NVIDIA veröffentlicht Cosmos 3 Edge: Weltmodell mit vier Milliarden Parametern plant Roboterbewegungen direkt auf dem Jetson Thor
NVIDIA hat am 20. Juli Cosmos 3 Edge, das kleinste Modell der Physical-AI-Familie Cosmos 3, mit offenen Gewichten auf Hugging Face gestellt. Das Modell mit vier Milliarden Parametern läuft auf Jetson Thor und erzeugt je Inferenz 32 Roboteraktionen; Siemens, Agile Robots, Doosan Robotics und Skild AI erproben es.
NVIDIA bringt seine Weltmodelle aus dem Rechenzentrum in den Roboter. Auf der SIGGRAPH stellte der Chipkonzern am 20. Juli 2026 Cosmos 3 Edge vor, ein offenes Modell mit vier Milliarden Parametern. Es soll Szenen verstehen und Roboteraktionen in Echtzeit auf einem Jetson-Thor-Rechner ausgeben, ohne Rechenzentrums-GPU.
Cosmos 3 Edge ist das kleinste von drei Cosmos-3-Modellen. NVIDIA hatte die Familie am 31. Mai auf der GTC Taipei vorgestellt, die Varianten Super mit 64 und Nano mit 16 Milliarden Parametern sofort freigegeben und Edge als bald verfügbar angekündigt. Alle drei nutzen eine Architektur, die NVIDIA als Mixture of Transformers bezeichnet und die Text, Bild, Video, Umgebungsgeräusche und Aktionen versteht und erzeugt. Edge koppelt einen autoregressiven Strang für das Schlussfolgern mit einem Diffusionsstrang für die Vorhersage; Sprach-, Video-, Audio- und Aktions-Token teilen sich die Attention-Schichten. Der Schlussfolgerungsteil ist ein Modell mit zwei Milliarden Parametern auf Nemotron-Basis.
- Cosmos 3 Edge
- 4
- 2026-07-20
- Echtzeit-Inferenz auf Jetson, RTX PRO, DGX, GeForce RTX
- Cosmos 3 Nano
- 16
- 2026-05-31
- Schnelles Video- und Aktionsschließen
- Cosmos 3 Super
- 64
- 2026-05-31
- Höchste physikalische Genauigkeit für Nachtraining von Roboter- und AV-Modellen
Parameterzahlen laut NVIDIA-Blog zur SIGGRAPH 2026; Daten laut Startmitteilung vom 31. Mai und Edge-Veröffentlichung vom 20. Juli. Nur veröffentlichte Werte.
Stand: 1. Okt. 2026
Die Gewichte liegen auf Hugging Face, Inferenz- und Nachtrainingscode auf GitHub. Nach NVIDIA-Angaben läuft Edge auf Jetson-Modulen einschließlich der neuen Jetson T2000 und T3000 sowie auf RTX-PRO-, DGX- und GeForce-RTX-GPUs. In BF16-Genauigkeit belegt das Modell auf einem Jetson Thor rund 9 GB. Laut NVIDIAs Technikblog erzeugt es auf einem Jetson AGX Thor T5000 in etwa 1,53 Sekunden ein Paket aus 32 künftigen Aktionen, das rund 2,13 Sekunden Roboterbewegung bei 15 Hz abdeckt. Der Roboter führt den Anfang des Pakets aus und plant dann neu, sodass der nächste Plan bereitsteht, bevor der alte abgearbeitet ist.
In der Bildanalyse wertet Edge laut NVIDIA 1080p-Video auf RTX-Systemen in bis zu 22 Millisekunden aus, auf L40-GPUs in rund 30 Millisekunden, und belegt in seiner Parameterklasse Platz eins im Benchmark VANTAGE-Bench. Zudem veröffentlichte NVIDIA schrittdestillierte Cosmos-3-Varianten, die die Zahl der Entrauschungsschritte von 50 auf 4 senken und die Inferenz nach Unternehmensangaben 25-mal schneller machen, bei geringem Qualitätsverlust.
Bei der Robotersteuerung sind die Werte bescheidener, und NVIDIA legt sie offen. Nachtrainiert auf dem Datensatz Cosmos3-DROID mit 76.000 erfolgreichen teleoperierten Trajektorien, rund 350 Stunden aus 86 Aufgaben und 564 Szenen, aufgezeichnet mit einem Franka-Panda-Arm und einem Robotiq-Greifer, erreichte Edge in der geschlossenen RoboLab-Auswertung über 120 sprachgesteuerte Handhabungsaufgaben eine Erfolgsquote von 22,9 Prozent. Der Basislauf des Nachtrainings nutzte 64 Knoten mit je vier GB200-Chips für 60.000 Iterationen, etwa 68 Stunden.
Als Robotikunternehmen, die Cosmos 3 Edge erproben, nennt NVIDIA Agile Robots, Doosan Robotics, Siemens und Skild AI, für Videoagenten in der Infrastruktur Centific, Vaidio und YUAN. Beim Start im Mai hatte NVIDIA Agile Robots, Doosan Robotics, LG Electronics, Samsung Electronics und Skild AI als Anwender von Cosmos 3 in der Robotik genannt, Li Auto beim autonomen Fahren. Agile Robots gehört zudem mit Black Forest Labs, Generalist, LTX, Runway und Skild AI zu den Gründungsmitgliedern von NVIDIAs Cosmos-Koalition.
Für Europas Industrie ist die Lage zweischneidig. Mit Siemens sitzt ein deutscher Industriekonzern in der Evaluierungsrunde, Agile Robots ist zugleich Evaluierer und Gründungsmitglied der Koalition. Ein Weltmodell, das Kamerabilder auf dem Roboter verarbeitet, kommt den Datenschutz- und Betriebsratsanforderungen in deutschen Werken entgegen, weil Videodaten die Halle nicht verlassen müssen. Zugleich bindet es Maschinenbauer enger an NVIDIA-Hardware.
Die Zielhardware ist Teil der Strategie. Der Jetson AGX Thor T5000, Rechner im am 1. Juni angekündigten Isaac-GR00T-Referenzhumanoiden, liefert 2.070 FP4-Teraflops und 128 GB gemeinsamen Speicher bei 40 bis 130 Watt. Ein Weltmodell mit 9 GB lässt dort Platz für Wahrnehmung, Sicherheitsfunktionen und eine separate Aktions-Policy. Der Referenzhumanoid basiert auf Unitrees H2 Plus und soll Ende 2026 über Unitree erhältlich sein.
Die Branche teilt sich in offen und geschlossen. Google DeepMinds zehn Tage später vorgestelltes Gemini Robotics 2 gibt sein On-Device-Aktionsmodell nur an Testkunden. Skild AI bietet S1 über eine Early-Access-Anmeldung an. NVIDIA verschenkt dagegen die Gewichte von Cosmos 3 Edge und des kommerziell lizenzierten GR00T N1.7 mit drei Milliarden Parametern und verdient an Jetson-, RTX- und Rechenzentrumshardware, die für Training und Betrieb nötig ist.
- Cosmos 3 Edge
- NVIDIA
- 4
- Offene Gewichte (Hugging Face)
- 2026-07-20
- Isaac GR00T N1.7
- NVIDIA
- 3
- Offene Gewichte, kommerzielle Lizenz
- 2026-04-17
- Gemini Robotics On-Device 2
- Google DeepMind
- Keine Daten
- Nur Testkunden
- 2026-07-30
- S1
- Skild AI
- Keine Daten
- Early-Access-Anmeldung
- 2026-08-18
Parameter laut Entwicklerseiten oder Modellkarten; null, wenn nicht veröffentlicht. GR00T N1.7: Datum der Early-Access-Ankündigung.
Stand: 1. Okt. 2026
Vereinfacht gesagt sagt ein Weltmodell voraus, wie eine Szene im nächsten Moment aussieht. Cosmos 3 Edge nutzt das in zwei Richtungen: Es erzeugt oder analysiert Video, und es sagt die Motorbefehle voraus, die eine Szene auf ein Ziel zubewegen. Läuft beides auf dem Roboter, entfällt die Netzwerklatenz eines Cloudaufrufs.
Die Grenzen zeigen NVIDIAs eigene Zahlen. 22,9 Prozent Erfolg im geschlossenen Regelkreis nach 68 Stunden Training auf 256 GB200-Chips machen Edge zu einer Basis für Forschung und Prototypen, nicht zu einer einsatzfertigen Handhabungssteuerung. 1,53 Sekunden Inferenzzeit genügen für langsame Tischaufgaben, nicht für schnelle dynamische Bewegungen. In den gesichteten Unterlagen nennt NVIDIA weder die Lizenzbedingungen für Cosmos 3 Edge noch einen Serieneinsatz.
ROBOTNESS-Analyse
NVIDIA macht die Modellschicht der Robotik zur Massenware, damit jeder Roboterhersteller seine Chips braucht, und Cosmos 3 Edge trägt diese Strategie vom Rechenzentrum in den Roboterrechner.
Dafür spricht die Paketierung. Offene Gewichte, Nachtrainingsrezepte auf GitHub und ein Datensatz von einem verbreiteten Franka-Arm senken die Einstiegskosten, während jede veröffentlichte Kennzahl auf NVIDIA-Silizium gemessen wurde, vom GB200 im Training bis zum Jetson Thor im Betrieb. Die Evaluierer reichen vom koreanischen Cobot-Hersteller über den deutschen Industriekonzern bis zum am stärksten finanzierten US-Start-up für Robotergehirne.
Das stärkste Gegenargument: 22,9 Prozent Erfolg machen Edge eher zur Vorführung als zum Produkt. Hersteller könnten spezialisierte Aktionsmodelle wie GR00T oder eigene Modelle einsetzen und Cosmos nur für synthetische Daten nutzen. Dann bringt das Edge-Modell kaum Umsatz über den Jetson hinaus.
Bull Case: Hersteller standardisieren Simulationsdaten und Bordintelligenz auf Cosmos, Jetson Thor wird zum Standardrechner im Roboter, und destillierte Modelle schließen die Lücke bei der Erfolgsquote binnen eines Jahres. Neue Humanoide und Cobots verlassen das Werk mit NVIDIA-Chips.
Bear Case: Google, Skild und chinesische Modellentwickler übertreffen Cosmos bei der Handhabung, Hersteller wählen für die Inferenz günstigere Chips, und Cosmos bleibt ein Trainingswerkzeug. Offene Gewichte helfen Rivalen zudem, sich an NVIDIA zu messen und aufzuholen.
Signale, die wir beobachten:
- Ob Siemens, Agile Robots oder Doosan Robotics bis Ende 2026 Produkte mit Cosmos 3 Edge an Bord ankündigen.
- Ob Unitree den Isaac-GR00T-Referenzhumanoiden wie angekündigt Ende 2026 ausliefert.
- Ob neue RoboLab-Ergebnisse von Cosmos 3 Edge oder destillierten Varianten die Marke von 22,9 Prozent übertreffen.
- 20. Juli 2026 (SIGGRAPH)
- 4 Milliarden (Schlussfolgerungsteil mit 2 Milliarden auf Nemotron-Basis)
- rund 9 GB in BF16
- 32 Aktionen je Inferenz, rund 1,53 s auf Jetson AGX Thor T5000
- ab 22 ms (1080p, RTX), rund 30 ms auf L40
- 22,9 % bei 120 RoboLab-Aufgaben
- Cosmos3-DROID, 76.000 Trajektorien, rund 350 Stunden
- Agile Robots, Doosan Robotics, Siemens, Skild AI
- Offene Gewichte auf Hugging Face, Code auf GitHub
Warum das wichtig ist
NVIDIA positioniert Cosmos 3 Super und Nano für Rechenzentrumsaufgaben wie das Nachtraining von Roboter- und Fahrzeugmodellen. Edge bringt ein Modell derselben Familie auf den Roboter, das in rund 9 GB Speicher auf einem Jetson Thor sowohl Video analysiert als auch Aktionspakete ausgibt.
Das verändert Einkaufsentscheidungen. Datenerzeugung (Cosmos Super und Nano), Simulation (Isaac Sim und Isaac Lab), Policy-Modelle (GR00T N1.7) und Bordintelligenz (Cosmos 3 Edge) kommen aus einem NVIDIA-Stack. Je mehr davon ein Hersteller nutzt, desto schwerer fällt der Wechsel zu einem anderen Chiplieferanten.
Wettbewerbsanalyse
Google DeepMind ist bei der Modellleistung der nächste Rivale, setzt aber auf Cloud und Geschlossenheit; Gemini Robotics On-Device 2 bleibt Testkunden vorbehalten. Skild AI trainiert sein proprietäres Gehirn mit NVIDIA-Werkzeugen und ist damit Kunde und möglicher Konkurrent zugleich.
Für Europa entscheidend: Siemens erprobt Cosmos 3 Edge, Agile Robots ist Koalitionsmitglied und zugleich Partner von Google DeepMind. Europäische Industrieunternehmen sichern sich also nach beiden Seiten ab. Neura Robotics taucht in NVIDIAs Listen zu Cosmos 3 nicht auf.
Bewertungskontext
Cosmos 3 Edge hat keinen eigenen Preis; sein Wert liegt in der Nachfrage nach NVIDIA-Hardware. Der Jetson AGX Thor T5000 im Referenzhumanoiden bietet 2.070 FP4-Teraflops und 128 GB Speicher, jeder Roboter, der Cosmos 3 Edge oder GR00T an Bord betreibt, braucht ein Modul dieser Klasse.
Die Partner sind kapitalstark. Skild AI sammelte im Januar 2026 1,4 Milliarden Dollar bei mehr als 14 Milliarden Dollar Bewertung ein, NVIDIAs Beteiligungsarm NVentures war beteiligt. Ihre Einsatzentscheidungen werden zeigen, ob offene Modelle in großem Stil Hardwareabsatz nach sich ziehen.
Folgen für die Lieferkette
Das Basistraining von Cosmos 3 Edge lief laut NVIDIA auf 64 Knoten mit je vier GB200 rund 68 Stunden. Die Inferenz läuft auf Jetson-Thor-Modulen, die neuen T2000 und T3000 werden unterstützt. Die Nachtrainingsdaten stammen von Franka-Panda-Armen mit Robotiq-Greifern, die damit faktisch zur Referenzhardware für Nachbauten werden.
Der Isaac-GR00T-Referenzhumanoid setzt auf Unitrees H2 Plus und taktile Sharpa-Wave-Hände. Ein chinesischer Hersteller liefert damit den Körper der offenen NVIDIA-Plattform, eine Abhängigkeit, die europäische Käufer gegen Beschaffungs- und Exportkontrollregeln abwägen müssen.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens Produktankündigungen von Siemens, Agile Robots, Doosan Robotics oder Skild AI, die Cosmos 3 Edge an Bord ausliefern. Zweitens RoboLab-Ergebnisse über 22,9 Prozent, vor allem von destillierten Varianten.
Drittens die für Ende 2026 angekündigte Auslieferung des von Unitree gebauten Referenzhumanoiden, zu dessen frühen Anwendern die ETH Zürich zählt. Viertens Klarheit über die Lizenz für den kommerziellen Bordeinsatz von Cosmos 3 Edge.
Analystensicht
These: Cosmos 3 Edge ist weniger Robotergehirn als Zugpferd für Hardwareabsatz und trägt NVIDIAs Strategie offener Modelle in den Roboterrechner. Zuversicht: hoch für die Strategie, mittel für die Verbreitung. Die Veröffentlichungen selbst zeigen sämtliche Trainings- und Inferenzwerte auf NVIDIA-Chips und Evaluierer aus dem bestehenden Partnerkreis.
Die Zuversicht für die Verbreitung ist geringer, weil 22,9 Prozent weit von Serienqualität entfernt sind und noch kein Evaluierer ein ausgeliefertes Produkt meldet. Wir erwarten, dass Cosmos 3 Edge zuerst für Videoanalyse an Bord und Datenerzeugung genutzt wird, die Aktionssteuerung erst nach weiterem Nachtraining.
Offene Fragen
Welche Lizenz gilt für den kommerziellen Einsatz von Cosmos 3 Edge auf Kundenrobotern? Wie schneidet das Modell auf Humanoiden statt auf einem einzelnen Franka-Arm ab?
Wie viel schneller sind destillierte Modelle auf Jetson Thor bei der Aktionserzeugung, nicht nur bei Video? Veröffentlichen Siemens oder Agile Robots gemessene Latenzen und Erfolgsquoten aus ihren Tests?
