FANUC liefert ab Dezember einen KI-Schweißagenten aus, der Zeichnungen liest und Roboterprogramme schreibt
FANUC will Ende Dezember 2026 mit der Auslieferung eines KI-Schweißagenten beginnen. Das System fotografiert die Bauteilzeichnung mit dem Tablet-Programmierhandgerät des Cobots CRX und erzeugt auf Basis von Google Cloud Gemini Enterprise Schweißparameter und Roboterbahnen ohne Teach-in. Einen Preis nannte FANUC nicht.

Der japanische Roboterhersteller FANUC hat am 11. September 2026 einen KI-Schweißagenten angekündigt, der Konstruktionszeichnungen liest und daraus das Programm für das robotergestützte Lichtbogenschweißen erzeugt. Die Auslieferung soll Ende Dezember beginnen. Technische Grundlage ist Gemini Enterprise, die Unternehmensplattform für generative KI von Google Cloud. Es ist das erste Physical-AI-Produkt aus der im Mai angekündigten Zusammenarbeit mit Google, für das ein Liefertermin feststeht.
FANUC wirbt mit „Zero Setup, Zero Teaching“. Aus der Zeichnung allein leitet der Agent die Schweißparameter Strom und Spannung sowie das Bewegungsprogramm des Roboters ab. Preis, Leistungsdaten und erste Kunden nannte das Unternehmen nicht. Vorgeführt wurde das System auf der International Welding Show im Tokyo Big Sight, die am 16. September begann.
So funktioniert es
Laut Mitteilung fotografiert der Bediener die Zeichnung mit der eingebauten Kamera des Tablet-Programmierhandgeräts des kollaborativen Roboters CRX, zusätzliche Kameras oder Geräte sind nicht nötig. Die KI interpretiert das Bauteil und erzeugt Parameter und Bahn, der Bediener kann sie unverändert ausführen oder vorher feinjustieren. Der Agent funktioniert nach FANUC-Angaben mit jeder Schweißstromquelle, die an einen FANUC-Roboter angeschlossen ist, Anwender müssen also nicht den Hersteller wechseln.
Auch zum Datenschutz äußert sich FANUC. Zeichnungen und Produktionsdaten seien durch die Sicherheitsarchitektur von Gemini Enterprise geschützt und würden nicht zum Training von KI-Modellen anderer Nutzer verwendet. Ein separater Vertrag mit Google Cloud sei nicht erforderlich, der Dienst laufe über den FANUC-Vertrag.
Ziel ist ein Personalengpass. Fachkräfte, die Schweißparameter einstellen und Roboter programmieren können, seien weltweit knapp, was die Versorgung mit Material und Bauteilen verzögere, schreibt FANUC. Als Zielbranchen nennt das Unternehmen Pkw- und Lkw-Teile, Baustoffe und Schiffbau.
Die Achse FANUC und Google
Das Produkt baut auf der am 13. Mai angekündigten Kooperation mit Google auf, die Gemini Enterprise sowie Intrinsic, Googles Softwareplattform für KI-Roboteranwendungen mit der Entwicklungsumgebung Flowstate, umfasst. FANUC erklärte damals, sein Programm reiche vom Cobot mit 3 Kilogramm bis zum Industrieroboter mit 2,3 Tonnen Traglast, die Roboter unterstützten ROS über Open-Source-Treiber, man nehme am Trusted Tester Program für Gemini Robotics von Google DeepMind teil und habe seit der International Robot Exhibition im Dezember 2025 mehr als 1.000 Roboter für Physical-AI-Anwendungen ausgeliefert.
Das Geschäft wächst. FANUC steigerte den Konzernumsatz im Quartal April bis Juni 2026 um 17,7 Prozent auf 231.035 Millionen Yen, der Robotikumsatz legte um 18,7 Prozent auf 96.103 Millionen Yen zu. Die Jahresprognose wurde auf 948.100 Millionen Yen Umsatz und 218.000 Millionen Yen Betriebsergebnis angehoben. Am selben Tag stellte FANUC zudem einen ultraleichten, tragbaren Cobot für Baustellen und ein schnelles, verzugsarmes Rohrschweißsystem vor, am 30. September folgte eine Physical-AI-Partnerschaft mit Hitachi.
Wettbewerb
Yaskawa Electric, FANUCs wichtigster heimischer Rivale beim Schweißen, stellte ebenfalls auf der Welding Show 2026 aus. Am 31. August brachte Yaskawa den Cobot MOTOMAN-HC12 mit 12 Kilogramm Traglast, 1.410 Millimeter Reichweite und neu entwickeltem Drehmomentsensor auf den Markt und nennt Lichtbogenschweißen als Anwendung, im Juli folgte ein agentisches Robotersystem mit Google DeepMind. Am schnellsten wuchs zuletzt die Präzisionsmaschinen- und Robotersparte von Kawasaki, getrieben von Halbleiterrobotern.
- FANUC
- Robotik
- Apr. bis Jun. 2026
- 96.103
- 18,7
- Keine Daten
- Keine Daten
- Yaskawa Electric
- Robotics
- Mär. bis Mai 2026
- 56.728
- 2
- 888
- -82,3
- Kawasaki Heavy Industries
- Präzisionsmaschinen und Roboter
- Apr. bis Jun. 2026
- 69.594
- 22,2
- 5271
- 124,5
Angaben laut Quartalsberichten. FANUC weist kein Spartenergebnis aus. Kawasaki: Außenumsatz, Veränderungen berechnet als 69.594 / 56.930 minus 1 und 5.271 / 2.348 minus 1. Yaskawas Geschäftsjahr endet im Februar.
Stand: 1. Okt. 2026
Das Prinzip lässt sich einfach beschreiben. Schweißzeichnungen codieren Nahtart, Länge und Dicke in genormten Symbolen, die bislang ein Fachmann liest, bevor er Parameter wählt und die Brennerbahn Punkt für Punkt einlernt. Ein multimodales Modell übernimmt das Lesen, FANUC-Software übersetzt das Ergebnis in Parameter und Bewegungen. Genauigkeitsdaten hat FANUC nicht veröffentlicht, wie oft nachkorrigiert werden muss, ist daher offen.
Für Europa trifft das Angebot einen wunden Punkt. Im deutschen Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau fehlen Schweißfachkräfte, gerade kleine und mittlere Betriebe mit vielen Varianten und kleinen Losen scheuten bisher den Programmieraufwand. Europäische Anbieter wie Cloos bei Schweißrobotern oder Fronius bei Stromquellen stehen damit unter Zugzwang, ebenso KUKA und ABB. FANUCs Offenheit für jede Stromquelle zielt direkt auf Betriebe, die bereits europäische Schweißtechnik nutzen. Zu klären bleibt, wie ein Cloud-Dienst von Google mit den Anforderungen der europäischen Datenschutz- und Maschinenregeln in Einklang gebracht wird.
Offen sind auch kommerzielle Fragen. Preis, Lizenz- oder Abomodell und die Unterstützung anderer Roboter als des CRX sind unbekannt. Die Cloud-Anbindung ist für Werke mit restriktiver IT eine Hürde, und die Haftung für Schweißqualität bei KI-gesetzten Parametern wird gerade im Schiffbau Thema werden.
Zu beobachten sind der Lieferstart Ende Dezember 2026, FANUCs Zahlen für das Quartal Juli bis September sowie erste Referenzen aus Zulieferindustrie und Werften.
ROBOTNESS-Analyse
Der Schweißagent zählt weniger als Schweißprodukt denn als Beleg, dass FANUC seine Google-Allianz binnen acht Monaten in ein lieferbares Produkt verwandeln kann.
Dafür spricht der Zeitplan: Ankündigung der Google-Kooperation am 13. Mai, Vorführung am 16. September, Lieferung ab Ende Dezember. Das Produkt nutzt vorhandene Hardware, das CRX-Tablet, und braucht keinen eigenen Google-Vertrag. Zwei typische Einführungshürden entfallen.
Das stärkste Gegenargument: Schweißqualität hängt von Dingen ab, die keine Zeichnung zeigt, etwa Spaltmaße, Verzug und Materialchargen. Müssen Bediener die KI-Parameter regelmäßig nachstellen, schrumpft das Versprechen auf einen schnelleren ersten Entwurf.
Bull Case: Rüstzeiten sinken so stark, dass Variantenfertiger kollaborative Schweißzellen einführen, FANUC den Agenten auf Industrieroboter und weitere Prozesse ausweitet und der Dienst über FANUC-Verträge wiederkehrende Softwareerlöse erzeugt.
Bear Case: Die Genauigkeit schwankt je nach Zeichnungsstil, Betriebe scheuen den Cloud-Upload, und Rivalen mit eigenen KI-Partnern ziehen schnell nach. FANUC bliebe wenig Preissetzungsmacht.
Signale:
- Ende Dezember 2026: Lieferstart nach Plan und Veröffentlichung eines Preises.
- FANUC-Quartalszahlen Juli bis September 2026: Hinweise auf Bestellungen.
- Geschäftsjahr 2027 (ab April 2027): Ausweitung über den CRX hinaus und genannte Kunden aus Schiffbau oder Automobilindustrie.
- 11. September 2026
- AI Welding Agent
- Google Cloud Gemini Enterprise
- Zeichnung, fotografiert mit dem CRX-Tablet
- Schweißstrom, Spannung und Roboterprogramm
- Ende Dezember 2026
- International Welding Show, Tokyo Big Sight, ab 16. September 2026
- Nicht genannt
- Pkw- und Lkw-Teile, Baustoffe, Schiffbau
Warum das wichtig ist
Lichtbogenschweißen gehört zu den größten Roboteranwendungen, doch Kleinserien blieben Handarbeit, weil Bahnprogrammierung und Parametrierung je Teilenummer mehr kosten, als der Roboter spart. FANUC verlagert diesen Schritt auf ein Modell, das Zeichnungen liest, und greift damit die Integrationskosten an, nicht den Hardwarepreis.
Zugleich ist es das erste lieferbare Ergebnis der Google-Kooperation und damit ein Maßstab für die Umsetzungskraft der Hitachi- und Fujitsu-Allianzen.
Wettbewerbsanalyse
Yaskawa konkurriert direkt und war auf derselben Messe, der neue MOTOMAN-HC12 nennt Lichtbogenschweißen als Anwendung. Die Robotiksparte wuchs im Quartal März bis Mai aber nur um 2,0 Prozent, das Ergebnis fiel um 82,3 Prozent, der Spielraum für Softwareinvestitionen ist kleiner.
In Europa sind Cloos, KUKA und ABB gefordert, ebenso Stromquellenhersteller wie Fronius. Da FANUC jede angeschlossene Stromquelle unterstützt, kann es Kunden gewinnen, ohne deren Schweißtechnik verdrängen zu müssen.
Bewertungskontext
Ohne Preis fließt der Agent erst mit Auftragsdaten in Schätzungen ein. Die Robotiksparte steuerte 41,6 Prozent zum Quartalsumsatz bei und wuchs um 18,7 Prozent, die Umsatzprognose liegt nun bei 948.100 Millionen Yen.
Wird der Dienst über FANUC-Verträge im Abo vertrieben, entstünde eine der ersten wiederkehrenden KI-Softwareerlösquellen FANUCs, die Investoren anders bewerten als Hardware.
Folgen für die Lieferkette
Außer dem CRX-Tablet ist keine Hardware nötig, neue Komponentennachfrage entsteht direkt nicht. Werden kollaborative Schweißzellen in mehr Betrieben rentabel, steigt aber der Bedarf an CRX-Armen, Brennern, Drahtvorschüben und Stromquellen, wobei FANUCs Neutralität die Nachfrage auf mehrere Marken verteilt.
Die Inferenz läuft in Google Cloud. Google wird damit wiederkehrender Zulieferer im FANUC-Produkt, die Kostenstruktur hängt an Cloudpreisen.
Worauf jetzt zu achten ist
Lieferstart Ende Dezember und Preisangabe, Genauigkeits- und Rüstzeitdaten früher Anwender, Ausweitung auf Industrie-Schweißroboter oder Prozesse wie Kleben und Entgraten.
Außerdem Antworten von Yaskawa und europäischen Schweißspezialisten sowie die Haltung von Werften und Autoherstellern zu KI-generierten Schweißanweisungen.
Analystensicht
These: Der Schweißagent ist ein glaubwürdiges Produkt mit geringen Einführungshürden, das FANUCs Vorsprung beim kollaborativen Schweißen stärkt, im Geschäftsjahr 2026 aber wenig Umsatz bringt. Zuversicht: mittel.
Begründung: vorhandene Hardware, fester Liefertermin, realer Fachkräftemangel. Dagegen stehen fehlender Preis, fehlende Genauigkeitsdaten, keine Kundennamen und ungeklärte Qualitätssicherung.
Offene Fragen
Welches Preismodell gilt, mit laufenden Gebühren? Wie oft müssen Bediener KI-Parameter in der Praxis korrigieren? Gibt es eine Offline- oder On-Premises-Variante für Werke mit restriktiver IT?
Wer haftet für die Schweißqualität, und wie bewerten Klassifikationsgesellschaften und Autohersteller KI-generierte Schweißanweisungen?