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Mercedes-Partner Apptronik sammelt 520 Millionen Dollar ein, Bewertung verdreifacht, Serie A übersteigt 935 Millionen Dollar

Der texanische Humanoiden-Hersteller Apptronik hat am 11. Februar 2026 eine Erweiterung seiner Serie A über 520 Millionen Dollar abgeschlossen, bewertet mit dem Dreifachen der Serie-A-Bewertung. John Deere, AT&T Ventures und die Qatar Investment Authority steigen neu ein, Mercedes-Benz, Google, B Capital und PEAK6 investieren erneut. Das Geld soll in die Produktion des Apollo und einen neuen Roboter fließen, der 2026 vorgestellt werden soll.

ROBOTNESS-Redaktion4 Min. Lesezeit

Mercedes-Partner Apptronik sammelt 520 Millionen Dollar ein, Bewertung verdreifacht, Serie A übersteigt 935 Millionen Dollar (Illustration: ROBOTNESS)
Zusammenfassung

Apptronik, Entwickler des humanoiden Roboters Apollo mit Sitz in Austin, Texas, hat am 11. Februar 2026 eine Erweiterung seiner Serie-A-Finanzierung über 520 Millionen Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen nennt die Runde Serie A-X. Nach eigenen Angaben steigt die gesamte Serie A damit auf mehr als 935 Millionen Dollar, das insgesamt eingesammelte Kapital auf knapp eine Milliarde Dollar.

Die Erweiterung wurde laut Apptronik mit dem Dreifachen der Bewertung der ursprünglichen Serie A bepreist. Eine absolute Bewertung nannte das Unternehmen nicht. Den ersten Teil der Serie A aus dem Jahr 2025 beziffert Apptronik nun auf 415 Millionen Dollar. Am 18. März 2025 hatte die Firma nach einer Aufstockung um 53 Millionen Dollar noch 403 Millionen Dollar gemeldet. Die Differenz von 12 Millionen Dollar erläuterte sie nicht.

Erneut dabei sind B Capital, Google, Mercedes-Benz und PEAK6. Neu im Kreis sind AT&T Ventures, die Beteiligungsgesellschaft des US-Telekomkonzerns, der Landmaschinenhersteller Deere & Company (John Deere) und der Staatsfonds Qatar Investment Authority. Howard Morgan, Chairman und General Partner von B Capital, das die erste Serie A gemeinsam mit Capital Factory angeführt hatte, erklärte, man baue das Engagement in der Phase aus, in der Apptronik Produktion und Einsatz beschleunige.

Das Kapital soll laut Apptronik in den Hochlauf der Apollo-Fertigung, ein weltweites Einsatznetz, Anlagen für Robotertraining und Datenerfassung sowie in einen neuen Roboter fließen, der 2026 debütieren soll. Mitgründer und Vorstandschef Jeff Cardenas kündigte in der Mitteilung die neueste Version des Apollo an. Als Zielmärkte nennt das Unternehmen Fertigung, Logistik, Handel und Gesundheitswesen, später auch den Haushalt.

Der aktuelle Apollo wiegt laut Produktseite 160 Pfund, rund 73 Kilogramm, trägt bis zu 55 Pfund, rund 25 Kilogramm, und läuft etwa vier Stunden pro Akkupack. Die Akkus lassen sich im laufenden Betrieb tauschen. Als kommerzielle Anwender nennt Apptronik Mercedes-Benz und den Logistiker GXO. Mercedes-Benz hatte im März 2025 eine Investition im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bekanntgegeben und testet Apollo im Mercedes-Benz Digital Factory Campus in Berlin-Marienfelde, etwa beim Transport von Bauteilen an die Linie und bei ersten Qualitätsprüfungen. Produktionsvorstand Jörg Burzer sprach damals von einer neuen Grenze für eine effizientere und intelligentere Autoproduktion.

Gefertigt wird extern. Der US-Auftragsfertiger Jabil kündigte am 25. Februar 2025 an, Apollo in eigenen Werken zu bauen und in eigenen Produktionslinien zu erproben. Stückzahlen oder einen Starttermin nannten beide Unternehmen nicht.

Apptronik wurde 2016 aus dem Human Centered Robotics Lab der University of Texas at Austin ausgegründet und hat nach eigenen Angaben 15 Robotersysteme entwickelt, darunter Arbeiten am NASA-Humanoiden Valkyrie. Die Belegschaft hat sich binnen eines Jahres fast verdoppelt, von mehr als 150 Beschäftigten im Februar 2025 auf knapp 300.

Die Intelligenz des Roboters kommt weitgehend von Google. Google DeepMind teilte am 12. März 2025 mit, gemeinsam mit Apptronik die nächste Generation humanoider Roboter auf Basis von Gemini 2.0 zu bauen, und nannte Apollo als Plattform für Gemini Robotics. Google hat sich an jeder seit Februar 2025 veröffentlichten Tranche beteiligt.

Der Wettbewerb hat die Messlatte zuletzt deutlich angehoben. Skild AI meldete am 14. Januar 2026 eine Serie C über 1,4 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 14 Milliarden Dollar. Boston Dynamics startete am 5. Januar auf der CES die Produktion des Serien-Atlas, Mutterkonzern Hyundai peilt 30.000 Roboter pro Jahr an. Figure AI wurde mit seiner Serie C über eine Milliarde Dollar im September 2025 mit 39 Milliarden Dollar bewertet.

Apptroniks Serie A-X im Vergleich mit Finanzierungsrunden anderer Humanoiden- und Roboter-KI-Firmen
  • Apptronik
    Land
    USA
    Gründung
    2016
    Runde
    Serie-A-X-Erweiterung
    Betrag (Mio. USD)
    520
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2026-02-11
  • Skild AI
    Land
    USA
    Gründung
    2023
    Runde
    Serie C
    Betrag (Mio. USD)
    1400
    Post-Money (Mrd. USD)
    14
    Bekanntgabe
    2026-01-14
  • Figure AI
    Land
    USA
    Gründung
    Keine Daten
    Runde
    Serie C
    Betrag (Mio. USD)
    1000
    Post-Money (Mrd. USD)
    39
    Bekanntgabe
    2025-09-16
  • Agility Robotics
    Land
    USA
    Gründung
    2015
    Runde
    Serie B
    Betrag (Mio. USD)
    150
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2022-04-22
  • 1X Technologies
    Land
    USA
    Gründung
    2014
    Runde
    Serie B
    Betrag (Mio. USD)
    100
    Post-Money (Mrd. USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2024-01-13

Runden laut ROBOTNESS-Unternehmensdatenbank auf Basis von Firmenmitteilungen, nicht zwingend die jüngste Finanzierung. Apptronik nennt keine Bewertung, nur das Dreifache der Serie-A-Bewertung. Nur veröffentlichte Zahlen, null = nicht veröffentlicht.

Stand: 1. Okt. 2026

Für die deutsche Industrie ist die Runde aus zwei Gründen relevant. Mercedes-Benz sichert sich als Anteilseigner und Testkunde früh Einblick in eine der am besten finanzierten Humanoiden-Plattformen der USA, während BMW mit Figure AI arbeitet. Für europäische Anbieter wie Neura Robotics aus Metzingen, das im Januar 2025 eine Serie B über 120 Millionen Euro meldete, zeigt die Runde, welche Kapitalmengen US-Wettbewerber inzwischen mobilisieren. Zulieferer aus dem Mittelstand, etwa für Getriebe, Motoren und Sensorik, finden in Herstellern mit ausgelagerter Fertigung wie Apptronik potenzielle Abnehmer.

Offen bleibt vieles. Apptronik veröffentlicht weder Umsatz noch Stückzahlen oder Preise und nennt weder Standorte der Trainingsanlagen noch einen Liefertermin für die bei Jabil gebauten Roboter. John Deere und AT&T haben keine Einsätze angekündigt.

ROBOTNESS-Analyse

Apptronik hat sich mit einem kapitalschonenden Modell, das die Intelligenz von Google und die Fabrik von Jabil leiht, in die Spitzengruppe der westlichen Humanoiden-Hersteller eingekauft, und der neue Apollo 2026 wird zeigen, ob dieses Modell bei Kosten und Tempo mit vertikal integrierten Rivalen mithält.

Dafür sprechen die Listen der Investoren und Partner. Google, Mercedes-Benz und Jabil liefern jeweils, was Apptronik sonst selbst aufbauen müsste, nämlich KI-Modelle, eine Testumgebung im Autowerk und Serienfertigung. Dass das Unternehmen die Verdreifachung der Bewertung offenlegt, die absolute Zahl aber zurückhält, zeigt, dass Investoren für dieses Netzwerk zahlen und nicht für ausgewiesene Umsätze.

Das stärkste Gegenargument ist die Abhängigkeit. Figure AI entwickelt sein Modell Helix selbst, Tesla baut Hardware und KI des Optimus unter einem Dach. Stellt Google Gemini Robotics vielen Herstellern zu gleichen Bedingungen bereit, schrumpft Apollos KI-Vorsprung auf die Daten, die Apptronik in eigenen Anlagen sammelt.

Im optimistischen Szenario kommt der neue Apollo 2026 mit Gemini Robotics, Jabil geht in Serie, und Mercedes-Benz, GXO sowie die neuen strategischen Investoren machen aus Piloten Aufträge für mehrere Standorte. Die knapp eine Milliarde Dollar trägt dann den Hochlauf ohne Abwertungsrunde.

Im pessimistischen Szenario verzögert sich der Neuentwurf, Jabil bleibt bei Pilotmengen und die Google-Partnerschaft erweist sich als nicht exklusiv. Mit rund 300 Beschäftigten und ohne ausgewiesenen Umsatz stünde Apptronik dann zwischen Skild AI, Figure und günstigeren chinesischen Anbietern und müsste zu schlechteren Konditionen nachfinanzieren.

Signale, auf die zu achten ist:

  • Bis 31. Dezember 2026: Vorstellung des neuen Apollo mit Nutzlast, Laufzeit und Zielpreis.
  • Bis 30. Juni 2026: Standort und Größe der angekündigten Trainings- und Datenanlagen.
  • Geschäftsbericht 2026 von Mercedes-Benz, Anfang 2027: ob Apollo über Berlin-Marienfelde hinaus eingesetzt wird.
Eckdaten
Bekanntgabe
11. Februar 2026, Austin, Texas
Neues Kapital
520 Mio. Dollar, Serie-A-X-Erweiterung
Serie A gesamt
Mehr als 935 Mio. Dollar (insgesamt knapp 1 Mrd. Dollar)
Bepreisung
Dreifache Serie-A-Bewertung, absolute Bewertung nicht genannt
Neue Investoren
AT&T Ventures, John Deere, Qatar Investment Authority
Bestandsinvestoren
B Capital, Google, Mercedes-Benz, PEAK6
Mittelverwendung
Apollo-Produktion, weltweiter Einsatz, Trainings- und Datenanlagen, neuer Roboter 2026
Apollo-Daten
160 Pfund Gewicht, 55 Pfund Nutzlast, rund 4 Stunden je wechselbarem Akku
Beschäftigte
Knapp 300 (Februar 2025: mehr als 150)
Quellen
ROBOTNESS Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Mit der Serie A-X reiht sich Apptronik nach Figure AI mit einer Milliarde Dollar im September 2025 und Skild AI mit 1,4 Milliarden Dollar im Januar 2026 in die Gruppe westlicher Robotikfirmen ein, die in einer einzelnen Runde mindestens 500 Millionen Dollar eingesammelt haben. Vier der sieben genannten Investoren sind Industrieunternehmen oder deren Beteiligungsgesellschaften, nämlich Google, Mercedes-Benz, AT&T und John Deere.

    Die wichtigste veröffentlichte Zahl ist der Faktor drei. Apptronik verschweigt die Bewertung, teilt aber mit, dass sie sich zwischen Anfang 2025 und Anfang 2026 etwa verdreifacht hat, im Einklang mit der Neubewertung bei Skild AI und Figure.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Figure AI mit BMW als Ankerkunden ist der nächste US-Vergleich. Der Unterschied liegt in der Integration, denn Figure trainiert sein Modell Helix selbst, Apptronik setzt auf Gemini Robotics von Google DeepMind. In der Logistik konkurriert Agility Robotics mit Digit um dieselben Kunden.

    Boston Dynamics hat mit Hyundai und dessen Ziel von 30.000 Robotern jährlich einen konzerninternen Abnehmer. In Europa positionieren sich Neura Robotics und Humanoid aus London, bisher mit deutlich kleineren Runden. Chinesische Hersteller wie Unitree, UBTech und AgiBot setzen vor allem auf niedrige Hardwarepreise.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Da Apptronik keine absolute Bewertung nennt, bleibt jeder Vergleich eine Richtungsangabe. Skild AI mit 14 Milliarden und Figure mit 39 Milliarden Dollar markieren die Spitze des privaten Marktes. Apptroniks gesamte Serie A von mehr als 935 Millionen Dollar liegt nahe an Figures Einzelrunde von einer Milliarde und unter Skilds 1,4 Milliarden.

    Ohne veröffentlichte Umsätze oder Stückzahlen zahlen Investoren für Partnerschaften und Ingenieurskompetenz. Die Bewertung hängt damit stark am Produktstart 2026; eine Verzögerung würde die Verdreifachung rasch infrage stellen.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Apptronik baut keine eigene Fabrik. Jabil kündigte im Februar 2025 an, Apollo in eigenen Werken zu fertigen und dort auch einzusetzen. Das verschafft Zugang zu globalen Kapazitäten, macht die Kostenkurve aber von Jabils Prioritäten und Preisen abhängig.

    Präzisionsgetriebe, rahmenlose Motoren, Akkus und Rechenmodule teilen sich alle Humanoiden-Hersteller, in mehreren Kategorien dominieren asiatische Lieferanten. Apptronik nennt keine Lieferanten für Antriebe oder Rechner. Für deutsche Getriebe- und Antriebsspezialisten ist ein Hersteller mit ausgelagerter Fertigung ein potenzieller Kunde, der Zugang läuft aber über den Fertigungspartner.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Erstes Signal ist der neue Apollo, den Cardenas angekündigt hat. Datenblatt, Preis und Erstkunde zeigen, wie weit das Design in Richtung Serienreife gekommen ist.

    Zweitens der Standort der Trainings- und Datenanlagen; liegen sie bei Mercedes-Benz, Jabil oder den neuen strategischen Investoren, verrät das, welche Kunden einer Flottenbestellung am nächsten sind. Drittens mögliche Einsatzankündigungen von John Deere oder AT&T jenseits von Fabrik und Lager.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Apptronik gehört nach Kapital und Partnern zur Spitzengruppe westlicher Humanoiden-Hersteller, ist bei Bewertung, Umsatz und Stückzahlen aber der intransparenteste Anbieter. Konfidenz: mittel.

    Nicht hoch, weil das positive Szenario auf zwei Ereignissen beruht, die noch ausstehen, dem neuen Apollo und der Serienfertigung bei Jabil, und weil die Exklusivität der Google-Partnerschaft unbekannt ist. Nicht niedrig, weil Investorenliste, Verdreifachung und verdoppelte Belegschaft veröffentlichte Fakten sind, die in dieselbe Richtung weisen.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie hoch ist die Post-Money-Bewertung, und wie passen die genannten 415 Millionen Dollar für 2025 zu den im März 2025 gemeldeten 403 Millionen Dollar?

    Ist Apptroniks Zugang zu Gemini Robotics in irgendeiner Form exklusiv? Welche Stückzahlen und Standorte hat Jabil zugesagt? Haben Mercedes-Benz oder GXO über Piloten hinaus Flotten bestellt?