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Wirtschaft5 Min. LesezeitROBOTNESS-RedaktionJapan

Fanuc erzielt Rekordumsatz von 857,8 Milliarden Yen, Robotergeschäft wächst um 15 Prozent

Fanuc hat im Geschäftsjahr bis März 2026 den Umsatz um 7,6 Prozent auf den Rekordwert von 857,8 Milliarden Yen gesteigert, das operative Ergebnis wuchs um 15,7 Prozent auf 183,8 Milliarden Yen. Der Auftragseingang im Schlussquartal legte um 19,2 Prozent zu, getrieben von einem Plus von 55,2 Prozent in China. Der Konzern plant ein weiteres Rekordjahr und einen Aktienrückkauf von bis zu 50 Milliarden Yen.

Fanuc erzielt Rekordumsatz von 857,8 Milliarden Yen, Robotergeschäft wächst um 15 Prozent (Illustration: ROBOTNESS)
Zusammenfassung

Der japanische Steuerungs- und Roboterhersteller Fanuc hat im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel umgesetzt wie nie zuvor. Wie das Unternehmen am 24. April mitteilte, stieg der Umsatz im Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 um 7,6 Prozent auf 857,8 Milliarden Yen. Damit übertraf Fanuc den bisherigen Höchstwert von 852,0 Milliarden Yen aus dem Geschäftsjahr 2022. Die Nachfrage nach Robotern in Amerika, Europa und China glich nach Angaben des Unternehmens die Schwäche im Werkzeugmaschinengeschäft mehr als aus.

Das operative Ergebnis wuchs um 15,7 Prozent auf 183,8 Milliarden Yen, die operative Marge verbesserte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent. Das ordentliche Ergebnis legte um 15,6 Prozent auf 227,5 Milliarden Yen zu, der den Aktionären zurechenbare Gewinn um 12,9 Prozent auf 166,5 Milliarden Yen. Das entspricht 178,47 Yen je Aktie nach 157,31 Yen im Vorjahr. Zugrunde lagen Durchschnittskurse von 150,77 Yen je Dollar und 174,79 Yen je Euro. Bei einer unveränderten Ausschüttungsquote von 60 Prozent zahlt Fanuc eine Jahresdividende von 107,09 Yen.

Treiber war das Robotergeschäft. Der Umsatz der Robotersparte stieg um 14,9 Prozent auf 378,6 Milliarden Yen und machte 44,1 Prozent des Konzernumsatzes aus, nach 41,3 Prozent ein Jahr zuvor. Die Fabrikautomation mit CNC-Steuerungen und Servomotoren wuchs um 7,0 Prozent auf 208,5 Milliarden Yen, das Servicegeschäft um 4,4 Prozent auf 141,1 Milliarden Yen. Die Sparte Robomachine mit dem Bearbeitungszentrum Robodrill, der Spritzgießmaschine Roboshot und der Drahterodiermaschine Robocut verlor dagegen 5,8 Prozent auf 129,6 Milliarden Yen.

Besonders stark fiel das Schlussquartal von Januar bis März aus. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 10,6 Prozent auf 234,5 Milliarden Yen, das operative Ergebnis erreichte 56,1 Milliarden Yen bei einer Marge von 23,9 Prozent. Der Roboterumsatz legte im Quartal um 25,5 Prozent auf 109,4 Milliarden Yen zu. In Europa wuchs er um 45,1 Prozent auf 22,8 Milliarden Yen, in Amerika um 34,8 Prozent auf 48,0 Milliarden Yen und in China um 34,6 Prozent auf 26,8 Milliarden Yen. Im übrigen Asien brach der Roboterumsatz dagegen um 49,3 Prozent ein.

Der Auftragseingang spricht für anhaltenden Schwung. Im vierten Quartal buchte Fanuc Bestellungen über 252,0 Milliarden Yen, 19,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 14,5 Prozent mehr als im Vorquartal. Die Aufträge aus China schnellten um 55,2 Prozent auf 79,0 Milliarden Yen hoch und stellten 31,3 Prozent des Gesamtvolumens. Europa legte um 19,4 Prozent auf 37,5 Milliarden Yen zu, Japan um 29,6 Prozent auf 34,3 Milliarden Yen. Amerika stagnierte mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 61,2 Milliarden Yen. Nach Sparten stiegen die Aufträge der Fabrikautomation um 40,2 Prozent auf 71,1 Milliarden Yen, die Roboteraufträge um 10,6 Prozent auf 100,6 Milliarden Yen.

In der Zusammenfassung der Analystenkonferenz nannte Fanuc als Treiber in China KI-Halbleiter, Rechenzentren, Komponenten für humanoide Roboter, Medizintechnik und Elektrofahrzeuge. Einige Kunden hätten CNC-Bestellungen vorgezogen, um frühere Liefertermine zu sichern. In den Vereinigten Staaten weite sich die Roboternachfrage von Elektroautos auf Hybrid- und Verbrennerprogramme aus, die allgemeine Industrie sei stabil.

Für das Geschäftsjahr bis März 2027 erwartet Fanuc einen Umsatzanstieg um 6,0 Prozent auf 909,6 Milliarden Yen und damit einen weiteren Rekord. Das operative Ergebnis soll um 15,5 Prozent auf 212,2 Milliarden Yen steigen, die Marge auf 23,3 Prozent, der Nettogewinn um 11,0 Prozent auf 184,9 Milliarden Yen. Die Planung unterstellt 150 Yen je Dollar und 170 Yen je Euro. Die geltenden US-Zölle seien eingerechnet, die Folgen des Nahost-Konflikts bislang begrenzt, teilte das Unternehmen mit.

Der Verwaltungsrat billigte zudem einen Rückkauf von bis zu 10 Millionen Aktien oder 50 Milliarden Yen zwischen dem 1. Mai 2026 und dem 30. April 2027. Im abgelaufenen Jahr hatte Fanuc lediglich eigene Aktien für 553 Millionen Yen erworben; das vorherige Programm sei wegen des gestiegenen Kurses weitgehend ungenutzt geblieben.

In den Vereinigten Staaten baut Fanuc Kapazität auf. Die Tochter Fanuc America investiert 90 Millionen Dollar, rund 14,3 Milliarden Yen, in ein Grundstück in Michigan und eine Anlage mit 840.000 Quadratfuß, die Ende 2027 fertig sein soll. Sie zielt auf die Nachfrage nach Physical AI, virtueller Inbetriebnahme und digitalen Zwillingen. Seit 2019 summieren sich die US-Investitionen damit auf rund 300 Millionen Dollar und mehr als 700 Arbeitsplätze.

Für Europa ist das Zahlenwerk ein Signal. Das Plus von 45,1 Prozent beim Roboterumsatz im Schlussquartal fällt in eine Phase, in der deutsche Autobauer und Zulieferer ihre Investitionen kritisch prüfen. Fanuc konkurriert hier unmittelbar mit Kuka, der Robotertochter des chinesischen Midea-Konzerns, und mit ABB Robotics. Für mittelständische Maschinenbauer, die Fanuc-Steuerungen in ihre Anlagen einbauen, bleibt die Nachfrage nach der Fabrikautomation in Europa dagegen schwach, wie das Unternehmen selbst einräumt.

Die heimischen Wettbewerber wuchsen langsamer. Yaskawa Electric, dessen Geschäftsjahr im Februar endet, meldete am 10. April ein Umsatzplus der Robotiksparte von 4,0 Prozent auf 247,0 Milliarden Yen bei einem Rückgang des Spartenergebnisses um 14,0 Prozent auf 20,4 Milliarden Yen. Kawasaki Heavy Industries berichtete am 12. Mai einen Roboterumsatz von 92,9 Milliarden Yen, weniger als im Vorjahr.

Japans drei große Roboterhersteller im jüngsten Geschäftsjahr
  • Fanuc
    Geschäftsjahresende
    März 2026
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    857,8
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    378,6
    Veränderung Roboterumsatz (%)
    14,9
    Operative Konzernmarge (%)
    21,4
    Umsatzprognose Folgejahr (Mrd. Yen)
    909,6
  • Yaskawa Electric
    Geschäftsjahresende
    Februar 2026
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    542,1
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    247
    Veränderung Roboterumsatz (%)
    4
    Operative Konzernmarge (%)
    8,7
    Umsatzprognose Folgejahr (Mrd. Yen)
    580
  • Kawasaki Heavy Industries
    Geschäftsjahresende
    März 2026
    Konzernumsatz (Mrd. Yen)
    2311,2
    Roboterumsatz (Mrd. Yen)
    92,9
    Veränderung Roboterumsatz (%)
    -1,8
    Operative Konzernmarge (%)
    6,3
    Umsatzprognose Folgejahr (Mrd. Yen)
    2560

Angaben laut Unternehmensberichten. Kawasaki: Roboterlinie der Sparte Präzisionsmaschinen und Roboter, Marge auf Basis des Geschäftsergebnisses. Veränderung = laufendes Jahr geteilt durch Vorjahr minus eins.

Stand: 1. Okt. 2026

Die Risiken sind sichtbar. China steuerte 26,6 Prozent des Jahresumsatzes und fast ein Drittel der Aufträge im Schlussquartal bei, ein Teil davon nach Fanucs eigener Darstellung vorgezogen. Das Robomachine-Geschäft liegt unter Vorjahr. Zudem weist Fanuc Physical-AI-Roboter nicht gesondert aus, so dass der Beitrag der beworbenen KI-Produkte offenbleibt.

ROBOTNESS-Analyse

Fanucs Rekordjahr bestätigt den Aufschwung im Robotergeschäft in Amerika, Europa und China, doch der neue Plan setzt stärker auf Margen als auf Volumen und ist anfällig, falls Chinas Vorzieheffekt verpufft.

Der Beleg liegt in der Prognose. Fanuc erwartet 6,0 Prozent mehr Umsatz, aber 15,5 Prozent mehr operatives Ergebnis; die Marge soll auf 23,3 Prozent steigen, nachdem das Schlussquartal bereits 23,9 Prozent erreichte. Ein großer Teil des jüngsten Auftragsplus kam aus China, wo das Unternehmen selbst Vorzieheffekte benennt.

Das stärkste Gegenargument ist die Breite der Erholung. Europa legte bei den Aufträgen um 19,4 Prozent zu, Japan um 29,6 Prozent, die Roboteraufträge insgesamt um 10,6 Prozent. Wer nur mit einem Strohfeuer rechnet, investiert keine 90 Millionen Dollar in neue US-Kapazitäten.

Positivszenario: Roboteraufträge von mehr als 100 Milliarden Yen je Quartal werden zur neuen Basis, die Autoindustrie in Europa und den USA investiert über Elektroautos hinaus, die offene Physical-AI-Plattform stärkt die Preissetzungsmacht. Die Marge nähert sich 24 Prozent.

Negativszenario: Chinas Aufträge normalisieren sich, das übrige Asien bleibt schwach, Zölle drücken die US-Marge. Das Umsatzwachstum bleibt unter 6 Prozent, das Margenziel wird verfehlt.

  • 31. Juli 2026: Zahlen zum ersten Quartal, Test für China-Aufträge über 70 Milliarden Yen.
  • Monatlich ab Juni 2026: Meldungen zum Aktienrückkauf.
  • Ende 2027: Fertigstellung der Anlage in Michigan.
Eckdaten
Geschäftsjahr
April 2025 bis März 2026
Umsatz
857,8 Mrd. Yen (+7,6 %), Rekord
Operatives Ergebnis
183,8 Mrd. Yen (+15,7 %), Marge 21,4 %
Nettogewinn
166,5 Mrd. Yen (+12,9 %)
Umsatz Robotik
378,6 Mrd. Yen (+14,9 %), Anteil 44,1 %
Auftragseingang Q4
252,0 Mrd. Yen (+19,2 %)
Aufträge China Q4
79,0 Mrd. Yen (+55,2 %)
Prognose 2026/27
Umsatz 909,6 Mrd. Yen, operatives Ergebnis 212,2 Mrd. Yen
Aktienrückkauf
Bis zu 10 Mio. Aktien oder 50 Mrd. Yen
US-Investition
90 Mio. Dollar, Anlage in Michigan bis Ende 2027
Quellen
ROBOTNESS Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Fanuc liefert sowohl die Steuerungen in Werkzeugmaschinen als auch die Roboter, die sie beschicken, und gilt daher als Frühindikator für Industrieinvestitionen. Ein Roboterplus von 14,9 Prozent und ein Auftragsplus von 19,2 Prozent im Schlussquartal sind das bislang deutlichste Zeichen, dass die Lagerkorrektur seit 2023 vorbei ist.

    Für die deutsche Industrie ist vor allem der europäische Roboterumsatz relevant, der im Schlussquartal um 45,1 Prozent stieg. Er zeigt, dass Automatisierungsprojekte trotz schwacher Konjunktur wieder anlaufen, während die Fabrikautomation für Maschinenbauer schwach bleibt.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Yaskawa steigerte den Robotikumsatz nur um 4,0 Prozent bei sinkendem Spartenergebnis, Kawasaki verlor im Robotergeschäft leicht. Fanuc gewinnt damit in Japan Volumen und Preissetzungsmacht zugleich.

    In Europa sind Kuka und ABB Robotics die direkten Rivalen, vor allem in der Autoindustrie. Fanucs Vorteil liegt in der eigenen Steuerungs- und Antriebstechnik sowie in einem dichten Servicenetz, das Mittelständler bei Einzelanlagen schätzen.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Die angepeilte operative Marge von 23,3 Prozent liegt weit über Yaskawas 8,7 Prozent und Kawasakis 6,3 Prozent Geschäftsergebnismarge. Ausschüttungsquote von 60 Prozent und Rückkauf unterstreichen die Ertragskraft.

    Dass das alte Rückkaufprogramm wegen des Kursanstiegs ungenutzt blieb, zeigt, dass der Markt die Erholung teils eingepreist hat. Ein Rückgang der China-Aufträge würde eine Bewertung treffen, die weiteres Margenwachstum unterstellt.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Fanuc fertigt Servomotoren und Steuerungen weitgehend selbst und ist so weniger abhängig von Getriebe- und Motorlieferanten. Die Anlage in Michigan stärkt die lokale Fertigung im Zollumfeld.

    Für europäische Zulieferer bedeutet die chinesische Nachfrage nach Komponenten für Humanoide einen neuen Wettbewerb um Präzisionsteile, die zunehmend in China auf japanischen Maschinen gefertigt werden.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Die Zahlen zum ersten Quartal am 31. Juli zeigen, ob 79,0 Milliarden Yen China-Aufträge eine Einmalspitze waren. Wichtig ist auch, ob Europas Roboterumsatz das Niveau von 22,8 Milliarden Yen je Quartal hält.

    Strategisch ist die Neuheitenschau im Mai entscheidend, auf der Fanuc zeigen will, wie weit die offene Physical-AI-Plattform vom Demonstrator zur Bestellung gelangt ist.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Fanuc startet mit dem stärksten Auftragsmomentum unter Japans Roboterherstellern ins neue Jahr, die Prognose setzt aber stark auf Margen. Zuversicht: mittel. Die regionale Breite stützt die These, der China-Anteil und die eingeräumten Vorzieheffekte begrenzen sie.

    Bleiben die Roboteraufträge im ersten Quartal über 100 Milliarden Yen und China über 70 Milliarden Yen, steigt die Zuversicht auf hoch. Fallen China und das übrige Asien gleichzeitig, sinkt sie.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie viel des China-Booms war vorgezogen, wie viel strukturelle Nachfrage aus Humanoiden- und Rechenzentrumsketten? Fanuc beziffert es nicht.

    Ab wann weist Fanuc Physical-AI-Roboter separat aus, und wird Michigan komplette Roboter bauen oder nur endmontieren?