ANYbotics eröffnet Engineering-Standort in Barcelona und baut KI-Kompetenz für ANYmal aus
Der Zürcher Inspektionsroboter-Hersteller ANYbotics hat am 16. Juni 2026 ein Büro auf dem Industrie-4.0-Campus DFactory Barcelona eröffnet. Dort sollen Teams für Computer Vision, maschinelles Lernen, Software, Mechatronik und DevOps entstehen; es ist nach Zürich und San Francisco der dritte Standort.
ANYbotics, Hersteller des vierbeinigen Inspektionsroboters ANYmal, hat seinen dritten Standort eröffnet. Das Zürcher Unternehmen teilte am 16. Juni 2026 mit, es habe auf dem Industrie-4.0-Campus DFactory Barcelona ein Büro bezogen, um seine Entwicklung in Europa auszubauen.
Das neue Team soll an Computer Vision, maschinellem Lernen, Backend- und Frontend-Software, Mechatronik und DevOps arbeiten. Barcelona bildet mit Zürich und San Francisco eine Struktur aus drei Hubs, die Kunden in Europa, Nordamerika und Asien betreuen. Zielgröße und Investitionssumme nannte ANYbotics nicht.
Die Stimmen
Vorstandschef Péter Fankhauser sagte, Barcelona biete Zugang zu hervorragenden Ingenieuren in einer Stadt, die sich zu einem Robotik-Zentrum entwickelt habe. Technikchef Andrea Corda verwies auf Fachleute, die schwierige Probleme in Computer Vision, maschinellem Lernen und Softwaresystemen lösen. Pere Navarro, Präsident des Consorci de la Zona Franca, der den Campus betreibt, sprach von einem Fortschritt bei Betriebssicherheit und Datenmanagement.
Ein Frühjahr voller Schritte
Am 10. Februar 2026 kündigten ANYbotics und Yokogawa an, die Software OpreX Robot Management Core mit der ANYmal-Software zu integrieren, einschließlich des explosionsgeschützten ANYmal X, für Öl und Gas, Energie und Metallindustrie. Fankhauser sprach damals von einem Meilenstein für die Expansion in Energiemärkte in Asien und im Nahen Osten. Im Februar folgte die Zertifizierung nach ISO 27001, am 22. März die Berufung von Thierry Obédé, zuvor in Führungsrollen bei Hexagon, Siemens Digital Industries Software und GE Digital, zum Chief Revenue Officer.
Finanzierung und Kunden
ANYbotics sammelte im Mai 2023 eine Series B über 50 Millionen Dollar und im Dezember 2024 weitere 60 Millionen Dollar unter Führung von Qualcomm Ventures und Supernova Invest ein, mit TDK Ventures, Walden Catalyst, NGP Capital, Bessemer Venture Partners, Swisscanto und Swisscom Ventures. Damals lag die Gesamtfinanzierung bei über 130 Millionen Dollar, im Februar 2026 nannte das Unternehmen mehr als 150 Millionen Dollar. Als Kunden führt es BP, Equinor, Petrobras, Novelis und Outokumpu; es beschäftigt mehr als 200 Fachleute.
- 2020-12-03
- Series A
- Keine Daten
- Keine Daten
- ANYbotics
- 2023-05-16
- Series B
- 50.000.000
- Keine Daten
- ANYbotics
- 2024-12-12
- Zusatzfinanzierung
- 60.000.000
- Qualcomm Ventures, Supernova Invest
- ANYbotics
- 2025-09-19
- Strategisch
- Keine Daten
- Climate Investment
- Climate Investment
- 2026-02-10
- Kumuliert
- 150.000.000
- Keine Daten
- ANYbotics und Yokogawa (mehr als)
Beträge laut Veröffentlichung; kumulierter Wert ist Untergrenze (mehr als 150 Mio. USD). null = nicht veröffentlicht. Keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Was der Roboter leistet
ANYmal läuft auf vier Beinen über Treppen und Gitterroste, wo Radroboter scheitern. Kameras, Wärmebild-, Akustik- und Gassensoren lesen Anzeigen ab, finden Lecks und erkennen Überhitzung. Damit ersetzt er Kontrollgänge in gefährlichen Bereichen. Der Mehrwert verlagert sich zur Software: Erkennungsmodelle, die Messwerte deuten, und Flottensoftware, die Missionen plant und Daten in Leitsysteme wie die von Yokogawa einspeist.
Wettbewerb und Bedeutung für Europas Industrie
In der Inspektion mit Laufrobotern konkurriert ANYbotics mit Spot von Boston Dynamics, einer Tochter der Hyundai Motor Group, sowie mit günstigen chinesischen Vierbeinern etwa von Unitree. Auch Gecko Robotics aus den USA wirbt um Inspektionsbudgets. Für die europäische Chemie- und Energiebranche, von großen Verbundstandorten bis zu Stadtwerken, ist ein europäischer Anbieter mit Explosionsschutz ein Argument in Fragen von Datenhoheit und Service. Die Wahl Barcelonas zeigt zugleich, dass Schweizer Technologieunternehmen Entwicklungskapazität zunehmend in kostengünstigere EU-Standorte verlagern.
Risiken und Ausblick
Mitarbeiterzahl, Investition und Zeitplan für Barcelona bleiben offen. Umsatz und Flottengröße veröffentlicht ANYbotics nicht. Günstige Vierbeiner könnten die Preise in nicht explosionsgefährdeten Anwendungen drücken.
ROBOTNESS-Analyse
ANYbotics wird zu einem Software- und Datenunternehmen, das nebenbei Beine baut, und Barcelona ist der Ort, an dem es dafür einstellt.
Dafür spricht der Stellenmix. Das neue Büro zielt auf Vision, maschinelles Lernen und DevOps statt auf Fertigung, die Yokogawa-Partnerschaft verbindet ANYmal mit Leitsystemen, und ein Vertriebschef mit SaaS-Erfahrung führt nun den Verkauf.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass die Prozessindustrie langsam kauft und günstige Vierbeiner die Hardware zur Massenware machen könnten, bevor Softwareerlöse reifen. Ein dritter Standort erhöht zudem die Fixkosten ohne veröffentlichte Umsätze.
Bull Case. Explosionsschutz und Integration in Leitsysteme machen ANYmal zum Standard für Inspektion in Gefahrenzonen, und Barcelona liefert günstigere Entwicklungskapazität als Zürich.
Bear Case. Pilotprojekte wachsen nicht zu Flotten, Energiebudgets schrumpfen, und das Unternehmen muss zu schlechteren Konditionen nachfinanzieren.
Signale.
- Zweites Halbjahr 2026: benannte Kundeneinsätze mit Yokogawa OpreX und ANYmal
- 2026: Personalaufbau am Standort DFactory Barcelona
- Nächste Finanzierungsrunde und ob sie Umsatz oder Flottengröße offenlegt
- 16. Juni 2026
- Industrie-4.0-Campus DFactory Barcelona
- Computer Vision, maschinelles Lernen, Software, Mechatronik, DevOps
- Zürich, San Francisco, Barcelona
- über 150 Mio. US-Dollar (Firmenangabe, Februar 2026)
- über 200
- 10. Februar 2026
Warum das wichtig ist
Inspektion ist eines der wenigen Robotikfelder, in denen Laufroboter bereits im Alltag Geld verdienen. Die Expansion zeigt, dass Europas führender Anbieter den Engpass bei Software und KI-Talent sieht, nicht bei Hardware.
Zudem etabliert sich Spanien als kostengünstiger Entwicklungsstandort für Schweizer und deutsche Robotikfirmen.
Wettbewerbsanalyse
Spot von Boston Dynamics konkurriert direkt, chinesische Vierbeiner über den Preis in ungefährlichen Bereichen, Gecko Robotics um dieselben Inspektionsbudgets.
Der explosionsgeschützte ANYmal X ist der deutlichste Burggraben, da Zertifizierungen für Ex-Zonen teuer und langwierig sind.
Bewertungskontext
Rundengrößen sind bekannt, eine Bewertung nicht: 50 Millionen Dollar im Mai 2023, 60 Millionen im Dezember 2024, kumuliert über 150 Millionen bis Februar 2026.
Ohne Umsatzangaben fehlt der Vergleich mit börsennotierten Automatisierern.
Folgen für die Lieferkette
Laut Mitteilung vom Februar bringt Yokogawa Leitsystemsoftware und ein Vertriebsnetz in 62 Ländern ein und wird so zum Kanal für ANYmal.
Die Investoren Qualcomm Ventures und TDK Ventures verbinden das Unternehmen mit Rechen- und Sensorlieferanten.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstes Signal sind benannte Kunden mit Yokogawa-Integration in Asien und im Nahen Osten.
Zweites Signal ist, ob der neu aufgestellte Vertrieb unter Obédé Flottenverträge über mehrere Standorte abschließt.
Analystensicht
These: ANYbotics positioniert sich als Inspektionsdaten-Unternehmen, der neue Standort stützt diesen Wandel. Zuversicht: mittel. Expansion, Partnerschaft und Personalien sind belegt, Umsatz, Flottengröße und Personalstärke in Barcelona nicht.
Wiederkehrende Umsätze oder ein Flottenvertrag würden die Zuversicht erhöhen.
Offene Fragen
Wie viele Ingenieure sollen bis wann in Barcelona arbeiten?
Welcher Anteil des Umsatzes entfällt auf Software und Services, und wie viele ANYmal sind im Regelbetrieb?
