Margen erholen sich nach Abklingen der Systemprobleme, und der MOTOMAN NEXT wird Referenzplattform für Gemini Robotics in Fabriken.
Bear Case: Das System bleibt Demonstration, Kunden bevorzugen FANUCs größere installierte Basis und einfacheres Liefermodell, Yaskawa verzettelt sich in Partnerschaften, die Margen bleiben schwach.
Signale:
- Oktober 2026: Yaskawas Zahlen für Juni bis August und die Frage, ob sich das Robotikergebnis von 888 Millionen Yen erholt.
- Bis 28. Februar 2027 (Ende des Yaskawa-Geschäftsjahres): Ankündigung konkreter Anwendungen und Liefertermine für das Google-DeepMind-System.
- Ende Dezember 2026: Lieferstart von FANUCs Gemini-basiertem Schweißagenten als Maßstab für Yaskawa.
- 15. Juli 2026
- Yaskawa Electric und Google DeepMind
- Gemini Robotics ER 1.6
- MOTOMAN NEXT
- Bildverarbeitung, Bahnplanung, Kraftsensorik
- Aufgabenplanung aus Anweisungen, automatische Fehlerbehebung, Anbindung an Produktionssysteme
- Wird nachgereicht
- SoftBank-VLA mit Kabelbäumen (13. Juli 2026)
- 56.728 Mio. Yen Umsatz (plus 2,0 %), 888 Mio. Yen Ergebnis (minus 82,3 %)
Warum das wichtig ist
Yaskawa hat ein System vorgestellt, das ein Robotik-Schlussfolgerungsmodell von Google DeepMind direkt in den Steuerungskreis seines Industrieroboters setzt. Der Wettbewerb unter Japans Roboterherstellern verlagert sich damit von Hardware und Programmierwerkzeugen hin zur Frage, welches KI-Modell über der Steuerung sitzt.
Zugleich zeigt sich Googles Ansatz in der Industrierobotik: Partnerschaften mit etablierten Herstellern, die die installierte Basis besitzen, statt eigener Arme. Mit FANUC und Yaskawa ist Google in beiden großen japanischen Ökosystemen vertreten.
Wettbewerbsanalyse
FANUC ist bei der Kommerzialisierung voraus, mit Lieferstart des Gemini-Schweißagenten im Dezember und mehr als 1.000 Physical-AI-Robotern bis Mai. Die FANUC-Robotiksparte wuchs um 18,7 Prozent, Yaskawas um 2,0 Prozent.
Kawasaki wuchs dank Halbleiterrobotern um 22,2 Prozent. In Europa konkurrieren KUKA, ABB und Stäubli um dieselben Anwendungen, Humanoid-Entwickler mit ähnlichen Modellen zielen auf Teile der Handhabung.
Bewertungskontext
Finanzielle Details fehlen. Die Jahresprognose von 60.000 Millionen Yen Betriebsergebnis setzt eine kräftige Erholung vom ersten Quartal mit 8.486 Millionen Yen voraus, der Markt wird die KI-Geschichte an der Margenerholung messen.
Die Robotiksparte macht 40,8 Prozent des Umsatzes aus und bestimmt die Ertragskraft des Konzerns.
Folgen für die Lieferkette
Da Bildverarbeitung und Kraftsensorik serienmäßig sind, entsteht kurzfristig kein Bedarf an zusätzlichen Sensoren. Variable ist die Rechenleistung: Das Modell erfordert eventuell Cloud-Zugang oder lokale GPUs, der SoftBank-Strang nutzt bereits SoftBanks GPU-Cloud.
Servos und Antriebe liefert Yaskawa selbst, erfolgreiche KI-Produkte ziehen also eigene Hardware nach sich, auch in europäischen Werken des Konzerns.
Worauf jetzt zu achten ist
Zahlen für Juni bis August und Erholung des Robotikergebnisses, erste kommerzielle Anwendung und Zeitplan des Google-DeepMind-Systems, Leistungsdaten wie Erfolgsquoten beim Sortieren.
Außerdem: wie schnell Yaskawa neue Gemini-Robotics-Versionen übernimmt.
Analystensicht
These: Die Partnerschaft verschafft Yaskawa glaubwürdige KI-Fähigkeiten, ändert die Lage gegenüber FANUC aber erst mit einem lieferbaren Produkt. Zuversicht: niedrig bis mittel, eher niedrig.
Begründung: Die Architektur ist schlüssig und der Partner stark, doch es fehlen Termin, Daten und Kunden, die Spartenmarge ist schwach. SoftBank und Fujitsu erweitern Optionen, verwässern aber den Fokus.
Offene Fragen
Wann nennt Yaskawa Anwendungen und Preise? Läuft das System lokal oder nur mit Google-Cloud-Anbindung? Wem gehören die Aufgabendaten aus Kundenwerken?
Wie ordnet Yaskawa für Kunden das Google-DeepMind-System, die SoftBank-VLA und die Fujitsu-Plattform ein?