1X eröffnet in Hayward eine Fabrik für 10.000 Haushaltshumanoide im Jahr und peilt 100.000 bis Ende 2027 an
1X Technologies hat am 30. April 2026 mitgeteilt, sein Werk im kalifornischen Hayward könne bis zu 10.000 Haushaltsroboter NEO im Jahr bauen, bis Ende 2027 sollen es mehr als 100.000 werden. Motoren, Batterien, Hände und Strukturteile fertigt das Unternehmen selbst. Die Kapazität eines Jahres sei binnen fünf Tagen nach Start der Vorbestellungen ausgebucht gewesen.
1X Technologies hat seinem Plan für Humanoide im Privathaushalt eine Zahl gegeben. Das Unternehmen teilte am 30. April 2026 mit, sein 58.000 Quadratfuß großes Werk im kalifornischen Hayward, rund 5.400 Quadratmeter, könne bis zu 10.000 NEO-Roboter im Jahr fertigen. Bis Ende 2027 will 1X auf mehr als 100.000 Einheiten jährlich kommen, eine Verzehnfachung.
Das Werk ist nach Unternehmensangaben vertikal integriert. 1X baut eigene Motoren vom Typ Revo2, Batteriepakete aus maßgefertigten Zellen mit eigenem Batteriemanagement, sehnengetriebene Hände mit 22 Freiheitsgraden, Strukturteile, Getriebe, Textilhüllen und Sensoren. Seit Produktionsbeginn seien 17.000 Motoren entstanden, zum Start arbeiteten mehr als 200 Beschäftigte in der Fabrik. 1X bezeichnet sie als erste vertikal integrierte Großserienfabrik für Humanoide in den USA.
Zumindest bei den Bestellungen eilt die Nachfrage voraus. Seit dem 28. Oktober 2025 nimmt 1X Vorbestellungen an und war nach eigenen Angaben binnen fünf Tagen für das folgende Jahr ausgebucht, mit 10.000 Robotern. Vorstandschef Bernt Børnich sagte, man habe die ersten Auslieferungen für 2026 versprochen und halte Wort. Ein zweiter Standort in San Carlos soll später im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen.
Im Werk läuft auch eine Linie für Neuanläufe. Die jüngste NEO-Version sei in einem Monat von der CAD-Konstruktion zum laufenden Roboter gelangt, so 1X. Das verkürzt den Weg von Konstruktionsänderungen zu testfähiger Hardware.
Fünf Wochen später ergänzte 1X die Softwareseite. Am 4. Juni startete das 1X World Model Lab unter Leitung von Sam Sinha, zuvor Gründungsforscher bei Luma AI und dort an der Skalierung multimodaler Videomodelle beteiligt. Das Labor soll Weltmodelle mit Videos aus dem Netz, Aufnahmen aus der Ich-Perspektive, Simulation, ferngesteuerten Roboterdaten und Daten aus dem NEO-Betrieb vortrainieren, mit dem Ziel vollständig autonomer Humanoide.
1X wurde 2014 in Norwegen gegründet und produziert heute in Kalifornien. Die letzte bekannte Finanzierungsrunde war eine Serie B über 100 Millionen Dollar im Januar 2024, davor eine Serie A2 über 23,5 Millionen Dollar im März 2023 unter Führung des OpenAI Startup Fund. Das ist wenig im Vergleich zu Figure AI, das im September 2025 eine Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung einsammelte, oder Apptronik mit mehr als 935 Millionen Dollar in der Serie A.
Aus europäischer Sicht ist der Ansatz bemerkenswert, weil hiesige Entwickler wie Neura Robotics oder Humanoid aus London zunächst auf Industrie und Logistik zielen. Der Haushalt stellt zudem eigene regulatorische Fragen. In der EU würden für einen solchen Roboter die neue Maschinenverordnung, Produkthaftung und Datenschutz zugleich greifen. Für deutsche Hausgerätehersteller mit Service- und Vertriebsnetzen wäre ein bewährter Haushaltshumanoid sowohl Konkurrenz als auch potenzieller Partner.
Die Risiken sind die eines Verbraucherprodukts, nur größer. Ein Haushaltsroboter muss sicher neben Kindern und Haustieren arbeiten, in täglich wechselnder Unordnung, ohne Techniker vor Ort. 1X hat nicht offengelegt, welcher Anteil der NEO-Aufgaben zum Start autonom und welcher ferngestützt erledigt wird, und nennt außer dem Startjahr 2026 keinen Lieferplan.
ROBOTNESS-Analyse
1X hat die erste US-Fabrik in der Größe eines Verbraucherprodukts gebaut, bevor das Produkt in Haushalten bewiesen ist, und damit werden die Auslieferungen 2026 zum Test für die gesamte These vom Haushaltsroboter.
Die Belege sind konkret. Eine Fabrik mit 58.000 Quadratfuß, eigene Motoren, Batterien und Hände, 17.000 gebaute Motoren und eine ausgebuchte Jahreskapazität. Das World Model Lab zeigt Investitionen in die Autonomie, die über die tägliche Nutzung entscheidet.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Vorbestellungen kein Umsatz sind und 1X nur einen Bruchteil der Mittel seiner Rivalen offengelegt hat. 100.000 Einheiten im Jahr bis 2027 erfordern deutlich mehr Kapital als die bekannten 100 Millionen Dollar, und Rücksendungen oder Sicherheitsvorfälle könnten den Hochlauf bremsen.
Bullishes Szenario. Die Auslieferungen beginnen 2026 planmäßig, erste Nutzer berichten von täglichem Gebrauch, San Carlos erhöht den Ausstoß. 1X wird zur Referenzmarke und finanziert sich mit Auslieferungsdaten neu.
Bearishes Szenario. Auslieferungen verzögern sich oder die ersten Geräte hängen stark an Fernsteuerung, Bewertungen fallen schlecht aus, Stornierungen schmälern den Bestand. Finanzstärkere Wettbewerber kommen mit günstigerer Hardware in den Haushalt.
Signale.
- Erste bestätigte Kundenauslieferungen von NEO und deren Zahl, von 1X für 2026 zugesagt
- Inbetriebnahme von San Carlos später im Jahr 2026 und neue Kapazitätsangaben
- Neue Finanzierungsrunde oder offengelegte Bewertung von 1X vor Ende 2026
- 1X Technologies
- NEO
- Haushalte
- 10.000
- 100.000.000
- 2024-01-13
- Agility Robotics
- Digit
- Logistik, Fertigung
- 10.000
- 150.000.000
- 2022-04-22
- Tesla
- Optimus
- nicht offengelegt
- 1.000.000
- Keine Daten
- Keine Daten
- Figure AI
- Figure 03
- Fertigung, Logistik, Haushalte
- Keine Daten
- 1.000.000.000
- 2025-09-16
- Apptronik
- Apollo
- Fertigung, Logistik
- Keine Daten
- 520.000.000
- 2026-02-11
Kapazitäten laut Unternehmen (1X 30. April 2026; Agility 24. Juni 2026; Tesla Fremont 22. April 2026). Tesla ist börsennotiert. Ausbauziel 1X = 100.000 / 10.000 = 10. Agility vereinbarte später eine Spac-Fusion mit erwarteten Erlösen über 620 Mio. Dollar. Keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
- 30. April 2026
- Hayward, Kalifornien, 58.000 Quadratfuß
- bis zu 10.000 NEO pro Jahr
- mehr als 100.000 pro Jahr bis Ende 2027
- Revo2-Motoren, Batterien mit eigenem BMS, Hände mit 22 Freiheitsgraden, Strukturen, Getriebe, Sensoren
- 17.000 seit Produktionsstart
- mehr als 200 zum Start
- seit 28. Oktober 2025, Jahreskapazität von 10.000 in fünf Tagen ausgebucht
- San Carlos, später 2026
- 1X World Model Lab seit 4. Juni 2026 unter Sam Sinha
Warum das wichtig ist
1X ist das erste US-Unternehmen für Humanoide, das vor der ersten Auslieferung eine Fabrik für ein Verbraucherprodukt gebaut hat. Alle kapitalstarken Rivalen begannen in Fabriken und Lagern, wo Aufgaben strukturiert sind und Käufer Renditen rechnen. Hayward bindet 1X an den schwierigsten Markt zuerst, und bei 10.000 Einheiten im Jahr passieren Fehler in Serie.
Zugleich zeigt der Schritt, dass vertikale Integration bei westlichen Humanoiden zum Standard wird. 1X, Figure und Tesla fertigen Aktoren selbst, 1X zusätzlich Batterien und Hände. Das senkt die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten, erhöht aber den Kapitalbedarf.
Wettbewerbsanalyse
Figure spricht über den Haushalt und zeigte im Mai das Aufräumen eines Schlafzimmers, seine genannten Kunden sind aber BMW und Catalyst Brands. Tesla schweigt zu Optimus-Kunden, Agility und Apptronik zielen auf die Industrie. Nur 1X hat Verbrauchervorbestellungen offengelegt.
Die Lücke ist Kapital. 1X meldete zuletzt 100 Millionen Dollar im Januar 2024, Figure eine Milliarde, Apptronik über 935 Millionen. In Europa haben Neura Robotics und Humanoid Industriekunden im Blick. Zeigt sich echte Nachfrage im Haushalt, können kapitalstarke Wettbewerber schnell folgen.
Bewertungskontext
In den für uns prüfbaren Primärquellen nennt 1X keine Bewertung. Bekannt sind eine Serie A2 über 23,5 Millionen Dollar im März 2023 unter Führung des OpenAI Startup Fund und eine Serie B über 100 Millionen Dollar im Januar 2024, rund ein Zehntel von Figures Runde im September 2025 (100 / 1.000).
Die 10.000 vorbestellten Einheiten sind eine mögliche Umsatzbasis, ohne bestätigten Preis oder Anzahlung lässt sich daraus aber kein Betrag ableiten. Die nächste Runde dürfte auf Auslieferungsdaten beruhen.
Folgen für die Lieferkette
1X fertigt Revo2-Motoren, Batteriepakete mit eigenem Batteriemanagement, sehnengetriebene Hände, Strukturen, Getriebe, Textilhüllen und Sensoren selbst. 17.000 Motoren vor der Fabrikankündigung bedeuten, dass die Motorenfertigung den Pilotmaßstab hinter sich hat.
Die vertikale Integration beschleunigt die Entwicklung, wie der einmonatige Zyklus von CAD bis zum Laufen zeigt, belastet aber jede Komponente mit eigenen Werkzeugkosten. Zellen und Elektronik dürften weiter zugekauft werden. Lieferanten nannte 1X nicht. Für europäische Anbieter von Sensorik und Elektronik hängt der Zugang von Fertigung und Herkunftsregeln in den USA ab.
Worauf jetzt zu achten ist
Erste bestätigte Auslieferungen und ihre Zahl zeigen, ob die 10.000 Vorbestellungen echte Nachfrage sind. Wichtig ist zudem, ob 1X den Anteil autonomer gegenüber ferngesteuerter Arbeit offenlegt.
Die Inbetriebnahme von San Carlos und eine neue Kapazitätsangabe sind die nächsten Fertigungsmarken, eine Finanzierungsrunde zeigt, wie Investoren die Haushaltswette bewerten.
Analystensicht
These. 1X hat vor allen Rivalen die Fertigungsbasis für einen Haushaltshumanoiden, und die Auslieferungen 2026 entscheiden über den Wert dieses Vorsprungs.
Zuversicht niedrig bis mittel. Fabrik, Kapazität und Eigenfertigung sind von 1X bestätigt, Auslieferungszahlen, Preis, Autonomiegrad und Finanzierung nach 2024 aber nicht, und Verbraucherhardware verspätet sich häufig.
Offene Fragen
Wie viele NEO erreichen 2026 Kunden, und nach welchem Zeitplan?
Welcher Anteil der Aufgaben wird zum Start autonom erledigt, welcher ferngestützt?
Wie finanziert 1X den Schritt von 10.000 auf mehr als 100.000 Einheiten im Jahr?
